Von news.de-Redakteurin Jana Koopmann - 01.11.2014, 08.00 Uhr

Durch(ge)hört: Techno ist tot, es lebe Techno

Die Techno-Welle ist erneut auf dem Vormarsch - diesmal kommt der Trend aus Amerika und hält abermals Einzug in die Clubs. Die DJs deadmau5, Fritz Kalkbrenner  und Calvin Harris haben aktuell neue Alben in den Regalen. news.de hat die Alben auf Herz und Nieren getestet.

Seit einigen Jahren wurde es ruhig in der Technoszene. Und das nicht erst seit dem schrecklichen Loveparade-Drama! Große Namen wie Westbam oder Da Hool traten in letzter Zeit doch eher auf kleineren Gigs auf, als die großen Hallen zu füllen. Mittlerweile ist der Trend der elektronischen Tanzmusik jedoch erneut angekommen, diesmal aus Amerika.

Fritz Kalkbrenner: Nicht mehr nur der Bruder von Paul Kalkbrenner

Elektronische Musik hat in unseren Landen einen Namen: Paul Kalkbrenner. Weniger bekannt, aber nicht automatisch erfolgloser ist sein Bruder Fritz Kalkbrenner. Auch er hat seine Liebe zur Technomusik schon sehr zeitig entdeckt und spätestens seit dem Superhit der Brüder «Sky and Sand» und dem Soundtrack zu «Berlin Calling» sollte man schon mal von ihm gehört haben.

Der Kulturredakteur und Musikproduzent hat mit Ways over Water sein mittlerweile drittes Soloalbum veröffentlicht und seinen eigenen Stil geprägt. Seine soulige Stimme macht ihn unverkennbar, dazu pumpende Bässe und tanzbare Beats.

VIDEO: Fritz Kalkbrenner versteht sich gut mit seinem Bruder Paul

Wer Berlin Calling mag, wird auch diese Platte lieben. Fritz Kalkbrenner feilt an seinen Songs fast bis zur Perfektion und verleiht ihnen damit den richtigen Charme. Seine sanften Vocals runden das Klangerlebnis ab. Aber auch radiotaugliche Musik schafft er, ohne dass es ein langweiliger Song wird. Die erste Auskopplung Back Home überzeugt wirklich auf ganzer Linie. Auch wenn sich viele radiotaugliche Tracks auf der Platte finden, ist es trotzdem auch (oder gerade deswegen) der perfekte Clubsound. Ein Leckerbissen in den Regalen, der allzeit für gute Laune sorgt.

Fazit: 5 von 5 Sternen
Album: Ways over water
Interpret: Fritz Kalkbrenner
Label: Suol

Wer zu diesen Songs über das Wasser tanzen möchte, erlebt Fritz Kalkbrenner live:

26.12.2014 Leipzig / Haus Auensee
27.12.2014 Dresden / Reithalle
17.01.2015 München / Zenith
23.01.2015 Bremen / Pier 2
24.01.2015 Hamburg / Sporthalle
29.01.2015 Frankfurt / Batschkapp
31.01.2015 Berlin / Columbiahalle
07.02.2015 Köln / Palladium
12.02.2015 Nürnberg / Löwensaal
13.12.2015 Wien / Planet.tt Bank Austria Gasometer

deadmau5: Micky Maus an den Turntables

Der DJ Joel Zimmerman aka deadmau5 ist in der Szene schon längst einer der ganz Großen. Er spielt mittlerweile in einer Liga mit David Guetta und lässt sich für einen Auftritt auch gerne sechsstellig bezahlen. In unsere Landen machte er nicht nur von sich reden, als er in einen Rechtsstreit mit dem Filmkonzern Disney verwickelt war. Sein Markenzeichen: die großen Mäuseohren, mit denen er immer am DJ-Pult steht.

Sein aktuelles Album while(1<2) ist keine Neuerfindung der Musik, deadmau5 bleibt beim Altbewährten und macht damit alles richtig. Wer Paul Kalkbrenner mag, wird auch an ihm Gefallen finden. 25 Tracks, die sehr angenehm rüberkommen, Gleich ob Trance oder auch mal einen Ausflug über seinen typischen Sound hinaus. Auch Superstars wie Nine Inch Nails hat er auf seine Platte eingeladen.

Alles in alles eine sehr schöne Ambient- und Danceplatte, die beim Hören und auch Tanzen Spaß macht. deadmau5 hat es begrifften, dass man nicht zwingen ganze Stadien füllen muss, um ein erfolgreicher DJ zu sein.

Fazit: 3 von 5 Sternen
Album: while(1<2)
Interpret: deadmau5
Label: Universal Music

Calvin Harris: Techno mit Superstars

Spätestens seit seinem Chartstürmer «Summer» sollte man Calvin Harris kennen. Der schottische DJ hat sein mittlerweile viertes Studioalbum veröffentlicht. Das Album Motion ist der Nachfolger des Erfolgsalbum 18 Months, welches nicht weniger als neun Charthits hervorbrachte. Superstars wie Hurts, Elle Goulding und Gwen Stefanie unterstützen den DJ auf seiner neuen Platte.

Seine Singleauskopplung Summer erreichte bereits Platinstatus und auch die anderen Songs sind stark chartverdächtig. Durchweg bleibt sich Calvin Harris treu: tanzbare Beats plus Superstar - ein Erfolgsrezept für eine Chartplatzierung. Seine eigenen Tracks dürfen auch gerne schon etwas härter werden und weniger bis gar nicht textlastig. Alles in allem eine sehr gute Mischung.

Leider ist manchmal der Übergang der einzelnen Songs etwas hart. Konnte man noch zu Overdrive den Sound genießen, kommt gleich im Anschluß der seichte Gesang von Hurts in Ectasy und reißt einen aus der Tanzwut. Dieser Song ist tatsächlich einer, der gar nicht in das Bild passt. Der zweite Auftritt von Hurts in Under Control hingegen passt vom Sound her besser. Leider bleibt Ectasy nicht der einzige Fehlgriff für eine basslastiges Album. Auch der gemeinsame Track mit Tinashe ist mit zuviel Gesang ausgestattet, als das richtige Tanzlaune aufkommen wird. Schade, denn die Beats zwischen den Textpassagen sind richtig gut. Mit Blame kommt eine Popnummer daher. Hier besteht definitiv Ohrwurmgefahr. Und die männliche Stimme passt auch besser zum Calvin-Harris-Sound.

Alles in allem ist es trotzdem ein gelungenes Album mit einigen Ausrutschern. Die Clubs wird es definitiv erobern.

Fazit: 4 von 5 Sternen
Album: Motion
Interpret: Calvin Harris
Label: Smi Col (Sony Music)

Schiller: Elektro meets Classic

Christopher von Deylen alias Schiller stellte mit seinem neuen Live-Album Symphonia einen neuen Rekord auf. Das Konzert vom Berliner Gendarmenmarkt stieg sofort auf Platz vier der deutschen Album-Charts ein.

Doch das Konzert war nicht nur geprägt von seinen Künsten in elektronischer Musik, nein, Schiller hatte ein komplettes Orchester mit auf der Bühne. Seine bisherigen Werke wurden episch untermalt von Konzertklängen. Songs wie Das Glockenspiel oder Sehnsucht bekamen so einen ganz anderen Sound und faszinierte Künstler und Zuhörer gleichermaßen.

Doch nicht nur die Klassik-Fans kommen hier auf Ihre Kosten, auch Stars wie Der Graf von Unheilig oder Midge Ure trugen zum Erfolg des Albums bei. Bereits mit seinem Vorgängeralbum Opus hat er den Weg zur klassischen Musik eingeschlagen und ist damit mehr als erfolgreich gewesen. Symphonia zeigt die Leichtigkeit der Verbindung zwischen elektronischer und orchestraler Musik.

Das Album ist definitiv eines der besten aus der Discografie von Schiller und wird beim Hören automatisch Gänsehaut hervorrufen.

Fazit: 5 von 5 Sternen
Album: Symphonia
Künstler: Schiller
Label: We love Music (Universal Music)

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Ife/news.de

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