Theater: Wolfram Höll gewinnt mit «Und dann» in Mülheim

Mülheim/Ruhr - Vor zwei Jahren hatte sein Stück den Nachwuchspreis beim Heidelberger Stückemarkt erhalten, im Oktober 2013 war Uraufführung in Leipzig - in der Nacht zum Pfingstsonntag nun gewann Wolfram Höll mit «Und dann» den begehrten, mit 15 000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis.Aus der Perspektive eines Kindes erzählt er darin vom Verschwinden der Mutter.Das Schauspiel schildert die Tragödie aus der Sicht des sechsjährigen Sohnes.

Wolfram Höll gewinnt mit «Und dann» in Mülheim Bild: Affolter/Savolainen/dpa

Vieles ist ihm unklar - die Zuschauer müssen sich aus den Mosaiksteinen seiner Mitteilungen selbst ein Bild zusammensetzen. Ist die Mutter gestorben, ist sie aus der Welt der Plattenbauten geflohen? Was kann der Grund für die maßlose Trauer des Vaters sein?

Höll erzählt an der Oberfläche eine alltägliche, tragische Geschichte, in tieferen Schichten analysiert das Schauspiel die Differenz zwischen kindlichem, naiven und erwachsenem, analytischen Bewusstsein. Die Dialoge sind fein geschliffen, der Text ist geschrieben wie eine Komposition. «Und dann» wurde von der Kritik als «Glanzlicht», «Wunderwerk» und «großartiges Theater» gefeiert. Das Stück ist auch zu den derzeit laufenden Autorentheatertagen in Berlin eingeladen.

Höll wurde 1986 in Leipzig geboren. Er studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel, wo er auch lebt, und Theater an der Hochschule der Künste in Bern. Beim Schweizer Sender SRF ist er als Hörspielregisseur und -dramaturg tätig.

In Mülheim stand Höll mit weiteren sechs Autoren im Wettbewerb. Nach öffentlicher Debatte in der Nacht zum Pfingstsonntag entschied die Jury im Theater an der Ruhr knapp für ihn. Höll erhielt drei Stimmen; auf den zweimaligen Mülheim-Gewinner René Pollesch («Gasoline Bill», eine Produktion der Münchner Kammerspiele) entfielen zwei Stimmen.

Den Publikumspreis gewann das Theaterkollektiv Rimini Protokoll (Helgard Haug & Daniel Wetzel), das mit der nach einem Badeunfall querschnittgelähmten Maria-Cristina Hallwachs das Stück «Qualitätskontrolle» erarbeitet hat. Im Wettbewerb standen noch Ferdinand Schmalz («am beispiel der butter»), Laura de Weck («Archiv des Unvollständigen»), Rebekka Kricheldorf («Alltag und Ekstase») und Philipp Löhle («Du»).

Der Preis soll am 22. Juni verliehen werden. Höll steht als Mülheimer Sieger nun in einer Reihe mit Größen wie Herbert Achternbusch, Peter Handke, Elfriede Jelinek und Botho Strauß. Zuletzt gewann im vergangenen Jahr Katja Brunner mit dem Inzestdrama «Von den Beinen zu kurz». Der Dramatikerpreis wird seit 1976 verliehen.

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news.de/dpa

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