Theater: Falladas «Ein Mann will nach oben» auf der Bühne

Bochum - Der Kampf kleiner Leute um ihre Existenz in Krisen- und Kriegszeiten steht im Mittelpunkt der berührenden Romane von Hans Fallada (1893-1947).

Falladas «Ein Mann will nach oben» auf der Bühne Bild: DB dpa/dpa

In jüngster Zeit erleben die kraftvollen Erzählungen Falladas («Jeder stirbt für sich allein», «Kleiner Mann - was nun?») voller Berliner Humor eine Renaissance und werden auch für die Bühne neu entdeckt. Nun hat der Bochumer Intendant Anselm Weber sich an das monumentale Werk «Ein Mann will nach oben» aus dem Jahr 1942 gewagt. Am Donnerstag feiert die Bühnenfassung im Schauspielhaus der Revierstadt ihre Uraufführung.

Vielen dürfte noch die gleichnamige 13-teilige Fernsehverfilmung mit Mathieu Carrière und Ursela Monn aus dem Jahr 1978 in Erinnerung sein. Im Zentrum der großen Erzählung steht der junge Karl Siebrecht. Als 16-Jähriger verlässt Siebrecht im Jahr 1909 sein Heimatdorf in der Uckermark, um in Berlin sein Glück zu suchen. In der Eisenbahn lernt er die blutjunge Berliner Arbeitergöre Rieke kennen. Nach vielen Rückschlägen gründet er eine Gepäcktransportfirma. Die große Erzählung umspannt von 1909 bis 1931 zwei Jahrzehnte deutscher Geschichte und Umbrüche.

Ein Scharnier der Stücks bildet der Erste Weltkrieg. Karl zieht an die Front und fängt nach der Gefangenschaft wieder neu an. Insofern hat das Stück auch einen Bezug zum Erinnerungsjahr an den Weltkriegsausbruch vor 100 Jahren.

Für die Bochumer Theaterfassung hat sich Dramaturgin Sabine Reich bewusst nicht die TV-Serie angeschaut. Allein eine Bühnenfassung aus dem rund 800 Seiten starken Roman anzufertigen, sei eine schwierige Aufgabe gewesen, sagte sie der dpa. Immer wieder habe sie streichen müssen. «Die erste Fassung war 120 Seiten lang, zu viel fürs Theater.» Entstanden ist ein dreistündiges Theaterstück mit 13 Schauspielern und rund 40 Statisten.

Die 20er Jahre in Berlin werden durch originale Filmausschnitte und Kabarettlieder von Friedrich Hollaender und Mischa Spoliansky wieder lebendig. Auch heute gebe es zu Siebrechts Kampf um seinen Lebenstraum Referenzen, sagt Reich. Die Aktualität sei wie in den 20er Jahren geprägt von Unsicherheiten der Märkte und Börsen, die Gesellschaften befänden sich in Umbrüchen.

Der von Alkohol- und Morphiumsucht gezeichnete Fallada hieß eigentlich Rudolf Ditzen. Er nannte sich nach dem geschundenen Schimmel Falada aus dem Grimmschen Märchen «Die Gänsemagd», dessen abgeschlagenes Haupt die Wahrheit spricht. Falladas Großstadtroman «Ein Mann will nach oben» wird manchmal in eine Reihe mit Alfred Döblins «Berlin Alexanderplatz» gestellt.

Ein Mann will nach oben

news.de/dpa

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