Ausstellungen: Gesang der mittelalterlichen Stiftsfrauen in Quedlinburg

Quedlinburg - Sieben Mal am Tag und einmal in der Nacht kamen im Mittelalter die Stiftsfrauen in Quedlinburg zusammen, um zu beten und zu singen - ganz unter sich. Die Musik, die ihrem Tag Struktur verlieh, steht jetzt im Mittelpunkt einer Sonderausstellung in der Stiftskirche Quedlinburg.

Gesang der mittelalterlichen Stiftsfrauen in Quedlinburg Bild: Jens Wolf/dpa

Besucher können einen Blick auf das sogenannte Quedlinburger Antiphonar werfen, eine der frühesten vollständig erhaltenen Musikhandschriften einer geistlichen Gemeinschaft. Zwei Lieder aus dem Werk sind von einer Bamberger Musikgruppe vertont worden. Sie sind mit Pausen während der Schau «Der Klang der Frauen» zu hören. Die Ausstellung läuft vom 1. Juni bis zum 24. August.

Das Quedlinburger Gesangbuch ist nach Angaben des Ausstellungskurators Christoph Winterer von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz rund 1000 Jahre alt. Es beinhalte 4450 Gesänge für das ganze Jahr. Das mit 25 mal 19 Zentimetern vergleichsweise kleine Buch mit 144 Blättern werde seit 160 Jahren in der Berliner Staatsbibliothek verwahrt und nun nach Quedlinburg ausgeliehen.

Es sei sehr eng beschrieben, enthalte sehr einfache Noten und sei nicht illustriert. Eine Vorsängerin habe damals eine zehnjährige Ausbildung gehabt. Im Laufe der Ausstellung soll zweimal umgeblättert werden.

Die Ausstellung in der kargen Stiftskirche erklärt auf Stelen das Leben und Tagwerk der Stiftsfrauen. In den Anfängen gab es laut Winterer vermutlich 12 Stiftsfrauen, die in Quedlinburg zusammenlebten, später könnten es um die 40 gewesen sein. Anders als Nonnen hatten die alleinstehenden adeligen Frauen Privatbesitz, sogar Dienerinnen und ein geregeltes Einkommen. Ihre wichtigste Aufgabe waren die täglichen acht Stundengebete. Zudem gingen sie zur täglichen Messe, doch dabei konnten sie sich laut Winterer nicht aktiv beteiligen.

Der Klang der Frauen

news.de/dpa

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