Architektur: Ein Haus im Haus - 30 Jahre Architektur Museum

Frankfurt/Main - Wie bringt man Architektur ins Museum? Ein Haus im Haus, dachte sich Oswald Mathias Ungers und baute ein mehrstöckiges weißes Gebäude in eine Jahrhundertwende-Villa hinein.

Ein Haus im Haus - 30 Jahre Architektur Museum Bild: Marius Becker/dpa

Das Deutsche Architektur Museum (DAM) am Frankfurter Museumsufer war nicht nur das erste Museum für Architektur in der Bundesrepublik, sondern das erste weltweit, das ein eigenes Gebäude bekam. Am 1. Juni wird es 30 Jahre alt.

Seit den Gründungsjahren hat sich vieles geändert - und noch mehr Umwälzungen stehen bevor. Dass kurz vor dem Jubiläum das Café pleiteging, ist eine der kleineren Sorgen. Jährlich kommen laut Museumsleitung 80 000 Gäste, ein Drittel davon Ausländer. Am Frankfurter Museumsufer ist das DAM eines der kleineren Häuser: Das Flaggschiff am Schaumainkai, das Städel, zählte 2013 fast eine viertel Million Besucher.

Dabei ist das DAM ein Solitär: Vergleichbare Institutionen gibt es kaum. Das Architekturmuseum in München wird von der Technischen Universität (TU) betrieben und ist nur Gast in der Pinakothek der Moderne. Das Architekturmuseum der TU Berlin ist vor allem eine Sammlung von Architekturzeichnungen. Der Bund Deutscher Architekten betreibt seit 1995 in Berlin das «Deutsche Architektur Zentrum», das sich aber eher als «Ideenlabor» versteht. Wer Größeres sucht, muss sich im Ausland umschauen: das niederländische Architekturinstitut in Rotterdam oder die Cité de l'Architecture in Paris.

Auf seine goldenen Anfangsjahre blickt das DAM in seiner Jubiläumsausstellung zurück. Im Zentrum steht eine «Wunderkammer» mit den Werken, die Museumsgründer Heinrich Klotz zehn Jahre lang zusammengekauft hat - Skizzen und Modelle, Säulen-Füße und Torbögen, Architekturfotos und Architekten-Interviews - und das Sofa von Hermann Göring, dessen Gestaltung für Klotz die Geisteshaltung der Nazis auf den Punkt brachte. Klotz war zuvor Professor für Kunstgeschichte in Marburg gewesen und hatte ein Buch über Kitsch geschrieben: «Die röhrenden Hirsche der Architektur».

Beim Bau des DAM ließ der Bauherr seinem Architekten freie Hand. Angeblich, so berichtet der Kurator der Jubiläumsschau, Oliver Elser, wollte Ungers das Haus im Haus am liebsten leer lassen: Klotz könne seinen Kram doch in einem Schuppen nebenan ausstellen. Sogar die Möbel für das Direktorenzimmer durfte Ungers entwerfen. Klotz' Reaktion ist überliefert: «Wenn sie auch nicht besonders bequem sein werden, so sind sie doch sehr schön.»

Das gilt ein wenig für das gesamte Haus: Der Eingang ist nicht gerade einladend, die Räume eine Herausforderung für Ausstellungsgestalter. Die Frage, die Kritiker bei der Eröffnung stellten, ist bis heute unbeantwortet: Wie kann man Architektur eigentlich ausstellen? Wo ein Kunstmuseum ein Bild an die Wand hängt, hat das Architekturmuseum nur Ersatz anzubieten: Fotos, Modelle, Bauteile - seit einigen Jahren auch pseudo-realistische 3D-Animationen.

Einige der Exponate, die heute zu jeder Ausstellung gehören, wird es in Zukunft kaum noch geben. «Die Originalzeichnung ist praktisch ausgestorben, Architekten arbeiten heute fast nur noch digital.» Daraus zu schließen, ein Architekturmuseum sei überflüssig, hält Direktor Peter Cachola Schmal aber für grundfalsch: «Baumaßnahmen der Öffentlichkeit zu vermitteln - dass das nötig ist, wird nicht angezweifelt. Deutschland ist international in Misskredit geraten, weil es uns nicht mehr gelingt, Großprojekte reibungslos abzuwickeln.»

Daher sehen Fachleute Architekturmuseen eher als einen «Ort von Debatten», wie Architekt Gerhard Wittfeld es für den Bund Deutscher Architekten (BDA) formuliert. «Der museale Aspekt spielt eine untergeordnete Rolle.» Egal ob Ausstellung oder Vortragsreihe: Aufgabe eines solchen Hauses sei es, «zu werten, was ist relevant» und «die Personen hinter den Gebäuden zum Vorschein zu bringen». Wittfeld ist der Meinung, dass Deutschland definitiv ein Architekturmuseum braucht: «Architektur ist für Jeden relevant. Und sobald etwas relevant ist, sollte es einen Ort bekommen.»

news.de/dpa

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