Fernsehen: Ein Reihenhaus steht selten allein

Berlin - «Guck mal da - unser Haus», ruft der kleine Junge mit dem Plüschtier im Auto seinem Vater zu.

Ein Reihenhaus steht selten allein Bild: dpa

«Nein, das sieht nur so aus wie unseres», antwortet der Erzeuger gereizt, «das da vorne gehört uns.» Familie Börner - Grafiker-Vater Jan (Stephan Luca), Anwältin-Mutter Anne (Ulrike C. Tscharre), Sohn und Teenager-Tochter - zieht um. Aus der coolen Stadtwohnung in die Vorortsiedlung. Ein Reihenhaus gleicht dem anderen, Kitas, Schulen und viel frische Luft sollen den Kinder das Aufwachsen angenehm machen. Eine Vernunftentscheidung, getroffen vor allem von der Mama, die im Beruf neu durchstarten will, während ihr eher behäbiger Mann von daheim aus arbeitet.

In der ZDF-Familien- und Gesellschaftskomödie «Ein Reihenhaus steht selten allein» an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) gelingt es Regisseur Titus Selge («Überleben an der Wickelfront»), nach dem Buch von David Ungureit ein Stück deutschen Alltag der Generation um die 40 in Szene zu setzen, der so wirklichkeitsnah wie irrwitzig daher kommt. Denn im sterilen TV-Neubaugebiet «Grünfeld», das real in Frankfurt/Main angesiedelt ist, blüht neben manch Gutem jede Menge Nachbarschaftsterror, Frust und Neurose. Die Ehe der Börners kriegt einen Knacks, vor allem wegen der Hausmann-Rolle von Jan, der überdies vor Ort seine sexy Jugendflamme Maren (Felicitas Woll) wiedertrifft.

In einer Vielzahl von schrägen, flott getakteten Momentaufnahmen - die am Ende wieder an den Anfang anknüpfen - führen die Fernsehmacher Leben, Lieben und Leiden im sich selbst überwachenden Mikrokosmos passabel situierter Spießbürger vor. Zum Typenkabinett des Beitrags der U5-Filmproduktion gehören der ewig angelnde und räuchernde Fast-Fascho-Nachbar Werner (Felix Vörtler) samt Schäferhund Blondi und verhuschter Frau ebenso wie die demonstrativ im Vorgarten duschende Bikini-Schönheit oder die Kosmetikberaterin, die Hausmann Jan schon mal in seinem Wohnzimmer heimsucht. Es ist die Lust am Grillen, die sie alle zu einen scheint.

Das Hauptaugenmerk gehört dabei der Identitätskrise Jans, der im Job zusehends Misserfolge verbucht und den inneren Kontakt zu Sohn und Tochter verliert. Der Film punktet zudem mit ausgezeichneten (Haupt-) Darstellern, die im grotesken Geschehen den seelischen Entwicklungen ihrer Figuren Glaubwürdigkeit verleihen. Peppig pointierte Dialoge machen all die Themen und Situationen, die überzeichneter wirken mögen, als sie sind, besonders unterhaltsam. So mag man etwa mit dem vielfältig gebeutelten Jan mitfühlen, wenn der seiner 15-jährigen Tochter, die ihm mit dem Satz «Ich finde dich dann auch weniger scheiße» mal wieder Geld für Klamotten abgezockt hat, hinterher ruft: «Das Tolle an euch Teenagern ist, dass ihr so korrumpierbar seid.»

Ein Reihenhaus steht selten allein

news.de/dpa

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