Kino: Wim Wenders: 3D ist «Revolution der Filmsprache»

Berlin - Nach seinem vor zwei Jahren Oscar-nominierten Tanzfilm «Pina» bringt Meisterregisseur Wim Wenders ein neues 3D-Großprojekt in die Kinos.

Wim Wenders: 3D ist «Revolution der Filmsprache» Bild: Sebastien Nogier/dpa

In «Kathedralen der Kultur» erforscht er mit fünf namhaften Regiekollegen die Architektur wichtiger Gebäude. Im dpa-Interview erklärt er, was ihn daran fasziniert.

Frage: Wie ist die Idee zu «Kathedralen der Kultur» entstanden?

Antwort: Vor drei Jahren habe ich für die Architektur-Biennale in Venedig eine 3D-Installation gedreht mit dem Titel «If Buildings Could Talk». Es ging darin um ein revolutionäres Gebäude der japanischen Architektin Kazuyo Sejima, die damals Kuratorin der Ausstellung war. Der Film war mein erster Anknüpfungspunkt zwischen 3D und Architektur, und es war dabei ganz augenfällig, wie gut das neue Medium in der Lage war, ein Gebäude zu erforschen und den Zuschauer mitten hinein zu bringen.

Erwin Schmidt, der diese Installation damals produziert hatte, fand, dass man daraus etwas Weitläufigeres machen könnte und hat die Idee der Serie «Kathedralen der Kultur» entwickelt, in der es darum geht, wichtige Bauten einem größeren Publikum nahezubringen. Als Pilotfilm habe ich dazu meinen Beitrag über die Philharmonie in Berlin gemacht, der dann auch pünktlich zum 50. Geburtstag des Hauses fertig wurde.

Frage: Es ist erneut ein 3D-Film. Was ist für Sie das Faszinierende an dieser Technik?

Antwort: Dass man an Menschen näher dran ist und sie im wahrsten Sinne des Wortes «präsenter» werden als je zuvor im Kino. Oder dass man für Tanz oder auch für Architektur zum Beispiel endlich eine adäquate Sprache im Kino hat. Ich rede nicht von dem Hauptfeld, auf dem 3D bislang eingesetzt wurde. Als pures Action-Spektakel, finde ich, hat das Medium kaum noch Anziehungskraft. Es wird Zeit, dass es endlich breiter und vielschichtiger eingesetzt wird, nicht nur als Jahrmarktsattraktion. 3D ist eine Revolution der Filmsprache, nicht mehr und nicht weniger.

Frage: Pina war Bewegung pur, jetzt ist es steingewordene Kultur. Ändert das die Herangehensweise?

Antwort: Beiden gemein ist, dass man als Zuschauer «eintauchen» kann, anders involviert ist als im herkömmlichen Film. Bei «Pina» war die Herangehensweise sehr von Pina Bauschs Choreographien bestimmt, die unsere 3D-Kameras zum Mittanzen aufgefordert haben. Bei der Architektur war es eher die Aufgabe der Kamera, für den Zuschauer den Raum zu erkunden und es ihm zu ermöglichen, diese Architektur wirklich zu erleben.

Frage: Wie konnten Sie Ihre Kollegen von der Idee begeistern?

Antwort: Das war nicht so schwer. Die anderen fünf Kollegen, die als Regisseure an der Serie teilgenommen haben, waren sehr schnell überzeugt davon, wie gut das neue Handwerkszeug 3D hier einzusetzen war.

Frage: Wie stark beschäftigen Sie sich nach dem Buch «Inventing Peace» (2013) weiter mit dem Thema? Kann (Film-)Kunst einen Beitrag zu der aktuell bedrohlichen Situation leisten?

Antwort: Kunst im Allgemeinen, Literatur, Theater oder Film können nie direkt politisch «tätig» werden. Aber sie können allesamt helfen, Aufmerksamkeit zu erzeugen, Meinungen zu verändern oder auch Menschen Mut zu machen, sich einer politischen Realität zu stellen. Das Buch «Inventing Peace», an dem ich über einen Zeitraum von acht Jahren mit der australischen Philosophin Mary Zournazi gemeinsam gearbeitet habe, ist kein «Politikbuch» zu konkreten Fragen heutiger Politik. Es untersucht die Rezeption von Frieden und fragt sich und die Künste, warum Krieg so viel mehr Aufmerksamkeit bekommt - und warum Frieden es so schwer hat, als kostbarstes Gut der Menschheit im Bewusstsein Fuß zu fassen.

ZUR PERSON: Wim Wenders (68) wurde mit der Romanverfilmung «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» Anfang der 70er Jahre einem größeren Publikum bekannt. Es folgten international anerkannte Werke wie «Der amerikanische Freund», «Der Himmel über Berlin», «In weiter Ferne, so nah!» sowie die Dokumentationen «Buena Vista Social Club» und «Pina». Der Regisseur war für zwei Oscars nominiert und gewann unter anderem die Goldene Palme in Cannes («Paris, Texas») oder den Deutschen Filmpreis (Filmband in Gold) etwa für «Am Ende der Gewalt».

Kathedralen der Kultur

Buchseite Inventing Peace

news.de/dpa

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