Dora Heldt: Dora Heldt: "Mit 40 habe ich meine Waage im Sondermüll-Container versenkt"

In "Jetzt mal unter uns..." hat Erfolgsautorin Dora Heldt Kolumnen veröffentlicht, die Frauen aus der Seele sprechen. Über das Geheimnis ihrer schwarzen Strickjacken hat sie im Interview mit spot on news gesprochen.

Bestseller-Autorin Dora Heldt

Bild: imago stock&people/spot on news

Dora Heldt (52) schreibt nicht nur erfolgreich Romane, sondern auch Kolumnen für eine Frauenzeitschrift. In "Jetzt mal unter uns..." (dtv, 224 Seiten, 9,95 Euro) gibt es die Kurzgeschichten auch in Buchform zum Nachlesen. Über das Geheimnis ihrer schwarzen Strickjacken, Abnehmen und Männer mit gefärbten Haaren hat die Bestseller-Autorin im Interview mit spot on news gesprochen.

In den Kolumnen tauchen regelmäßig Ihre zwei Freundinnen Nele und Anna sowie Ihr "Liebster" auf. Wie nahe sind die Geschichten an Ihrem wahren Leben?

Dora Heldt spricht mit ihren Kolumnen Frauen aus der Seele - "Jetzt mal unter uns..." hier bestellen

Dora Heldt: Eigentlich nur im Kern dessen, was sie aussagen. Es sind Geschichten, die mir meine Freundinnen erzählen oder Dinge, die mich selbst ärgern. Eine Vorlage für die Figuren gibt es schon. Bei den Kolumnen für die Frauenzeitschrift habe ich im Gegensatz zu den Büchern die Zielgruppe ganz klar im Kopf. Die Freundinnen stehen jeweils für einen Typ Frau: Nele ist der Single auf der Suche nach einem Mann - und ich habe auch tatsächlich zwei Freundinnen, auf die das zutrifft und denen diese Geschichten passieren. Dann brauche ich noch eine Frau, die Kinder hat, das ist Anna und die gibt es ebenfalls im wahren Leben, auch wenn sie anders heißt.

Und wie finden die "Vorlagen", dass Sie über sie schreiben?

Heldt: Manchmal rufen die Freundinnen sogar an und sagen: "Mir ist da was passiert, da könntest du glatt eine Kolumne draus machen!" Wenn die Geschichte sehr eng an einem Geschehen ist, frage ich die Leute aber auch vorher.

Besitzen Sie tatsächlich sieben schwarze Strickjacken und haben Sie auf Ihre Mutter gehört und sich was Gelbes zugelegt?

Heldt: Zwei schwarze Strickjacken habe ich jetzt aussortiert, ich habe aber noch fünf. Das mit dem Gelb hat meine Mutter in Wahrheit das letzte Mal zu mir gesagt, als ich 20 war. Aber seitdem ich die Kolumnen schreibe, liest sie die "Für Sie". Die Geschichte mit den Nagellack-Trends, die ich für sie erfragen sollte, stimmt auch tatsächlich. Generell kann ich meine Mutter mit diesen Geschichten aber nicht beeindrucken.

Ein leidiges Thema bei Frauen ist das Abnehmen. Auch einige Ihrer Geschichten drehen sich um Diät, Sport, zu enge Klamotten. Ab welchem Alter haben Sie angefangen, das mit so viel Humor anzugehen?

Heldt: Ich finde diese Geschichte eher lächerlich. Als ich 40 wurde, habe ich meine Waage weggeschmissen - richtig demonstrativ auf dem Wertstoffhof im Container für Sondermüll versenkt. Das war ein sehr gutes Gefühl. Als junge Frau habe ich mich jahrelang für pummelig gehalten. Alle Frauen um mich herum waren ganz dünn und ich war der Meinung, ich müsste abnehmen. Neulich auf einem Klassentreffen hat jemand Bilder rumgezeigt und ich war völlig verdutzt, dass ich überhaupt nicht dick war. Ich fühlte mich nur so - was für eine Vergeudung von Zeit! Ich hatte eine ganz normale Figur, war nie übergewichtig.

Sie machen sich auch über das ständige Benutzen von Smartphones im Alltag lustig: War das Leben ohne ständigen Empfang und Internet in der Tasche angenehmer?

Heldt: Früher war die Zeit langsamer, weil man nicht erreichbar war. Wenn bei uns mittags beim Essen das Telefon klingelte, ist meine Mutter einfach nicht drangegangen. Ich merke das auch an mir selbst: Ich muss mir manchmal wirklich vornehmen, das Handy auszumachen. Man muss nicht ständig erreichbar sein, aber das vergisst man oft. Man hält sich plötzlich für so wichtig, dass einen ständig jeder erreichen muss. Das ist völliger Unsinn.

Leben nach dem Mondkalender gestaltet sich ja recht schwierig, wie Sie auch in einer Ihrer Kolumnen schreiben. Glauben Sie generell an Horoskope?

Heldt: Ich lese aus Spaß mit einer Freundin an Silvester immer Jahreshoroskope. Aber daran glauben tu ich nicht. Vor Jahren hatte ich aber mal eine gruselige Horoskop-Geschichte: Auf einer Veranstaltung in Hamburg, auf der ich gearbeitet habe, saß ein Astrologe, der den Leuten ihre persönlichen Horoskope erstellen sollte. Er war aber so schlecht gelaunt und unfreundlich, dass keiner kam - bis ich mich erbarmt habe. Nachdem ich ihm meine Daten gegeben hatte, sah er mich nur an und meinte: "Oh, Sie sind Skorpion mit Aszendent Skorpion - Sie haben wohl nicht viele Freunde, oder?" Dann ging es um das Jahreshoroskop für 2000: Er sagte voraus, dass im April mein komplettes Gerüst zusammenbrechen werde. Weder Umfeld, noch Wohnort würden mir erhalten bleiben. Der Witz war: Im April 2000 ging tatsächlich meine Ehe in die Brüche und ich bin umgezogen. Er hatte also in den Grundzügen Recht, das war unheimlich. Ich würde es aber trotzdem nicht noch mal ausprobieren.

In einer Ihrer Geschichten regt sich Ihre Freundin darüber auf, dass sie ein Date mit einem Mann hatte, der sich die Haare färbt. Was finden Sie bei Männern am schlimmsten?

Heldt: Ich mag grundsätzlich keine operierten und auf jung getrimmten Leute, auch Frauen nicht. Ich finde gefärbte Männer tatsächlich furchtbar, habe aber deswegen ein schlechtes Gewissen: Ich färbe mir seit Jahren selbst die Haare.

Sie haben mal gesagt, Ihr 50. Geburtstag war der erste, über den Sie sich Gedanken gemacht haben. Haben Sie schon Angst vor dem 60.?

Heldt: Den verdränge ich noch. Aber der Schrecken verliert sich, wenn die ersten im Freundeskreis 60 werden. Dann hat man Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Heldt: Ich wünsche mir, dass alles so bleibt, wie es ist. Ich hätte gerne noch ein bisschen länger diese Grundzufriedenheit, dass man angekommen ist und das Richtige macht. Ob ich in zehn Jahren auf Sylt leben werde, anstatt nur am Wochenende meine Eltern dort zu besuchen, das lasse ich noch offen. Aber ich weiß sehr genau, was ich nicht machen werde: mit einem Mann und drei Kindern in einem Reihenhaus wohnen. Das wird nicht mehr hinhauen, macht mich aber auch nicht unglücklich. Ich genieße auch, dass ich nicht mehr wegziehen muss. Ich werde Hamburg nur verlassen, wenn es nach Sylt geht. Als Bundeswehrkind hat mich das ständige Umziehen geprägt. Auch beruflich wird es keine großen Veränderungen mehr geben. Das entlastet auch.

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