Kunst: Bill Viola bringt Besinnung in die Kathedrale

London - Für den US-Videopionier Bill Viola ist es einer der wichtigsten Momente in seinem Leben.

Bill Viola bringt Besinnung in die Kathedrale Bild: Andy Rain/dpa

«Ich bin überwältigt», sagte er am Mittwoch bei der Enthüllung einer neuen Installation in der St. Paul's-Kathedrale in London. In einem Seitenschiff der historischen Kirche, parallel zum Hauptaltar, ist seit Mittwoch Violas Werk «Martyrs» (Märtyrer) zu sehen.

Auf großen Plasma-Schirmen kämpfen vier Darsteller mit den Naturkräften Erde, Wind, Feuer und Wasser. Ihr in langsamen Bewegungen demonstriertes Märtyrertum soll verstehen helfen, «wer wir auf diesem Planeten sind», sagte Viola in der Kathedrale.

Die Figuren, teils an Händen und Füßen gefesselt, erscheinen in dem rund siebenminütigen Film zunächst unbeweglich, bis ihre Stille von den Elementen gestört wird. Flammen, Erde und Wasser umzingeln sie und regnen auf sie herab, Sturm schüttelt sie. Auf dem Höhepunkt ihrer «dunkelsten Stunde» gleiten die Märtyrer laut Viola «durch den Tod in das Licht». Der Künstler sieht in ihrer Leidensfähigkeit die Freisetzung von «kollektiven Energien» gegen Ungerechtigkeit, Dummheit und Täuschung.

Im Zeitalter der Massenmedien werde jedermann zum Zeugen des Leidens anderer, meint Viola. Die Märtyrer, die angesichts unkontrollierbarer Kräfte für ihre Werte und Prinzipien kämpften, würden so ein Schlaglicht auf die «Untätigkeit» des modernen Lebens werfen.

Für Dekan Mark Oakley, der das Projekt in Auftrag gab, bietet die Installation einen einzigartigen Beitrag zum geistlichen Leben der Kathedrale und befördert sie damit ins 21. Jahrhundert. Mit ihrer Unterbringung in einem Seitenflügel, wo unter anderem eine Kapelle zur stillen Andacht für Kriegsopfer steht, werde die «Harmonie dieses Ortes nicht gestört».

Die Kirche hatte die Installation im Rahmen ihres Kunstprogramms zur «Erforschung der Begegnung zwischen Kunst und Glauben» in Auftrag gegeben. St Paul's, eine der größten Touristenattraktionen Londons, wird damit zum ersten Gotteshaus in Großbritannien, in dem dauerhaft ein Video-Kunstwerk mit bewegten Bildern installiert ist. Im nächsten Jahr soll eine zweite Viola-Installation, «Mary», folgen. In der Galerie Tate Modern, nur einen kurzen Fußweg über die Themse entfernt, wurde am Mittwoch zeitgleich Violas Installation «Tiny Deaths» von 1993 zur Schau gestellt.

St. Paul's Cathedral

news.de/dpa

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