Fernsehen: The Kids Are All Right

Berlin ­ Dieser mitreißende Film wartet mit einer nach wie vor ungewöhnlichen Grundkonstellation auf: Ein Lesben-Paar erzieht zwei Kinder, und die Vier sind eine perfekte Familie.

The Kids Are All Right Bild: dpa

Das Schöne dabei: Regisseurin Lisa Cholodenko und Drehbuch-Mitautor Stuart Blumberg nehmen das nicht als Sensation, sondern ganz
selbstverständlich.

Beleuchtet wird dabei ein ernstes Thema: Ärztin Nic (Annette
Bening) und Landschaftsgestalterin Jules (Julianne Moore) erziehen
ihre Kinder, den 15-jährigen Laser (Josh Hutcherson) und die 18-
jährige Joni (Mia Wasikowska). Alles ist perfekt. Dann will Laser
seinen biologischen Vater treffen. Dabei erweist sich der
Restaurantbesitzer Paul (Mark Ruffalo) als sehr sympathisch. Das
sorgt für ein emotionales Chaos. Nics und Jules Liebe gerät in
Gefahr.

Wie können alle Beteiligten ohne Blessuren aus dem Schlamassel
finden? Die Frage sorgt für Aufregung ­ und die Antwort für eine
Überraschung. «The Kids are all right» (3sat, 20.15 Uhr) erweist sich als ein gelungener Wohlfühlfilm. Untermalt von flotter Musik entwickelt sich die vertrackte Geschichte voller Spannung, und die Schauspieler laufen zu Bestform auf.

Große Filme haben meist sehr kleine, leicht nachzuerzählende
Geschichten. Inszenierung und Schauspiel sind das A und O. Das war so
bei «Casablanca» oder «Die Brücken am Fluss». Es ist auch so bei «The
Kids Are All Right».

Julianne Moore und Annette Bening geben dem von zu viel Routine
und einigen Irrtümern gebeutelten Liebespaar mittleren Alters
wunderbar Kontur. Ihre entwaffnende Natürlichkeit nimmt wohl jeden
sofort gefangen. Mark Ruffalo glänzt neben den beiden brillanten
Schauspielerinnen ebenfalls mit einer vielfarbigen Charakterstudie.

Das mit spürbarer Lust agierende Hauptdarsteller-Trio bietet auch
handfesten Sex! Dabei gelingt ein verblüffender Spagat: Die Szenen
sind deutlich, bleiben jedoch fein und delikat. Die Eleganz der
Inszenierung sorgt dafür, dass nicht ein Moment peinlich oder gar
zotig anmutet.

Von Anfang an ist klar, dass sich der Film an eine alte
Lebenswahrheit hält: Ein flotter Dreier funktioniert auf Dauer nie.
Eine oder einer muss gehen. Wer? Die Antwort auf diese Frage wird
höchst vergnüglich präsentiert. Dabei sorgt der durchweg intelligente
Humor für beste Unterhaltung, weit entfernt von eingefahrenen
Denkmustern.

news.de/dpa

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