Filmbesprechung: Rebellische Spielzeuge: «Das magische Haus»

München - Mit vereinten Kräften lässt sich fast alles erreichen - sogar Dinge, die eigentlich unmöglich erscheinen. Eine Botschaft, die gerne in Kinderfilmen vermittelt wird. So auch in dem Kinoabenteuer «Das Magische Haus».

Rebellische Spielzeuge: «Das magische Haus» Bild: StudioCanal Deutschland/dpa

Ein Makler will darin das Haus seines Onkels verkaufen. Die Gelegenheit ist günstig, liegt der alte Mann, ein Zauberer, doch im Krankenhaus. Der geldgierige Neffe hat die Rechnung allerdings ohne die Haustiere und wundersamen Spielsachen des Magiers gemacht. Sie wollen ihr Zuhause um jeden Preis behalten, müssen dafür aber auch unbedingt zusammenhalten. Ihre Idee: Das alte Gemäuer soll ein Spukhaus werden. Mit viel Charme und verrückten Ideen zeigt der rasante und herrlich gruselige Animationsfilm, wie dieser Plan gelingen kann.

Dass der Film in 3D gedreht wurde, macht ihn umso spannender. Im Mittelpunkt steht der Kater Thunder, gesprochen von Matthias Schweighöfer («Vaterfreuden»). Als er Zuflucht vor einem Gewitter sucht, landet er zufällig in dem unheimlichen, verwinkelten Haus. Wie Kinder in der Geisterbahn gehen die Zuschauer mit ihm auf Entdeckungsreise durch das Gebäude, das bis in die kleinste Ecke voller Überraschungen steckt. Doch die anderen Tiere und Spielzeuge sind dem Eindringling gegenüber äußerst misstrauisch. Erst als das Haus vor dem Verkauf steht, kann der freche und schlaue Kater beweisen, was in ihm steckt. Anklänge an eine Geisterbahn gibt es im Übrigen nicht ohne Grund - beruht der Streifen doch auf einem Kurzfilm, der vor Jahren für einen Vergnügungspark gedreht wurde.

Regisseur Ben Stassen («Sammys Abenteuer») und sein Co-Regisseur Jérémie Degruson haben durch viele kleine Details eine bezaubernde Mischung aus Spannung und Verspieltheit geschaffen, gepaart mit einem Schuss kindlicher Anarchie. Bei dem alten Zauberer Lawrence geht es nicht geordnet zu. Versonnen schwelgt er in seinen Erinnerungen an die längst vergangenen Zeiten seiner großen Auftritte. Seine munter tobenden Spielzeuge lässt er dabei gewähren und genießt diesen Trubel. Langweilig makellose Helden und erhobene Zeigefinger sucht man hier vergeblich. Ein Paradies für Kinder! Der Film setzt auf die Kraft der Fantasie, die nicht aus Ordnung entsteht, sondern aus Chaos und der unbändigen Lust, mutig Neues auszuprobieren.

Dieter Hallervorden spricht diesen versponnenen alten Herren, welcher der Welt mit staunender Naivität begegnet. Dass sein Neffe Daniel ihn übers Ohr hauen und ins Altersheim abschieben will, will er zunächst gar nicht so recht glauben. Doch er hat ja seine alten Spielzeuge und Tiere, die für ihn kämpfen. Anführer dieser bunt gemischten Truppe sind der grummelige Hase Jack und die ständig aufgeregte Maus Maggie (Karoline Herfurth - «Fack ju Göhte»). Und noch ein Chaotenduo ist dabei: Alec Völkel und Sascha Vollmer von TheBossHoss spielen zwei Möbelpacker, die in dem Spukhaus den Horror ihres Lebens erfahren. Angst müssen die Zuschauer dabei aber gar nicht haben - im Gegenteil. Was den selten dämlichen Kraftprotzen Mike und Mark widerfährt, ist zwar auch spannend, aber vor allem sehr, sehr komisch.

Das magische Haus

news.de/dpa

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