Fernsehen: Kulturkampf-Komödie «Nachbarn süß-sauer» bei Sat.1

Berlin – Es gibt Komödien, die Zuschauer mit unverfänglichen Witzen schmunzeln lassen.

Kulturkampf-Komödie «Nachbarn süß-sauer» bei Sat.1 Bild: Georg Wendt/dpa

Es gibt auch Komödien, die durch bitterbösen Humor überzeugen – der Lacher, der manchmal im Halse stecken bleibt, ist einkalkuliert. Und es gibt Filme, bei denen sich das Publikum fragen mag, ob das Label «Komödie» noch gerechtfertigt ist.

Darüber, in welche Kategorie der Sat.1-Film «Nachbarn süß-sauer» (20. Mai, 20.15 Uhr) gehört, lässt sich streiten. Die Geschichte über die deutsche Vorzeigefamilie Brücker, deren Existenz durch die neue , dominante chinesische Nachbarsippe Wang bedroht ist, kann jedenfalls als grenzwertig bezeichnet werden.

Kaum kommen die Wangs in Deutschland an, beginnt aus Sicht der Brückers das Unheil: Vater Hua (Yu Fang) krempelt als neuer Mitarbeiter in Herrn Brückers (Christoph M. Ohrt) Solarfirma alles um und will seinen neuen Nachbarn mit wachsendem Einfluss sogar wegrationalisieren. Seine Tochter Meimei spannt Jennifer Brücker ihren Freund aus, Mutter Lisa Brückner (Bettina Zimmermann) verliert ihre Freundinnen an Li Wang. Und Sohn Brian Brücker? Der bekommt bei einer Kung-Fu-Einlage des Wang-Sprösslings Chang die volle chinesische Härte zu spüren.

Handelt es sich nun bei den Wangs werden um feindselige Eindringlinge, die den Deutschen in ihrer eigenen Heimat mit roboterhafter Effizienz skrupellos die Lebensgrundlage entziehen? «Ist chinesisch, ist doch klar, dass der sich so ausbreitet», sagt Michael Brücker. Er meint einen Bambus der Wangs, der über den Zaun sprießt.  Zuvor hatte der schlaue Brian noch das Wirtschaftswachstum von EU und Fernost verglichen.

Zwischendurch geht’s um chinesische Umweltverschmutzung, Menschenrechte und Produktpiraterie. Vater Michael versucht, die Gemüter zu beruhigen, indem er klarstellt, dass es bei dem von seiner Frau geforderten «Krieg» nicht um einen gegen das chinesische Volk gehe, sondern lediglich um ein Kräftemessen mit den Nachbarn. Die Antwort seiner Frau ist symptomatisch: «Richtig, aber genau diese schrecken vor nichts zurück. Zuerst unsere Kinder, dann unsere Freunde und dann die ganze Straße. Und was kommt als Nächstes: Die ganze Welt?»

Über weite Strecken des Films werden Handlung und Sprüche selten eingefangen oder entschärft. Vielmehr sind die Rollen zwischen chaotischer-netter Freiheitsliebe auf der einen und berechnender Skrupellosigkeit auf der anderen Zaunseite klar verteilt.

Sat.1 teilt die Kritik auf Anfrage nicht. Die Charaktere seien genrebedingt deutlich überzeichnet. «Dass der Film Ressentiments irgendeiner Art schürt, scheint uns abwegig», erklärt Sat.1-Fiction-Chef Jochen Ketschau . Grundvoraussetzung für die Geschichte sei immer gewesen, dass es keinen kulturellen Sieger gibt, sondern dass die Story auf überspitzte Art neugierig auf eine andere Kultur machen solle.

Das relativierende Moment in« Nachbarn süß-sauer»  kommt schließlich auch - allerdings ziemlich spät. Nachdem der Zuschauer schon vollends auf den Kampf der Kulturen eingeschworen worden ist, ereignet sich plötzlich doch noch die große Völkerverständigung. Aber wird es das versöhnliche – und sogar recht witzige – Ende sein, das beim Publikum hängen bleibt?

Presseinformationen Sat.1

news.de/dpa

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