Musik: Broken Twin: Minimalismus und Melancholie

Berlin - April, Juli, November - völlig egal. Emotionale Durchhänger scheren sich nicht um Jahreszeiten. Für den Mai aber gibt es jetzt den passenden Soundtrack für ein ordentliches Pfund Traurigkeit.

Broken Twin: Minimalismus und Melancholie Bild: dpa

Man sollte sich nicht davon irritieren lassen, dass die Dänin Majke Voss Romme, die unter dem Projektnamen Broken Twin auftritt und ihr Debüt «May» genannt hat, den Frühling als «eine hoffnungsvolle Jahreszeit» bezeichnet, in der sich alles ändere, denn ihre Musik spricht eine andere Sprache.

Zehn kunstvolle Melancholie-Perlen hat sie auf ihr Album gepackt, das durch seine ergreifende Schlichtheit zu Tränen rühren vermag. 25 Jahre ist die von Musik Besessene jetzt alt, die auf dem exzeptionellen US-Label Anti (Tom Waits, Nick Cave, Neko Case) einen gebührenden Platz gefunden. In den dänischen Charts landete Broken Twin mit «May» immerhin auf Platz acht.

Ganz bei sich ist Majke Voss Romme bei ihren Live-Auftritten, wenn sie in sich am Piano versunken klagt: «Ich weiß nicht, wo die Sonne hin ist/Es ist ganz dunkel um dich herum, John».

Wer seinen Opener «The Aching» (Schmerzen) nennt, bei dem ist der hoffnungsvolle Frühling, der Wonnemonat Mai, ganz klar wolkenverhangen - und entschleunigt. Ganz langsam, zögernd fast, tastet sich Broken Twin am Piano heran, dann schwebt ihre berührende Stimme herein und ein kleiner Streicherteppich aus Cello und Geige stößt die Traurigkeit so richtig an.

Man findet zwar auch Bass, Gitarre und Schlagzeug auf «May», aber diese klassischen Rock-Instrumente dienen häufig nur der Verzierung und Akzentuierung in diesem mitreißenden Melancholie-Strom, der immer wieder für Gänsehaut sorgt. Manchmal spielt sich auch die Akustikgitarre wie in «Glimpse Of A Time» in den Vordergrund. Eine traurige Liebesballade über die Flüchtigkeit, zu der es ein wunderbares Schattenspiel-Video in Zeitlupe gibt. Dunkel dröhnen die Trommeln in «Roam» und rufen Bilder vom letzten Gang eines zum Tode Verurteilten hervor. Ein düsterer Wind bläst durch «Out Of Air» und «In Dreams» sollte niemand hören, der nah am Wasser gebaut hat.

So klingt das bei Majke Voss Romme, die ihr Album aber mit einem Lichtstrahl enden lässt. In «No Darkness» scheint die Sonne, die Hoffnung erstrahlt und die Vögel singen - traurig klingt es gleichwohl. Das alles lässt auf ein richtig schönes Herbst-Album aus Dänemark hoffen. Den Frühling hat Broken Twin mit ihrer Melancholie schon mal versüßt.

Website Broken Twin

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news.de/dpa

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