Kunst: Landschaft mit Tiefgang: Der Niederrhein in der Kunst

Bedburg-Hau - Die melancholische Weite des Niederrheins soll Joseph Beuys daran gewöhnt haben, «in die Tiefe zu denken». So hat es sein Jugendfreund Franz Joseph van der Grinten gesagt.

Landschaft mit Tiefgang: Der Niederrhein in der Kunst Bild: Roland Weihrauch/dpa

Eine Landschaft, die zum Denken erzieht - das klingt schon mal interessant. Das Museum Schloss Moyland widmet dieser Landschaft nun eine Ausstellung mit dem Titel: «Der Himmel so weit». 125 Werke sind zu sehen, überwiegend Gemälde, aber auch Zeichnungen und Fotografien.

Der Niederrhein ist eine Landschaft unaufdringlicher Reize. Grenzenloses Flachland, Pappelalleen, geduckte Kirchtürme - «da gibbet keine kalkulierte Romantik», wie der Niederrheiner schlechthin, der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch (1925-2005), gesagt hat. Und dennoch: Bei Künstlern war der Niederrhein immer beliebt.

Im 17. Jahrhundert kamen die großen holländischen Landschaftsmaler hierher, Salomon van Ruysdael, Jan van Goyen, Philips Koninck. Warum nur, mag man sich fragen, der Niederrhein sieht doch genauso aus wie Holland! Nein, das tut er nicht. Zum einen ist der Rhein hier noch ein mächtiger Strom, bevor er sich in den Niederlanden teilt. Und dann ist der Niederrhein eben doch nicht die totale Ebene so wie Holland.

Man sieht das sehr gut, wenn man den höchsten Turm von Schloss Moyland besteigt, den Nordturm, was jedem Besucher aufs Wärmste empfohlen sei. Von dort aus bietet sich ein Ausblick von Nimwegen bis Wesel. Und man sieht: Da gibt's allerhand Erhebungen, die hier auch gleich alle - die Bayern würden lachen! - Berge genannt werden: Butterberg, Eltenberg, Duivelsberg (Teufelsberg).

Die Landschaftsmaler wussten diese Anhöhen zu schätzen. Ganz genau suchten sie die Stelle aus, von der man den besten Panoramablick über das Tiefland hatte. Deshalb gibt es in diesem Fall nicht nur den Katalog, sondern auch die Fahrradtour zur Ausstellung: Man kann die Ansichten abfahren. Bei der Zusammenstellung der Route bemerkten auch Kenner der Region, dass ihnen einige der schönsten Aussichtspunkte bisher unbekannt waren - erst durch die Gemälde wurden sie wiederentdeckt.

Die holländische Landschaftsmalerei des Goldenen Zeitalters hat alle nachfolgenden Niederrhein-Darstellungen beeinflusst: die sogenannte Klever Romantik, die Düsseldorfer Malerschule, den Rheinischen Expressionismus und sogar zeitgenössische Künstler wie Andreas Gursky und Gerhard Richter. Auch auf ihren Niederrhein-Bildern ist vor allem Himmel zu sehen. Den Niederrheinern selbst fällt sie oft nicht mehr auf, diese ständig arbeitende Wolkenfabrik über ihren Köpfen. Aber wenn man dann weggeht, zum Beispiel nach Berlin, so wie es gerade erst eine Kollegin von Museumsdirektorin Bettina Paust getan hat, dann vermisst man ihn plötzlich, den lebendigen Himmel.

Zwei Besonderheiten zeichnen die Ausstellung aus: Sie hält sich zurecht nicht an Landesgrenzen, sondern betrachtet einen europäischen Kulturraum, der durch den Fluss verbunden, nicht getrennt wird. Zum zweiten verknüpft sie die Kunst mit der Landschaft. Wenn man zunächst die Bilder gesehen hat und die Motive dann vom Schlossturm aus in der Ferne wiedererkennt - die Klever Schwanenburg zum Beispiel oder die Anhöhe Hochelten - dann will man sich wirklich aufs Rad schwingen und alles aus der Nähe betrachten. Mit etwas Glück erlebt man dann einen richtigen Bilderbuchmoment, in dem man mit Hanns Dieter Hüsch sagen kann: «Sach jetz ma nix.»

Der Himmel so weit

art&cycle: Bilder in der Landschaft

news.de/dpa

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