Durch(ge)hört: Neues von Lyla Foy und Leif Vollebekk

Lyla Foy: «Mirrors In The Sky»

Lange hat Lyla Foy in der Musikszene Londons nicht so richtig Fuß fassen können, egal mit welchen Mitstreitern. Dann hat sie sich entschlossen, es einfach im Alleingang zu versuchen, mit bittersüßen Folksongs - und schon wurde sie gefeiert. Auch das Debütalbum«Mirrors In The Sky» liefert Anlass dazu.

Von Synthie-Sound bis Walzertakt

«Als ich anfing, für dieses Projekt Songs zu schreiben, wollte ich, dass der Fokus auf den Melodien liegt, alles aber irgendwie einfach und minimal bleibt», umschreibt Lyla Foy den Ansatz. Das Faszinierende an dieser Platte ist, wie viel Bedeutung die 25-Jährige in diese wenigen Töne legen kann. «Honeymoon», das erste Lied des Albums, klingt nach Flitterwochen, die etwas verschlafen daher kommen, aber nichtsdestotrotz sehr leidenschaftlich und hoch romantisch.

«No Secrets» ist spannend und schlau, die Stimme von Lyla Foy lässt dabei an Lykke Li denken. Ein einfacher Beat und ein alter Synthie-Sound machen «Only Human» sehr verführerisch, «Feather Tongue» hat einen subtilen Groove; der Schlusspunkt «Warning» klingt mit seinem gestörten Walzertakt und ein paar Klarinetten zugleich kaputt und filigran. «Someday» ist eine tolle Ballade, die gut zu Fleetwood Mac oder Chrissie Hynde passen würde, herb und herzzerreißend.

Unspektakulär, aber voller Klasse

Das vielleicht typischste Lied für «Mirrors In The Sky» ist der vierte Track: Im Kern ist das ein entspannter Rocksong, nicht spektakulär, aber voller Klasse. Und benannt ist er nach einem Adverb, das im Wortschatz von Lyla Foy anscheinend gar nicht zu existieren scheint: «Impossible».

Künstler: Lyla Foy
Album: «Mirrors In The Sky»
Plattenfirma: Sub Pop

FOTOS: Jahrescharts 2011 Die Chartstürmer in Deutschland
zurück Weiter Helene Fischer (Foto) Foto: Emi/Christian Mai / Sophia Lukasch Kamera

Leif Vollebekk: «North Americana»

Musik mit Wörtern zu beschreiben, kann verdammt schwierig sein. Manchmal ist es aber auch ganz einfach. So wie bei Leif Vollebekk. Der muss nur den Mund aufmachen, und schon hat man zwei Wörter im Kopf, die sein Schaffen perfekt beschreiben: Ryan Adams. Die Ähnlichkeit der Stimme ist frappant. Vollebekk könnte das vielleicht noch kaschieren, wenn er HipHop machen würde oder Speed-Metal.

Aber auch der Sound ist genau wie bei Ryan Adams: eine akustische Gitarre, ein Kontrabass, ein hingetupftes Schlagzeug, eine Slide-Gitarre, eine Mundharmonika, und dann auch noch Texte über die Weite des Landes, die Unendlichkeit der Straße und die mit jeder Meile wachsende Sehnsucht, irgendwann an einer verlorenen Heimat oder wenigstens einer wohlmeinenden Schulter anzukommen.

Lieder getragen von einer Alles-oder-nichts-Mentalität

Die Koordinaten für «North Americana», das zweite Album des 27-Jährigen aus Montreal, sind also schnell abgesteckt. Doch sobald man denkt, diese Lieder seien vielleicht eine Spur zu prototypisch, kommt eine originelle Idee oder ein Ausmaß an Aufrichtigkeit, das diese Bedenken sofort zerstreut.

Es ist eine Alles-oder-nichts-Mentalität, die diese Lieder trägt. «At The End Of The Line» etwa zeigt, dass er genau weiß, dass es oft die Kleinigkeiten und Zufälligkeiten einer Begegnung sind, die einem erst den Verstand, dann die Sinne und schließlich das Herz rauben. Vollebekk klingt in diesem Lied wie der einsamste Mensch der Welt, und wie der größte Romantiker.

Künstler: Leif Vollebekk
Album: «North Americana»
Plattenfirma: Outside Music

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zij/loc/news.de

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