Fernsehen: Heidis Topmodel: «Wir sind alle schön»  

Köln - Gegen Ende war es ein einziges großes Geheule, das Make-up verlief, und Heidi mahnte ihre Mädchen, sie müssten alle nochmal «Schminki-Schminki machen». Dann wurde die nette Stefanie Giesinger aus Kaiserslautern zu «Germany's next Topmodel» gekürt.

Heidis Topmodel: «Wir sind alle schön»   Bild: Henning Kaiser/dpa

Die 17-jährige Schülerin hatte Jury und Halle zuvor mit einer kurzen Rede bezirzt: «Wir sind alle schön!», sagte sie. «Und wir alle können etwas erreichen.» Im dpa-Interview fügte sie am Freitag noch hinzu: «Ich habe ja auch eine Narbe und habe trotzdem gewonnen. Ich will einfach zeigen: Wir sind alle schön, auch mit Narbe, mit Krankheiten, wir sind alle toll, jeder auf seine Weise.» In einer der vorigen Sendungen hatte sie erzählt, dass sie an einer seltenen Krankheit leidet, bei der sich die Organe im Körper verdrehen.

Quotenmäßig ging's für Heidi in den Keller: Es war das schwächste Finale der ProSieben-Show seit dem Start 2006 - nur gut drei Millionen Zuschauer waren mit dabei. Dennoch soll es nächstes Jahr die zehnte Staffel geben. Für ProSiebenSat.1-Geschäftsführer Wolfgang Link fällt die Bilanz «kreativ wie auch quotentechnisch sehr, sehr gut aus». Heidi kann sich zumindest darauf berufen, dass Castingshows insgesamt schwächeln: Auch «Deutschland sucht den Superstar» hat auf RTL sein bisher schlechtestes Jahr hinter sich - und macht ebenfalls weiter. Das ZDF hat aber bei seinem einstigen Aushängeschild «Wetten, dass..?» die Reißleine gezogen und beendet die Sendung Ende 2014.

Bei «GNTM» waren Stefanies Konkurrentinnen im Finale Ivana (18) aus Bad Homburg und Jolina (17) aus Hamburg. Ivana war die ätherische, kühle, auch etwas selbstverliebte («Ich fühl mich so schön!»). Und Jolina, ja, Jolina konnte laufen, wie alle immer sagten («Ich kann gut laufen»/«Also, laufen kannst du wirklich!»).

So gab es in Heidis Laufstall viel Beinkontrolle zu bewundern. Und sonst? Co-Juror Wolfgang Joop, der Heidi in dieser Staffel ein wenig die Show gestohlen hatte, wirkte im Live-Finale noch abgedrehter als in den Aufzeichnungen. Der 69 Jahre alte Modedesigner verwechselte die Namen der Kandidatinnen, verlangte zu trinken, hustete herum und spielte auch mal das beleidigte Wölfchen, wenn er von Jurypräsidentin Klum und dem dritten Juror Thomas Hayo überstimmt worden war.

Einmal fragte Heidi ihn: «Ist das nicht Wahnsinn hier mit so vielen Leuten?» Die entwaffnende Antwort: «Mit dir allein zu sein, war manchmal schwerer.» Dazu stand dann so schnell keine passende Erwiderung auf Heidis Teleprompter. Auf Twitter war Joop das Thema des Abends: «Joop hat alles richtig gemacht und sich vorher so richtig zugedröhnt», war ein Kommentar. Der Verein Deutsche Sprache nominierte ihn am Freitag allerdings als «Sprachpanscher 2014» - er sei in der Sendung als «penetranter Englisch-Schwätzer» aufgefallen, hieß es.

Nur gut drei Millionen Zuschauer beim Finale - Vielleicht ist die Nominierung des WM-Kaders durch Jogi Löw einfach die bessere Casting-Show. Das wird ähnlich spannend präsentiert und hat den großen Vorteil, dass es echt ist. Für die Castingshows auf RTL oder ProSieben wird eben diese Relevanz bezweifelt - von den meisten Gewinnern hört man anschließend kaum noch. Auch «GNTM»-Siegerin Stefanie wirkt nicht gerade wie eine jener Laufsteg-Grazien, die man bei den internationalen Fashion Shows sieht.

Dafür spricht auch, dass sie am Freitag prompt einen Job angeboten bekam - allerdings nicht als Topmodel in Mailand: Der Radiosender RPR.1 will sie in Ludwigshafen als Moderatorin beschäftigen, weil sie so «natürlich und unterhaltend» ist. Radio - das ist bekanntlich ohne Bild. Ein Affront? Ach wo! Doch nicht für Steffi: «Das ist natürlich eine Riesenehre. Das schließt sich auch gar nicht ganz aus, mal gucken, ob ich da irgendwann lande.»

GNTM

Anti-GNTM-Demo

news.de/dpa

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