Fernsehen: Tukur spielt Grzimek: «Er hatte Probleme mit Menschen»

Frankfurt/Main - Es ist eine Art Familienfoto, das im Frankfurter Zoo aufgenommen wird: Christian Grzimek posiert neben einem Mann, der seinen Großvater spielt. Ulrich Tukur hat sich der Rolle des berühmten Tierfilmers Bernhard Grzimek angenommen, die ARD verfilmt nun dessen Leben.

Tukur spielt Grzimek: «Er hatte Probleme mit Menschen» Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

«Als ich mir den Trailer des Films angeschaut habe, ging mir das schon nahe», sagt der Enkel am Donnerstag am Rande der Dreharbeiten, und plaudert ein wenig über seinen Opa. Wie diszipliniert dieser war und wie er auch nach langen Nächten jeden Morgen um sechs Uhr aufstand, um Frühsport zu machen.

Grzimek (1909-1987) gilt als Vorreiter des internationalen Naturschutzes. Der langjährige Direktor des Frankfurter Zoos wurde ab den 1950er Jahren auch mit seiner Fernsehsendung «Ein Platz für Tiere» berühmt. Für seinen Film «Serengeti darf nicht sterben» bekam er im Jahr 1960 einen Oscar.

Der Zwei-Meter-Mann hatte viele schräge Angewohnheiten. Um etwa gegen das Essen von Froschschenkeln zu protestieren, klebte er entsprechende Aufkleber in die Speisekarten von Restaurants. Das brachte ihm einige Lokalverbote ein. Einer Frau steckte er während eines Banketts eine Gottesanbeterin in den Ausschnitt - sie fiel in Ohnmacht. Auch liebte er alberne Scherzartikel. So legte er Furzkissen und künstliche Hundehaufen aus und freute sich wie ein Kind, wenn sich jemand erschreckte.

Doch der Film über sein Leben - der irgendwann nächstes Jahr gezeigt werden soll - zeigt auch die düsteren Seiten des so nett und harmlos wirkenden Mannes.«Er konnte mit Tieren umgehen, aber er hatte Probleme mit Menschen. Er war unleidlich und autoritär», sagte Tukur, der bei den Dreharbeiten auch mit vielen Wildtieren vor der Kamera steht. Für ihn sei dieser widersprüchliche Mensch schwer zu fassen gewesen. «Ich wusste vorher auch gar nichts über die Abgründe in seiner Lebensgeschichte. Aber das ist natürlich auch tolles Futter.»

Seiner Frau Hildegard - im Film gespielt von Barbara Auer - war Grzimek notorisch untreu gewesen. Nachdem der Sohn Michael (Jan Lennart Krauter) bei den Dreharbeiten zu dem Oscar-prämierten Film ums Leben kam, ging die Ehe zu Bruch. Grzimek heiratete ausgerechnet dessen Witwe Erika (Katharina Schüttler). «Sollen die Jungs ihren Opa jetzt Vati nennen? », schleudert ihm seine erste Ehefrau in dem Film wütend entgegen. In einer anderen Szene nennt sie ihn einen «dummen, dummen Mann». «Man fragt sich ja schon, warum diese starke Frau das alles mitgemacht hat. Sie ist eine brüchige Figur », sagt dazu Auer.

Noch bis Ende Juni dauern die Dreharbeiten, ab kommender Woche wird in Südafrika gefilmt. Das Drehbuch schrieb Marco Rossi, Regie führt Roland Suso Richter.

news.de/dpa

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