Verwandt in alle Ewigkeit: Hera Lind nimmt das Älterwerden gelassen: "Was bleibt mir anderes übrig?"

Eine an Alzheimer erkrankte Mutter, eine vom Ehemann verlassene Tochter und ein altes Geheimnis - was Hera Lind zu ihrem neuen Roman inspiriert hat, was sie mit ihren eigenen Kindern erlebt hat und wie sie mit dem Älterwerden umgeht, erzählt die Autorin im ...

Hera Lind bei einem TV-Auftritt

Bild: imago/Stefan Schmidbauer/spot on news

Eigentlich wollte Lisa nie in ihren hässlichen Heimatort zurückzukehren, in der ihre spießige Zwillingsschwester freiwillig blieb. Doch als Lisas Mann sich eine Jüngere schnappt, kommt sie mit ihrer 17-jährigen Tochter am Steuer im zweiten Gang buchstäblich wieder angekrochen - und die Geschichte von Hera Linds (56) neuem Roman "Verwandt in alle Ewigkeit" (Diana Verlag, 416 Seiten, 19,99 Euro) nimmt Fahrt auf. Lisa findet eine überarbeitete Schwester und eine an Alzheimer erkrankte Mutter vor. Und ein altes Tagebuch offenbart ein gut gehütetes Geheimnis der Mutter. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt die Autorin, was sie mit ihren Kindern erlebt hat und wie sie mit dem Älterwerden umgeht.

Zu Beginn des Buches fährt Lisa mit ihrer Tochter und deren Führerschein auf Probe 1000 Kilometer in ihre Heimatstadt, was zunächst eine echte Herausforderung für sie ist. Was war die größte Herausforderung, die Sie bisher mit Ihren Kindern erlebt haben?

"Verwandt in alle Ewigkeit", den neuen Roman von Hera Lind, gibt es hier

Hera Lind: Oh je, da gehören die 3000 Kilometer mit einer meiner Töchter sicher dazu. Aber es gibt bei vier inzwischen erwachsenen Kindern so viele Herausforderungen; allein die Pubertät, das Abitur, Auslandsreisen oder diverse Sportunfälle, Liebeskummer, das volle Programm.

Lisa, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, wird in Ihrem neuen Buch wegen einer Jüngeren von ihrem Mann verlassen, sie fährt in ihren Heimatort, um sich um ihre kranke Mutter Uschi zu kümmern und erfährt so mehr aus deren Leben und dem ihrer Freundin Renate. Was hat Sie zu dieser Geschichte inspiriert?

Lind: Meine Fantasie spielt sicher die größte Rolle bei all meinen Romanen. Aber es fließen in meine Bücher natürlich auch immer eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit ein. Zur Grundidee des Romans hat mich der Film "Vergiss mein nicht" von David Sieveking inspiriert. Er hat in diesem Film mit sehr viel Einfühlungsvermögen seine an Alzheimer erkrankte Mutter portraitiert. In meinem Roman ist die Krankheit auch eine Chance für Lisa, ihre Mutter neu kennenzulernen.

Haben Sie selbst Erfahrung mit dieser Krankheit?

Lind: Diese Krankheit ist inzwischen so weit verbreitet, in fast jeder Familie gibt es einen Fall, dass man mit diesem Thema einfach umgehen muss! Ich tue es allerdings auf humorvolle Weise und zeige das Rührende, Menschliche, Kuriose daran auf, und wie sehr Alzheimer auch eine Chance auf neuen Familienzusammenhalt ist.

Uschi und Renate werden Anfang der 60er Jahre durch die deutsche Teilung auseinandergerissen. Haben die Orte der Handlung, Schierchstadt und Dunkelweiher, reale Vorbilder?

Lind: Natürlich gibt es Städte wie Schierchstadt, die auf dem Reißbrett entstanden sind und keine Seele haben, und es gibt wunderschöne Altstädte mit Flair und Charme wie Dunkelweiher, die nach der Wende wieder richtig aufgeblüht sind. Ich habe allerdings an keine speziellen Orte gedacht.

Während Lisa die Welt mit ihrem Reisebüro erkundet hat, ist ihre Zwillingsschwester Hannah als Bestatter-Ehefrau in ihrem Heimatort geblieben - was hat Sie daran gereizt, die zwei Schwestern mit so unterschiedlichen Lebensentwürfen auszustatten?

Lind: Inzwischen schauen ja auch meine Altersgenossinnen und ich auf einen Großteil unseres Lebens zurück; manche haben den sicheren Weg gewählt, manche haben etwas gewagt und viel aufs Spiel gesetzt. Der Vergleich hat mich gereizt. Eine Freundin von mir sagte neulich auf einem Klassentreffen, sie selbst sei immer das ruhige Gewässer gewesen und ich der rauschende Wildbach. Ist doch toll, wenn jeder am Ende mit seinem Lebensentwurf zufrieden ist.

Sie erleben Ihre Fans auf Lesungen: Haben Sie das Gefühl, dass es 25 Jahre nach der Wiedervereinigung noch Mentalitätsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen gibt?

Lind: Ich erlebe im Osten immer eine besondere Begeisterung und Herzlichkeit, aber auch meine Leserinnen im Westen lachen sich auf meinen Lesungen kaputt; ich glaube, der Humor verbindet uns Frauen über alle Grenzen hinweg.

Die Leidenschaft von Lisas Mutter Uschi ist die Musik. Wie viel von Ihnen selbst haben Sie dieser Figur mitgegeben?

Lind: Auch ich liebe die klassische Musik, singe mit Begeisterung im Chor. Beim Joggen höre ich alles von Bach bis Puccini. Jedoch ist Uschi eine Marke für sich. Die ist einzigartig.

Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Lind: Humorvoll. Selbstironisch. Stoisch. Gelassen. Was bleibt mir anderes übrig?

Lisa lebt in Salzburg. Was lieben Sie selbst am meisten an dieser Stadt?

Lind: Salzburg ist in jeder Hinsicht ein Schmuckstück. Die Kultur, die Festspiele, die Gemütlichkeit, der Charme der Kaffeehäuser, die herrliche Umgebung mit Bergen zum Wandern und Skifahren und den zahlreichen Seen, all das bietet Kraft, Erholung und Genuss pur. In solch einer Umgebung fällt es mir leicht, positive und fröhliche Bücher zu schreiben.

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