Fernsehen: Germany's next Topmodel

Köln - Günther Klum ist zufrieden. Kaugummikauend steht Heidis Vater in der höchsten Etage eines Wolkenkratzers mit perfekter Aussicht auf Köln.

Germany's next Topmodel Bild: Henning Kaiser/dpa

Aber es ist nicht die Silhouette mit Dom und romanischen Kirchen, die der einstige Chemiefacharbeiter mit Wohlgefallen betrachtet. Es ist die diesjährige Ausbeute bei «Germany's next Topmodel» («GNTM»).

Die drei langbeinigen Finalistinnen Ivana (18) aus Bad Homburg, Stefanie (17) aus Kaiserslautern und Jolina (17) aus Hamburg präsentieren sich vor einer Fotografen-Phalanx, die Angela Merkel auf einem G8-Gipfel Ehre antun würde.

«Gucken Sie doch», raunt er. «Eine schöner als die andere!» Beste Aussichten für die weitere Vermarktung also. Am Donnerstagabend startet vor 15 000 Zuschauern in der Kölner Lanxess-Arena das diesjährige «GNTM»-Finale. Nicht nur Günther Klum ist zufrieden, auch ProSieben-Geschäftsführer Wolfgang Link. Die Bilanz falle «kreativ wie auch quotentechnisch sehr, sehr gut aus», sagt er. Gestiegen ist die Quote zwar nicht, aber auch nicht gefallen.

Die beiden, denen das vor allem zu verdanken ist, sind bei der Pressekonferenz allerdings nicht mit dabei. Die eine heißt Nathalie und ist in der letzten Folge ausgeschieden. Nathalie hatte dieses Mal den Zickenpart übernommen. «Ich muss sagen, ich fand mich ziemlich gut» - solche Sätze brachte sie mit unnachahmlich hochnäsigem Gesichtsausdruck in Serie. Dem Unterhaltungswert dieser nunmehr neunten Staffel war das sehr förderlich.

Die noch größere Neuentdeckung war Mit-Juror Wolfgang Joop. Der 69 Jahre alte Modedesigner bildete den perfekten Gegenpart zu Heidis Fallbeil-Mentalität. Wenn sie mit gewohntem Vollstreckerwillen Mädchen aussortierte, vergoss «Wölfchen» anschließend mit ihnen gemeinsame Tränen.

Am Ende war er so beliebt, dass er gerade deshalb fürchten musste, von Heidi abserviert zu werden - im «GNTM»-Jargon: kein Foto zu bekommen. Heidi hat es gar nicht gern, überstrahlt zu werden. Joop verlegte sich deshalb zuletzt auf Unterwerfungsgesten, küsste der ewigen Jurypräsidentin demütig die Hand, beschrieb sie als einen Ausbund an Perfektion und beteuerte, natürlich sei dies einzig und allein die Heidi-Klum-Show. Das hat offenbar geholfen, denn nun verkündet sie vor der Presse, dass sowohl Joop als auch ihr zweiter Co-Juror Thomas Hayo nächstes Jahr wieder mitmachen dürfen: «Beide kriegen ein Foto von mir.»

Dann ist da wieder die leidige Magersucht-Debatte. Dieses Jahr soll es am Finaltag sogar eine Anti-«GNTM»-Demo am Dom geben. «Keine Lust auf Perfektion und Magerwahn», heißt die Losung. Heidi hat das schon kommen sehen und deshalb dieses Jahr vor laufender Kamera sehr offensiv der Nahrung zugesprochen, sprich: ständig gegessen. Zudem fordert sie nun alle hier und jetzt versammelten Journalisten auf, ihr Fragen zu diesem wichtigen Thema zu stellen.

«Weil jedes Jahr guck ich bei den Mädchen in den Kühlschrank rein, jedes Jahr guck ich, was die Mädchen essen sollten, was sie nicht essen sollten.» Es ist demnach keineswegs so, dass die Mädchen der Küche generell nicht viel Ehre antun, nur sind es die falschen Sachen, Pommes und Chips, die sie vertilgen. Heidi hat hier eine regelrechte Umerziehungskampagne gestartet, bohrt bilateral zum Beispiel nach: «Was kocht denn deine Mama für dich zuhause?» Zwei allzu dünne Mädchen hat sie wieder fortgeschickt. «Ich möchte, dass Mädchen zuhause sehen, dass ich dafür nicht stehe.»

Die drei Anwärterinnen auf den «GNTM»-Titel lauschen andächtig. Als sie selbst etwas sagen sollen, sagen sie das, was alle anderen in den Vorjahren auch gesagt haben: Ja, das Abitur wollen sie noch machen, aber jetzt gilt es auch und vor allem, das Sprungbrett zu nutzen, das Heidi ihnen geboten hat. Wie haben es Ivanas Freunde noch gesagt: «Schule kannst du immer noch machen!»

news.de/dpa

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