Musik: Ein starkes Songalbum von Eno und Hyde

Berlin - Brian Eno hat jede Menge Verdienste - als Pop-Avantgardist, Ambientpionier, Afrobeat-Förderer und Starproduzent. Aber dass er nochmal ein so starkes Songalbum herausbringen würde, war nicht unbedingt zu erwarten.

Ein starkes Songalbum von Eno und Hyde Bild: Perou/dpa

Zusammen mit Underworld-Frontmann Karl Hyde («Born Slippy») im Duo Eno/Hyde präsentiert der 65-Jährige neun Songs zwischen Elektropop, polyrhythmischem Funk und Art-Rock auf der Höhe seines Schaffens als Songwriter und Sänger. «Someday World» (Warp/Rough Trade) brilliert durchgängig, von den Synthie-Bläsern des Openers «The Satellites» über den verqueren Blubber-Bass-Groove in «A Man Wakes Up» bis zur hymnischen, an den alten Eno-Kumpel David Bowie erinnernde Schlussballade «To Us All».

Zeitweise klingen auch die großen Frühachtziger-Alben von Heaven 17, Talking Heads oder Peter Gabriel (in der schönen Hymne «Who Rings The Bell») an, aus der aktuellen Rockszene wären Radiohead als Vergleich zu nennen. Aber vor allem ist dies hier das Ding von Eno, dem legendären Glampop-Stilisten aus Roxy-Music-Zeiten und innovativen Soundtüftler seit Ewigkeiten. Wie früher schon auf seinen Alben «Another Green World» (1975), «Another Day On Earth» (2005) oder «Everything That Happens Will Happen Today» (2008, mit David Byrne) hält sich der Brite recht strikt an das Popsong-Format - mit erstaunlichen Ergebnissen.

All die losen Fäden, die er in der Hand hielt, warteten nur auf eine Bündelung, und damit kam Hyde ins Spiel, erzählt Eno über die Entstehung von «Someday World». Die beiden teilten sich im Studio brüderlich Gesangsparts und Instrumente, wobei der Underworld-Mann mehr für die Gitarren zuständig war, Eno vor allem für das riesige Keyboard-Arsenal. Dritter im Bunde: der erst 20-jährige Produzent und Multiinstrumentalist Fred Gibson, dem manche jetzt schon eine große Karriere prophezeien.

Mit knapp 45 Minuten Albumlänge (in der Special Edition der CD kommen noch einige Songs hinzu) haben Eno/Hyde ihre zahlreichen Ideen sauber fokussiert. Diese Platte hat kein Gramm Fett zuviel - was bei zwei Spezialisten für mäandernde Ambient- oder Techno-Klangwolken ja nicht selbstverständlich ist. Dass «Someday World» im Hintergrund viele Kleinigkeiten verbirgt, die sich am besten per Kopfhörer finden lassen, war indes bei einem detailverliebten Studiozauberer wie Brian Eno fast schon zu erwarten. Fazit: Ein Pop-Album von zeitloser Qualität.

Website Eno/Hyde

news.de/dpa

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