Fernsehen: ESC-Show zwischen Cool und Kitsch

Kopenhagen - Schafft es Deutschland mit einer Polka zum Grand-Prix-Erfolg? Geht es nach den Buchmachern, hat der deutsche Beitrag «Is It Right» mit seinem schmissigen Rhythmus wenig Chancen auf einen Sieg beim Eurovision Song Contest.

ESC-Show zwischen Cool und Kitsch Bild: Agnete Schlichtkrull/dpa

Britische Wettbüros wie Ladbrokes prophezeiten am Montag dem Trio Elaiza einen mageren 17. Platz. Und die Buchmacher haben die ESC-Gewinner in den vergangenen Jahren stets treffsicher vorausgesagt - sowohl bei Schwedens Sängerin Loreen (2012) als auch bei der Dänin Emmelie de Forest (2013). Behielten sie dieses Jahr wieder Recht, müsste der Armenier Aram MP3 am Ende der Show am Samstag im europäischen Glitzerregen stehen.

Von den mittelprächtigen Prognosen lassen sich Elaiza nach ihrer Ankunft in Kopenhagen aber nicht entmutigen. «Wir haben Spass :)» twitterten die Musikerinnen am Montag. Für Ela, Yvonne und Natalie stand eine Stadtrundfahrt durch die dänische Hauptstadt auf dem Programm, in der das Finale des 59. Eurovision Song Contest steigt. Genauer: Auf einem alten Werftgelände auf der Halbinsel Refshaleøen.

Das schmucklose Gebäude wird von Musikern, Tänzern, Maskenbildnern und Technikern aus 37 Ländern bevölkert. Ununterbrochen proben Conchita Wurst aus Österreich («Rise Like a Phoenix») oder Belgiens Barde Axel Hirsoux («Mother») auf der gigantischen Show-Bühne.

Nach dem Sieg von Emmelie mit «Only Teardrops» beim ESC 2013 in Malmö hatten den dänischen Rundfunk zunächst große Sorgen wegen der Kosten geplagt, er steckt sowieso schon in einer Finanzklemme. Als der erste Schock verdaut war, beschlossen die Dänen, der Show «einen neuen Eurovision-Look» zu verpassen. «Wir wollen den ESC weiterentwickeln und modernisieren», sagt der dänische Chef der Show, Jan Lagermand Lundme.

Dazu gehören der schnörkellose Industrie-Chic, den der kahle graue Show-Bau versprüht genauso wie die High-Tech-Bühne mit Millionen Dioden und mehr als 1000 Quadratmeter LED-Bildschirmen. Die Monitore lassen für jeden der 37 Kandidaten eine andere Showkulisse entstehen - goldenen Glitzerstaub für die pfeifenden Sternenjäger aus der Schweiz («Hunter of Stars») oder rockig-rote Leuchtstäbe für die finnische Boyband Softengine («Something Better»).

Mit Pilou Asbæk hat sich Danmarks Radio einen international bekannten Schauspieler als Moderator geangelt. Gemeinsam mit den DR-Moderatoren Nikolaj Koppel und Lise Rønne wird er durch die beiden Halbfinal-Shows und das Finale führen. «Ich hatte keine Ahnung, zu was ich da Ja gesagt habe», verriet der Star der dänischen Polit-Serie «Borgen - Gefährliche Seilschaften» im dpa-Interview während der Proben. «Wenn ich für eine Sache berühmt bin in Dänemark, dann ist es, dass ich nicht Nein sagen kann zu einer Party.»

Apropos Party: Sex-Appeal kommt in diesem Jahr nicht nur von Donatan & Cleo aus Polen («Schüttel, was deine Mama dir mitgegeben hat»). Ausgerechnet die politisch zerrissene Ukraine setzt auf «Sex sells», das verführerische «Tick-Tock» der lasziven Maria Yaremchuk steht bei den Buchmachern mit Platz drei hoch im Kurs. Allerdings untersagen die ESC-Regeln ohnehin jedes politische Statement auf der Bühne.

Nur Aram MP3 und Schwedens Sanna Nielsen («Undo») laufen Yaremchuk auf der Ladbrokes-Buchmacher-Liste den Rang ab. Der Beitrag von Aram MP3 thront schon seit Wochen auf dem Spitzenplatz. Der 30-Jährige ist in seiner Heimat ein beliebter Sänger und Comedian und hat den Song «Not Alone» selbst geschrieben.

Litauens Vilija Matačiūnaitė schreit dagegen zwar mit «Attention» unverblümt nach Aufmerksamkeit, hat aber den Wettprofis zufolge kaum nennenswerte Chancen, es überhaupt ins Finale zu schaffen - ähnlich wie die Künstler aus Albanien oder Weißrussland.

Die Sorgen müssen sich Elaiza nicht machen: Deutschland ist als Teil der «Großen Fünf» neben Spanien, Italien, Großbritannien, Frankreich - und Dänemark als Gastgeberland - automatisch für die große Show am 10. Mai qualifiziert. Alle anderen müssen am 6. oder 8. Mai im Halbfinale um die Gunst von Zuschauern und Jury buhlen.

Deutsche Eurovisions-Seite des NDR

Ladbrokes-Wettliste

news.de/dpa

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