Filmbesprechung: «Labor Day»: Packende Romanze mit Kate Winslet

Los Angeles - Es gibt absonderliche, schwer nachvollziehbare Liebesgeschichten. Die Romanze von Adele Wheeler und Frank Chambers in «Labor Day» zählt dazu.

«Labor Day»: Packende Romanze mit Kate Winslet Bild: Nina Prommer/dpa

Die ungewöhnliche Love-Story ist zugleich auch ein Krimi und eine Coming-Of-Age-Geschichte. Kate Winslet spielt die depressive, alleinerziehende Mutter des 13-jährigen Henry, die sich kaum aus dem Haus traut. Josh Brolin mimt einen entflohenen Häftling, der eine Strafe für Mord absitzt. Auf der Flucht vor der Polizei macht er Adeles Haus zu seinem Versteck.

Die anfängliche Angst von Mutter und Sohn verfliegt schnell. Bald teilen Adele und Frank Tisch und Bett, und auch den Herd. Beim Kuchenbacken in der alten Küche knistert es nur so vor Erotik. Doch damit auch genug. Weder Henry noch die Zuschauer bekommen mit, was hinter der Schlafzimmertür passiert. «Labor Day» ist familienfreundliche Unterhaltung, schon ab 6 Jahren freigegeben.

Titelgebend ist das lange US-Feiertagswochenende Anfang September. Der Film spielt an ein paar heißen Sommertagen im Jahr 1987 in einer Kleinstadt in New Hampshire. Vorlage ist der Bestseller der US-Autorin Joyce Maynard. In Deutschland trägt ihr Roman den eher süßlichen Titel «Der Duft des Sommers».

«Labor Day» hätte leicht kitschig und melodramatisch werden können. Doch Regisseur Jason Reitman, der auch den Roman für die Leinwand adaptierte, hat den Stoff packend inszeniert. Nicht jede Szene ist glaubwürdig, aber Reitman hält die schräge Love-Story mit einer unterschwelligen Spannung zusammen. Es ist sein erstes Drama ohne den typischen Witz seiner Teenagerkomödie «Juno» und der Tragikomödie «Up In The Air» mit George Clooney als Vielflieger.

Eine hochkarätige Besetzung verleiht «Labor Day» Tiefgang. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des erwachsenen Henry, gespielt von Tobey Maguire. Er ist nur kurz auf der Leinwand zu sehen. Den wichtigeren Part hat der 15-jährige Nachwuchsstar Gattlin Griffith («Der fremde Sohn», «Green Lantern»). Er verkörpert den jüngeren Henry als sensiblen Teenager, der von den Problemen seiner Mutter und dem eigenen Erwachsenwerden überfordert ist.

Die britische Oscar-Preisträgerin Kate Winslet (38, «Der Vorleser») erhielt für ihre «Labor Day»-Rolle in diesem Jahr eine Golden-Globe- Nominierung als beste Dramaschauspielerin. Sie war Reitmans Wunschkandidatin für die Rolle der scheuen, vereinsamten Adele, von Fehlgeburten und einer gescheiterten Ehe traumatisiert. «Ich glaube nicht, dass der Verlust meines Vaters das Herz meiner Mutter brach, sondern der Verlust der Liebe an sich», erklärt Henry in dem Film.

Nach dem brutalen Action-Thriller «Oldboy», dem Polizeidrama «Gangster Squad» und dem Western «True Grit», in dem Josh Brolin einen verschlagenen Mörder mimt, kann der 46-jährige Darsteller in «Labor Day» hinter der Verbrecher-Fassade auch eine weiche Seite zeigen.

Die Weekend-Romanze zwischen den beiden Außenseitern nimmt kein kitschiges Happy End, auch wenn man es Adele und Frank gegönnt hätte. Bis zuletzt bleibt die Geschichte mit ihren vielen Wendungen spannend und berührend.

Labor Day

news.de/dpa

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