Theater: Büdenhölzer über Dokumentartheater und Spielpläne

Berlin - Das Dokumentartheater boomt.

Büdenhölzer über Dokumentartheater und Spielpläne Bild: Jens Kalaene/dpa
Inszenierungen mit «echten» Zeitzeugen, Laiendarstellern oder «Experten des Alltags» haben inzwischen einen festen Platz in den Spielplänen der deutschsprachigen Bühnen, wie Theatertreffen-Leiterin Yvonne Büdenhölzer im Interview der Nachrichtenagentur dpa sagt.

«Unsere Lebensrealitäten scheinen für rein fiktives Theater mancherorts zu komplex geworden zu sein.»

Auch das am Freitag startende 51. Berliner Theatertreffen (2. bis 18. Mai) hat zwei Inszenierungen mit Dokumentar-Charakter eingeladen: In «Die letzten Zeugen» vom Burgtheater Wien, einem Projekt von Doron Rabinovici und dem mittlerweile entlassenen Burgtheater-Intendanten Matthias Hartmann, erzählen Holocaust-Überlebende ihre Geschichte. In «Situation Rooms» von Rimini Protokoll geht es um Krieg und die Waffenindustrie.

«Es gibt durchaus Beispiele für Klassiker-Inszenierungen und neue Stücke, die viel über Welt und Gegenwart erzählen können. Aber manchmal gibt es Themen, die lassen sich besser über dokumentarisches Material als über eine literarische Vorlage erzählen», so Büdenhölzer. «Dann kommt das Dokumentartheater ins Spiel.» Zu dessen Vertretern gehören Gruppen wie She She Pop, Rimini Protokoll und Milo Rau mit seinem Institut.

Das Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen wird am Freitag mit Heiner Müllers «Zement» vom Münchner Residenztheater eröffnet - der letzten Regiearbeit des im vergangenen Jahr gestorbenen Regisseurs Dimiter Gotscheff. Drei weitere Inszenierungen kommen aus München: Frank Castorfs ebenfalls am Residenztheater entstandene Interpretation von Louis-Ferdinand Célines «Reise ans Ende der Nacht» ist zu sehen. Die Kammerspiele München zeigen Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt» in der Regie von Susanne Kennedy sowie «tauberbach» von Alain Platel. «Man könnte sagen: München ist das neue Theater-Berlin», sagte Büdenhölzer.

Aus Stuttgart kommt Tschechows «Onkel Wanja» von Regisseur Robert Borgmann. Die Berliner Volksbühne zeigt Herbert Fritschs Oper «Ohne Titel Nr. 1». Das Schauspielhaus Zürich schickt Alvis Hermanis mit «Die Geschichte von Kaspar Hauser» und Karin Henkel mit der Kleist-Interpretation «Amphitryon und sein Doppelgänger» nach Berlin.

Nur als Video-Installation wird «Situation Rooms» von Rimini Protokoll zu sehen sein, da das Ensemble aus Termingründen nicht nach Berlin kommen kann. Für das Festival wählt eine Jury aus Theaterkritikern jährlich die «bemerkenswertesten» Inszenierungen der Saison aus.

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news.de/dpa

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