Kunst: Virtuoser Künstler: Deutschland entdeckt Max Slevogt

Dresden/Mainz - Virtuos, schnell, lebendig: 2014 ist das Jahr von Max Slevogt (1868-1932). Ausstellungen in Dresden, Mainz und Düsseldorf sollen helfen, dessen ungerechtfertigtes Schattendasein im Rund der deutschen Impressionisten zu beenden.

Virtuoser Künstler: Deutschland entdeckt Max Slevogt Bild: Oliver Dietze/dpa

«Max Liebermann und Lovis Corinth sind eine Adresse in Deutschland, Slevogt kennt man eher nicht», beschreibt die Konservatorin der Galerie Neue Meister Dresden, Heike Biedermann, die Situation. Dabei schuf der Künstler, getrieben und beflügelt vom Drang zum Zeichnen und Malen, ein sehr umfangreiches Oeuvre.

Von dessen Fülle und Qualität zeugen Reisebilder, die in der Schau «Nach Ägypten!» (30. April bis 3. August) im Dialog mit Werken von Paul Klee (1879-1940) stehen. Sie wird später auch in Düsseldorf gezeigt. Das Landesmuseum Mainz präsentiert mit «Neue Wege des Impressionismus» (4. Mai bis 12. Oktober) einen neuen Blick auf das Schaffen des Künstlers, der lange in der Pfalz lebte. Ergänzend werden ab Ende August Briefe und Postkarten aus dem Nachlass ausgestellt, noch bis Mitte Juli ist Slevogt auf Schloss Ludwigshöhe zudem als «Kriegsmaler» präsent.

Vor seiner Reise an die Westfront hatte Slevogt im Frühjahr 1914 bei einer Malexpedition im Rausch des Lichts und der Farben des Orients geschwelgt. «Die dort entstandenen Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen gehören zum Besten, was er je malte», sagte Kuratorin Biedermann. 100 Jahre später machen die Ansichten von Luxor, Syrakus und dem Nil, Wüstenlandschaften mit Kamelen und Sudanesen, sowie Porträts von Bettlern und Seeräubern, von Scheherazade und einem Krieger Slevogts Begeisterung und Leidenschaft für den Orient spürbar. «Er hat in 39 Tagen 21 Bilder gemalt.»

Slevogt zeichnete schon im Knabenalter wie besessen, war fasziniert vom Orient. «Er hatte eine große Fantasie und Sinn für Abenteuer», sagt Biedermann. Schon in Jugendjahren illustrierte er Märchen aus 1001 Nacht, später auch «Sindbad». Seine Inszenierungen reichen von grausam über erotisch bis zu skurril. Von 1900 und 1903 entstanden etwa 150 Illustrationen zu «Ali Baba und die 40 Räuber», von denen 43 publiziert sind. «Er hat sich auch einfach Sachen ausgedacht.» Im Sommersitz Neukastel malte er Bibliothek und Musiksaal auch mit orientalischen Motiven und ließ Plastiken nach seinen Bildern «Die liegende Exotin» und «Speerträger» anfertigen.

Die Ägypten-Bilder bedeuteten eine immense Steigerung in Slevogts Oeuvre und gelten als ein Höhepunkt seines Schaffens. «Sie sind als Hauptwerke der deutschen impressionistischen Malerei einzuordnen», sagt Biedermann. Beim Verkauf der Werke 1915 nach Dresden werden sie und der Künstler von der Kritik gefeiert. «Bis dahin war Slevogt als Illustrator etabliert, als Maler hatte er keine so durchschlagende Anerkennung erlangt.» Mit Ägypten aber kam der Erfolg. «Der brachte Slevogt auf eine Stufe mit Liebermann und Corinth.» Eine Erklärung, warum er heute in deren Schatten steht, hat auch Biedermann nicht.

Auch für die Dresdner Gemäldesammlung waren sie «ein Paukenschlag» und eine qualitative und quantitative Bereicherung für die noch nicht üppige Kollektion der Moderne, sagt Biedermann. Zwei der Werke sind verschollen, drei weitere wurden später gegen die «Tänzerin Anna Pawlowna» eingetauscht. Mit 20 Gemälden und mehr als 500 Arbeiten auf Papier - Grafik, Zeichnung, illustrierte Bücher und Bühnenentwürfe für die Dresdner Oper - ist die Elbestadt neben Mainz, Hannover und Saarbrücken ein prominenter Slevogt-Ort.

Die Retrospektive in Mainz gibt mit 80 Gemälden sowie Zeichnungen und Aquarellen aus dem rund 2000 Objekte umfassenden grafischen Nachlass Aufschluss über Slevogts künstlerische Entwicklung vom Studenten der Münchner Akademie zum Sezessionisten und individuellen Interpreten impressionistischer Kunst. Zu sehen ist auch bisher nie Gezeigtes und erstmals auch Skizzen und Entwürfe gemeinsam mit den vollendeten Meisterwerken. «Slevogt war ein virtuoser Zeichner, seine Malerei war skizzenhaft und schnell», erklärt Biedermann.

Die geballte Präsenz von Slevogt ist für Biedermann gleichbedeutend mit einer Wiederentdeckung des Künstlers. Der kann bisher auch nicht von der Beliebtheit deutscher Impressionisten auf dem internationalen Markt profitieren. In die aktuelle Ausgabe der «Weltkunst» aber hat er es mit der Dresdner Schau schon geschafft: sein Bild «Morgen bei Luxor», in dem er am 16. März 1914 im Garten des Grand Hotels die Stimmung am Nil mit Öl auf Leinwand bannte, ziert den Titel.

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news.de/dpa

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