Fernsehen: «Reiches Erbe»: Commissario Brunettis Jubiläumsfall

Berlin - 20 Fälle in gut 20 Jahren: Commissario Brunetti aus Venedig ist kein Akkordarbeiter, aber er genießt inzwischen Kultstatus im deutschen Fernsehen - und Autorin Donna Leon liefert weiter die Vorlagen.

«Reiches Erbe»: Commissario Brunettis Jubiläumsfall Bild: Ulrich Perrey/dpa

Meist schafft Donna Leon einen Krimi pro Jahr, bestenfalls sind es zwei. Wenn die mittlerweile 71-jährige Autorin ihrem Helden Commissario Brunetti einen neuen Fall lösen lässt, wird auch ein richtiger Roman aus der Idee und nicht nur ein flüchtiges Zwei-Seiten-Konzept fürs Fernsehen. Das unterscheidet die gebürtige US-Amerikanerin, die seit mehr als 30 Jahren in Venedig lebt, von manch anderen Schriftstellern, die das Fernsehen als wichtige Einnahmequelle zu schätzen gelernt haben.

Deswegen hat Commissario Brunetti es seit seiner Erstausstrahlung am 23. Oktober 1993 («Venezianisches Finale») innerhalb von gut 20 Jahren lediglich auf 20 Fälle gebracht, vier Mal mit Joachim Król und 16 Mal mit Uwe Kockisch als Hauptdarsteller. Der Jubiläumskrimi («Reiches Erbe») ist an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) in der ARD zu sehen. Zwei weitere Romane, «Tierische Profite» und «Das goldene Ei», werden demnächst produziert und finden voraussichtlich im nächsten Jahr ihren Weg ins Programm.

Dass die ARD diese Programmmarke einer historischen Wende zu verdanken hat, beschrieb Donna Leon selbst einmal in einem Interview. Ihre Doktorarbeit über Jane Austen ging in den Wirren der Iran-Revolution 1979, als Donna Leon in dem Land als Lehrerin beschäftigt war, verloren. «Das ist wahrscheinlich das Beste, was mir je in meinem Leben passiert ist», resümierte sie in einem Gespräch mit der «Rhein-Neckar-Zeitung». «Wenn ich das Konzept nicht verloren hätte, hätte ich die Doktorarbeit beendet und mein Leben als Akademikerin zugebracht.»

Hauptdarsteller Kockisch ist sich sicher, dass sein Commissario Brunetti beim Publikum weiter Erfolg haben wird. «Offenbar gefällt dem Zuschauer unsere filmische Umsetzung von Donna Leons Romanen», sagte der 70-Jährige in einem ARD-Interview. «Das heißt, das gesamte Team, Drehbuch, Regie, Kamera, Licht, Kostüm, Maske, alle technischen Bereiche und die Schauspieler sind «auf der richtigen Spur», wie Commissario Brunetti sagen würde. Selbst bei den vielen Wiederholungen haben die Filme noch eine große Zuschauerresonanz.» Und Venedig sei ihm so vertraut geworden, dass er bei jedem neuen Dreh sagt: «Endlich wieder zu Hause!»

Commissario Brunetti muss dieses Mal den Mord an einer alten Dame aufklären: Signora Altavilla starb offiziell an Herzversagen, aber der Bestatter bemerkt im Leichenschauhaus Würgemale am Hals. Also doch Mord! Die ersten Hinweise, denen Brunetti nachgehen muss, führen den Commissario in ein Altenheim, in dem die 66-Jährige ehrenamtlich tätig gewesen ist. Die Vermutung: Hinter der Tat könnte ein betrügerischer Pfleger stecken, dem die Signora auf die Schliche gekommen ist.

Doch dann tritt eine Wende ein: Signora Altavilla gewährte in ihrer Wohnung misshandelten Frauen Zuflucht, darunter auch Gabriela Pavon (Caroline Ebner), die von ihrem gewalttätigen Mann Nico (Bernd Michael Lade) zusammengeschlagen wurde. Hat der Mann die Signora deswegen umgebracht? Und dann ändert sich die Situation für die Ermittler erneut, als im Bankschließfach der Ermordeten ein Lotteriehauptgewinn auftaucht. Kleines Problem für Brunetti am Rande: Sein arroganter Vorgesetzter Patta (Michael Degen) bekommt Verstärkung mit seinem nicht minder eingebildeten Sohn Salvatore (David Rott), der als frisch gebackener Staatsanwalt Karriere machen will.

Donna Leon in der ARD

news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser