Filmbesprechung: «Die Schöne und das Biest»: Märchenfilm ohne Charme

Berlin – Spielfilm, Animationsabenteuer und Musical: das französische Volksmärchen «Die Schöne und das Biest» wurde schon vielfach erfolgreich adaptiert. Eine neue Kinoversion setzt nun auf die Zugkraft bekannter Namen und die modernen Möglichkeiten der Tricktechnik.

«Die Schöne und das Biest»: Märchenfilm ohne Charme Bild: Concorde Filmverleih/dpa

Léa Seydoux («Inglourious Basterds») und Vincent Cassel («Black Swan») sind die schauspielerischen Zugpferde in der jüngsten Kino-Version des 1740 von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve erstmals aufgeschriebenen französischen Volksmärchens «Die Schöne und das Biest». Neben den im westlichen Nachbarland sehr populären Akteuren setzt Regisseur Christophe Gans vor allem auf die Wirkung bombastischer CGI-Effekte, also am Computer hergestellter Szenen.

Die Geschichte folgt weitestgehend den Adaptionen des Märchens, wie sie sicherlich vielen aus der 1946 uraufgeführten Erstverfilmung von Jean Cocteau, dem 1991 herausgekommenen Disney-Animationshit oder dem auf diesem Zeichentrickfilm beruhenden Musical bekannt ist: Die schöne Belle (Léa Seydoux) wird durch ein Missgeschick ihres Vaters (André Dussollier) in einem verwunschenen Schloss zur Geisel eines Prinzen (Vincent Cassel), der von einem bösen Zauber in Gestalt eines Biestes gefangen gehalten wird.

Reiz der Vorlage und der bekannten früheren Adaptionen ist das Wechselspiel von Habgier und Hingabe, Schuld und Unschuld, Schein und Sein. Voller Charme, Esprit und Romantik wird da die romantische Geschichte der Erlösung des Prinzen durch Belles reine Liebe erzählt. In der jetzt zu sehenden mehr als 30 Millionen Euro teuren Filmversion, die komplett in Potsdam-Babelsberg realisiert wurde, verdeckt allerdings eine Flut geradezu bombastischer Spezialeffekte allen ursprünglichen Zauber.

Emotionen oder gar Erotik, wie vor fast 70 Jahren, da die damaligen französischen Superstars Josette Day und Jean Marais in den Hauptrollen brillierten, haben hier keine Chance. Léa Seydoux darf glitzernde Roben am Fließband vorführen und unentwegt angstvoll oder verklärt die Augen weiten. Die Entwicklung der Zuneigung Belles zu dem furchterregenden Biest kann sie nicht zeigen. Dafür ließ ihr die von den Möglichkeiten der digitalen Bild-Kunststückchen geradezu besessen wirkende Regie keine Gelegenheit.

Unholde, Fantasiegestalten und Mordgesellen bevölkern die Szenerie fast ohne Unterlass. Es wird geschossen und gemordet. Und wenn dank modernster CGI-Möglichkeiten auch noch die Natur ins Geschehen eingreift, etwa Bäume und Felsen zu Haudegen mutieren, wird das Märchen geradezu zum Horrortrip. Von Poesie bleibt schließlich keine Spur.

Typisch für den Film sind einige wenige Szenen mit der deutschen Aktrice Yvonne Catterfeld («Gute Zeiten, schlechte Zeiten»). In Rückblenden auf die Zeit, da das Biest noch ein egozentrischer Prinz war, tritt sie als Prinzessin auf. Die Lady darf zum Rauschen der Akkorde schicke Kleider tragen und dank Tricktechnik hinreißend schön sterben. Eine glaubwürdige Figur darf sie nicht verkörpern. Ihre Menschlichkeit wird dem Budenzauber aus der digitalen Trickkiste geopfert. Genau wie der gesamte Film.

Die Schöne und das Biest

news.de/dpa

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