Von news.de-Redakteurin Jana Koopmann - 20.04.2014, 13.21 Uhr

DURCHGEHÖRT: Jan Delay wandelt auf Abwegen

Ein ganz Großer des deutschen Hip-Hop hat genug von fetten Bässen und steht jetzt auf Gitarrenriffs? Jan Delay, der näselnde Hamburger mit Schnodderschnauze, probiert sich mit seinem neuen Album in Rock. Ob er es kann, lesen Sie hier.

Jan Delay, mit bürgerlichem Namen Jan Phillip Eißfeld, polarisiert - schon immer. Und das macht er nun auch wieder mit seinem neuen Album «Hammer & Michel». Seine Hip-Hop und Soul-Hymnen hat er vorerst in der Schublade ver- und (vorübergehend?) die Gitarren ausgegraben.

Sanfte Töne und rosa Bühnenoutfit

Nicht genug, dass Jan Delay auf seinem neuen Album keinen Hip-Hop-Ton von sich gibt, jetzt begibt er sich in mädchenhaften Farben noch nach «Wacken». Das Eldorado das Rock. Sein gleichnamiger Song erreicht noch nicht ganz die Härte der Bands vor Ort, aber für einen Gastauftritt wird es reichen. «Tschüß ihr Spacken, ich will hier raus, ich geh nach Wacken.» singt er und macht deutlich, dass er vorerst genug von seinem bisherigen Stil hat. In der langsamen «Scorpions Ballade» wird auch klar, warum: «All die alten Ideale tragen sie zu Grabe». Nichts ist mehr so wie es scheint, auch die Musik von Jan Delay nicht. Gitarrensounds von ihm zu hören ist beim ersten Hören des Albums definitiv gewöhnungsbedürftig. Aber nach einigen Runden im CD-Player macht es Spaß.

Ernährungstipps und seine wahren Absichten

In «Dicke Kinder» wird der frischgebackene Vater laut mit seiner Kritik an manch unkonventioneller Kindererziehung. «Wurst mit Gesicht und Käse aus der Tube» sind ihm zuwider. Hoffentlich macht er es bei seinem Kind auch anders. Weiter geht es mit dem Anprangern in «Sie kann nicht tanzen». Als Rockerbraut ist es doch egal, wichtig sind hier die Bierflasche in der Hand und das lässige Anlehnen an der Wand. Dass sein Ausflug in die Rockwelt eher spaßig gemeint war, wird in «Fick» deutlich. Jan Delay möchte einfach aufmucken und «Leute vor den Kopf stoßen». Na bitte, das hat er geschafft.

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Überall Liebe

Neben den Lästereien dürfen selbstverständlich Lobeshymnen nicht fehlen. In «Liebe» hat er ganz viel von selbiger. Liebe für alles und jeden - für Hamburg, Uli Hoeneß und seine neuen Gitarrenriffs. Dass Hamburg seine Stadt ist, beweist er einmal mehr in «St. Pauli». Hier ist sein Kiez, seine Heimat. Seine erste Singleauskopplung aus dem Album landete auch promt in den Top10 der deutschen Charts. So ganz daneben gegriffen haben kann er also nicht. Die Jünger des näselnden Glatzkopfs halten ihm weiter die Treue. In «Hertz 4» schlägt er leise Töne an und präsentiert sein Spiel mit den Worten.

Eigentlich ein gelungenes Album, was trotz der härteren Töne die Hoffnung nicht schwinden lässt, dass seine nächste Platte durchaus wieder die alte Schiene einschlagen wird. Man muss es öfter hören, dann gefällt es auch. Einige seiner Songs sind durchaus gelungen und machen richtig Laune, andere sind leider noch etwas ausbaufähig. Sollte er sich weiter in der Rock-Szene bewegen wollen, muss er allerdings aufpassen, dass er nicht zum Udo-Lindenberg-Abklatsch wird. Wenn er in seinen bisherigen Songs schon oftmals schwer zu verstehen war, nuschelt er hier das ein oder andere Mal noch undeutlicher.

Fazit: 3,5 von 5 Sternen
Künstler: Jan Delay
Album: Hammer & Michel
Label: Universal Music

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