Filmbesprechung: «Sabotage»: Tätowierter Arnie zwischen Gut und Böse

Berlin - Manche Dinge ändern sich nie. Arnie raucht gern Zigarren. Arnie stemmt gern Gewichte. Und Arnie ballert gern mit kleinen und großen Waffen durch die Gegend.

«Sabotage»: Tätowierter Arnie zwischen Gut und Böse Bild: Sony/dpa

Meist zielt er dabei auf Bösewichte, weil er selbst ja der Gute ist, der Held. In seinem neuen Thriller «Sabotage» ist das nicht ganz so einfach.

Wieder einmal kehrt Arnold Schwarzenegger auf die Leinwand zurück. Auch mit 66 Jahren und faltigem Gesicht lässt der rüstige Actionstar seinem «Terminator»-Spruch «I'll be back» («Ich komme wieder») noch Taten folgen. Dabei zeigt er sich mit «Sabotage» auf seine alten Tage zumindest ein Stück wandlungsfähig. Neben den üblichen Action-Klischees verpasste Regisseur David Ayer («End of Watch») der neuen Arnie-Rolle eine dunkle Seite.

Die Handlung des Polizei-Thrillers wirkt auf den ersten Blick nicht wirklich originell: Als Anführer einer Anti-Drogen-Einheit kämpft Arnie alias John Wharton gegen Drogenkartelle. Seit seine Familie von Bösewichten entführt, gefoltert und getötet wurde, lebt er nur noch für sein durchgeknalltes Team. Die Profis mit Spitznamen wie «Monster» (Sam Worthington), «Sugar» (Terrence Howard) und «Grinder» (Joe Manganiello) trinken, fluchen und mischen Stripclubs auf. Harte Kerle ohne weichen Kern. «Lizzy» (Mireille Enos) erfüllt als durchgeknallte Drogenbraut die Frauenquote der Elitetruppe.

Bei einer bleihaltigen Razzia will die Mannschaft zehn Millionen Dollar vom Drogengeld in die eigene Tasche abzwacken. Die Beute verschwindet aber auf mysteriöse Weise. Plötzlich werden mehr und mehr Mitglieder der Truppe auf grausame Weise ermordet. Im Team machen sich Panik und Paranoia breit. Nimmt das Kartell Rache? Oder gibt es einen Verräter in der Truppe?

«Sabotage» ist ein recht typischer Action-, aber nicht unbedingt ein typischer Arnie-Streifen. In seiner Filmografie mimte er meist den muskelbepackten Helden («Terminator II», «Predator») oder den muskelbepackten Bösewicht («Terminator I», «Batman & Robin»). In «Sabotage» bleibt er zwar muskelbepackt, aber der Rest liegt irgendwo zwischen Held und Bösewicht.

In der Rolle von John Wharton ist er ungewohnt ernst. Schwarzenegger mimt einen gebrochenen Mann, dem in seiner Verzweiflung sogar mal die Tränen kommen. John Wharton drückt seinen Widersachern keine ironisch-platten Sprüche rein, bevor er sie ins Jenseits befördert. Wharton ist vom Leben gezeichnet und kämpft vor allem mit sich selbst.

Schwarzenegger spielt diesmal sogar tätowiert, am muskulösen Hals grinst ein rauchender Totenschädel mit Zylinderhut. Ebenso wie seinen Charakter durchschaut man auch den Plot nicht gleich nach der explosiven Anfangsszene - was aber auch so mancher Logik-Schwäche im Skript geschuldet sein mag.

Auf die üblichen Ballerorgien wurde jedenfalls auch in «Sabotage» nicht verzichtet. Dabei ist der Streifen ungewohnt realistisch und brutal. Regisseur Ayer sparte nicht an Kunstblut und ekligen Szenen. Gedärme und Fleischfetzen tauchen häufiger auf als tiefgehende Konversationen. FSK ab 18 hat der Streifen deshalb mehr als verdient.

Und trotz angedeuteter Charakter-Tiefe ballert Arnie gegen Ende in altbekannter «Terminator»-Manier noch mal richtig durch die Gegend. Ohne zu viel zu verraten: Der Film endet mit einer Zigarre.

Sabotage

news.de/dpa

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