Kunst: Die Kunst des Kühlergrills: Matthew Barney in München

München - Messing, Zink, Eisen und Schwefel: Was andere eher auf dem Wertstoffhof suchen, bringt der US-amerikanische Künstler Matthew Barney ins Museum. In München zeigt er jetzt sein spektakuläres neues Gesamtkunstwerk.

Die Kunst des Kühlergrills: Matthew Barney in München Bild: dpa

«River of Fundament» heißt das Projekt, das der 46-Jährige im Haus der Kunst und in der Bayerischen Staatsoper präsentiert. Das Museum zeigt eine große Ausstellung neun neuer, überdimensionaler Skulpturen und dazugehöriger Zeichnungen - die Staatsoper einen mehr als fünf Stunden langen Film.

Aus kunstharzgebundenem Schwefel hat Barney einen Brunnen gebaut, mit Zink und Gold einen Kühlergrill verschönert, ein Schiff aus Holz und Bronze, Sand und Stahl errichtet. «Das Werk verdichtet sich zu einem der komplexesten und ehrgeizigsten in Barneys Schaffen», sagt Haus-der-Kunst-Chef Okwui Enwezor und spricht von einem «Meilenstein» für sein Museum.

Thematisch bestimmt wird die Ausstellung der Bildhauerarbeiten aber von einem anderen Kunstmedium: dem Film. Gemeinsam mit dem Komponisten Jonathan Bepler hat Barney sieben Jahre lang an einem fünfstündigen Epos gearbeitet, das am Sonntag in der Bayerischen Staatsoper seine Europapremiere feiert. «Es war eine andere Sprache, mit der ich arbeiten wollte», sagt Barney am Freitag in München.

Der Film ist von Norman Mailers Roman «Ancient Evenings» aus dem Jahr 1983 inspiriert und handelt von Tod und Wiedergeburt des Autors - und eines Autos. Drehorte der Dokumentaraufnahmen, die Barney und Bepler zu einer filmischen Oper in drei Akten zusammengeführt haben, sind New York, Los Angeles und die Autostadt Detroit. «Eine Nation in Transformation» will Barney anhand dieser «sehr amerikanischen Stadt» zeigen, wie er sagt - mit Hilfe der «Sprache des Objekts».

Barney versteht sich als Gesamtkünstler, sein Werk als Gesamtwerk - ohne die Festlegung auf Genres und Darstellungsformen. «Ich will mich von Konventionen, mit denen ich zuvor gearbeitet habe, fortbewegen.»

Der 1967 in San Francisco geborene Künstler wuchs in Idaho auf. 1989 schloss er sein Studium an der Yale-Universität in New Haven, Connecticut, mit dem Bachelor of Arts ab und zog anschließend nach New York, wo er heute noch lebt. Der vielfach ausgezeichnete Barney ist mit der isländischen Popsängerin Björk verheiratet.

Infos des Hauses der Kunst zur Ausstellung

Infos der Bayerischen Staatsoper zur Europapremiere

news.de/dpa

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