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Fernsehen: Lars Eidinger hatte Angst vor Wagner-«Blockbuster»

München - Lars Eidinger (38) gehört zu den gefragtesten Bühnenschauspielern Deutschlands - und gilt allerspätestens seit dem vergangenen Jahr auch als große Fernseh-Entdeckung.

Lars Eidinger hatte Angst vor Wagner-«Blockbuster» Bild: dpa

Wegen seiner Rolle als Siegfried Wagner in dem ZDF-Film «Der Wagner-Clan. Eine Familiengeschichte» hatte er trotzdem erstmal Bedenken. «Blockbuster» und «Event-Movies» sind nämlich eigentlich nicht sein Ding, sagt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa in München.

Frage: Es ist ungewöhnlich, Sie in einer solchen Rolle in solch einem großen ZDF-Film zu sehen...

Antwort: Ja, für mich ist das schon eine Form von Blockbuster oder Event-Movie. Ich hatte am Anfang schon Skrupel, das zu machen, weil ich bislang eher für so eine gewisse Art von Arthouse stehe. Was mich dann aber überzeugt hat, waren die Figur Siegfried und vor allem das Drehbuch. Ich fand die Entscheidung total clever, sich auf die Zeit nach dem Tod von Richard Wagner zu konzentrieren und sein Leben über seine Familie zu erzählen. Durch die Bürde des Erbes, die seine Kinder tragen, wird er viel besser charakterisiert, als wenn er ständig selbst im Bild wäre.

Frage: Welche Skrupel hatten Sie denn?

Antwort: Naja, ein Blockbuster ist für mich ein Film, der in erster Linie auf eine hohe Zuschauerzahl abzielt. Auch diese Form von Werbung, die für so eine Produktion gemacht wird, stößt mich eher ab und ich empfinde es als penetrant, wenn an jeder Bushaltestelle, Plakate hängen. Iris Berben, Oliver Berben... das sind Leute die ich bisher nur aus dem Fernsehen und der Zeitung kannte. Aber ich konnte mich von meinen Vorbehalten sehr schnell frei machen. Oliver Berben habe ich als einen sehr stimmigen, ambitionierten und interessierten Produzenten kennen gelernt. Die wollen in erster Linie anspruchsvolle Unterhaltung machen. Es geht nicht nur darum, möglichst viele Zuschauer zu haben. Ich habe ein gutes Gefühl damit - und war auch schon immer ein Fan von Iris Berben, seit «Sketchup». Ich bin mit der groß geworden und fand sie immer super. Sie ist wahnsinnig lustig.

Frage: Gibt es negative Reaktionen von Theater-Kollegen, weil Sie sich derzeit etwas mehr in Richtung Fernsehen orientieren?

Antwort: Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich darüber, dass ich eigentlich immer jemand war, der verschiedene Sachen machen kann, ohne dass die eine negativ auf die andere abfärbt. Ich hab ja schon immer Fernsehen, Film und Theater gemacht und würde auch nichts kategorisch ausschließen. Es wundert mich immer, wenn Kollegen sagen, sie hätten keinen Fernseher zu Hause. Das ist so ein Schauspieler-Klischee. Ich bin mit Fernsehen groß geworden und mache Fernsehen, also warum soll ich keinen Fernseher haben? Nur Fernsehen wäre auf Dauer wahrscheinlich unbefriedigend.

Frage: Waren Sie mal in Bayreuth?

Antwort: Nee, leider nicht. Meine Frau ist ja Opernsängerin und die war letztes Jahr dort, aber da konnte ich nicht. Ich hab mir fest vorgenommen, dieses Jahr zu gehen - auch weil ich unbedingt die «Ring»-Inszenierung von Frank Castorf sehen will. Ich bin jetzt kein Wagner-Fan, aber seine Musik ist schon eine, die einen das ganze Leben lang begleitet - auch ohne dass man darum weiß. Es gibt ja kaum ein Stück, von dem man sagen kann, man hat es nicht schonmal irgendwo gehört.

Frage: Hören Sie Wagners Musik seit dem Film anders?

Antwort: Nicht wirklich, das strengt mich auch ungeheuer an. Wagner - oder eigentlich klassische Musik im Allgemeinen - kann ich nicht nebenbei hören. Bei Popmusik geht das noch so gerade, bei Klassik muss ich mich erst hin- und der Musik aussetzen.

Frage: Der Film endet mit dem Auftauchen Hitlers auf dem Grünen Hügel. Wäre es nicht spannend gewesen, da weiter zu machen?

Antwort: Ich finde es gut, dass Hitler nicht wirklich gezeigt wird. Ich habe ein großes Problem allgemein mit der Art, wie dieser Teil der Geschichte in Deutschland aufgearbeitet wird und das sind derzeit vor allem die Drehbücher, die ich ablehne. Ein Film nach dem anderen befasst sich mit dem Thema - aber nicht in dem Maße, wie ich das für angemessen oder adäquat halte. Da bin ich ganz froh, dass der Film an dieser Stelle ausblendet.

Frage: Welches Problem haben Sie mit der Darstellung der NS-Zeit im Film?

Antwort: Also, wenn ich aufgefordert würde, einen Juden im KZ zu spielen, dann würde ich erstmal drei Monate lang nichts essen, um mich auf die Rolle vorzubereiten und entsprechend auszusehen. Wenn ich dann aber sehe, dass Schauspielern nur die Wangen etwas dunkel geschminkt werden, weil sie ein Anschluss-Projekt haben, bei dem sie wieder wohlgenährt aussehen müssen oder weil sie schlichtweg zu träge sind, dann stößt mir das übel auf. Man kann diesem Elend nie gerecht werden und eine Darstellung verkleinert die Dimension immer, verniedlicht sie sogar. Diese Monströsität lässt sich überhaupt nicht in ihrer Drastik darstellen. Ich finde es falsch, in einem Film wie «Der Untergang» den Anspruch zu erheben, Adolf Hitler als Mensch zu zeigen. Das weiß ich doch, dass das ein Mensch war. Ich möchte aber als Zuschauer nicht in die Situation gebracht werden, mitzuleiden, wenn sein Hund Blondi eingeschläfert wird. Das steht doch in keinem Verhältnis dazu, was dieser Mensch angerichtet hat. Ich finde es auch fatal, dass in einem Format wie «Switch Reloaded» Stromberg als Hitler parodiert wird. Diese Form der Ironisierung verharmlost die Thematik und ist nicht witzig, sondern zynisch und menschenverachtend.

ZUR PERSON: Lars Eidinger absolvierte seine Ausbildung - gemeinsam mit dem heutigen «Tatort»-Kommissar Devid Striesow - an der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» in Berlin. Seine künstlerische Heimat ist die Schaubühne am Lehniner Platz, wo er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur tätig ist. Eidinger ist mit der Opernsängerin Ulrike Eidinger verheiratet. Das Paar hat eine Tochter.

news.de/dpa

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