Fernsehen: Der letzte Kronzeuge

Berlin - «Die Elster ist frech und klug. Sie stiehlt, was glitzert und funkelt.» Die Polizistin Sarah ist kurz davor überzuschnappen. Wer ist der Junge, den sie vor einem Mörder versteckt? Und warum spricht er diese verschlüsselten Sätze?

Der letzte Kronzeuge Bild: dpa

Alles was sie weiß: Er soll in wenigen Tagen in einem Mafia-Prozess aussagen. «Der letzte Kronzeuge - Flucht in die Alpen» ist ein düsterer Krimi mit deutscher Starbesetzung - Ken Duken (34, «Inglourious Basterds»), Herbert Knaup (57, «Irren ist männlich») und Florian Lukas (40, «Good Bye, Lenin!») sind dabei. Lisa Maria Potthoff (35) beweist als Hauptfigur erneut, dass sie Krimi kann. Und es gibt viel Alpenpanorama. Das ZDF strahlt das Ganze am Montag (17. Februar, 20.15 Uhr) in der Reihe «Fernsehfilm der Woche» aus.

Schnee auf den Bergen, ein schmaler Weg führt über die Hänge - eine Almhütte ist in Sicht. «Jetzt mach schon», raunt Polizistin Sarah dem stillen Jungen zu. Sie hofft, dass Lino hier bei ihrem Großvater endlich sicher ist. Auf den Schultern des Jungen (Aaron Kissiov) liegt eine schwere Last. Er hat mit eigenen Augen einen Mafia-Mord in einem Restaurant beobachtet - und vor wenigen Stunden wurde sein Vater erschossen.

Nun steht der Prozess gegen den mutmaßlichen Mafioso an. Von den einstigen zwei Kronzeugen ist nur noch Lino übrig - noch. Es gibt eine Reihe Menschen, die ihn lieber tot sehen wollen. Weil Sarah auch Verstrickungen zur Polizei und der Staatsanwaltschaft vermutet, hat sie ihr Handy weggeworfen und ist mit ihm untergetaucht - und wird so selbst zur Gejagten.

Flucht ist das übergeordnete Thema des Films von Regisseur Urs Egger («Das jüngste Gericht», «Opernball»). «Renn' um dein Leben» könnte das Motto lauten. Stimmungsvolle Bilder und Parallelgeschichten, die das Hauptthema aber nicht überlagern, bauen ein dichtes Geflecht auf. Es wird intelligent erzählt - nicht platt oder laut. Ein Flashback von Lino trägt die nötigen Puzzleteile zusammen.

Der Film punktet durch seine Gegensätze: Die ruhige Einsamkeit in den österreichischen Alpen, der milde Großvater im Kontrast zur Rastlosigkeit von Polizistin Sarah. Denn es ist nicht nur die Flucht, die sie umtreibt. Der Fall ist für die junge Frau auch eine Suche nach sich selbst. Sarah lebt allein und hat eine Affäre mit dem verheirateten Staatsanwalt des Mafia-Prozesses. «Zur Romantik gehört Ungewissheit», wirft sie ihm (Herbert Knaup) nach dem Sex cool zu.

Abends nimmt sie Tabletten, um schlafen zu können. Potthoff («Dampfnudelblues») ist die Figur der rational und etwas unterkühlt wirkenden Polizistin wie auf den Leib geschnitten. Sie lässt durchschimmern, dass Sarah eigentlich ein viel weicherer Mensch ist, als sie es zeigt.

Der Filmtitel erinnert an den Krimi «Die Kronzeugin - Mord in den Bergen» mit Iris Berben in der Hauptrolle, den das ZDF vor rund einem Jahr ausgestrahlt hatte. Nach Angaben des Senders haben beide Filme aber nichts miteinander gemein. Blickt man auf die Quote des Berben-Films, könnte es für das ZDF bestimmt aber dieses Mal gerne wieder so laufen: Den Krimi sahen damals rund 6,4 Millionen Zuschauer.

news.de/dpa

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