Großbritannien BBC-Skandal: «Chaos und Konfusion» beim Vorzeigesender

London - Eine von der BBC selbst beauftragte Untersuchung über den Umgang mit einem Missbrauchs-Skandal stellt der renommierten Sendeanstalt ein verheerendes Zeugnis aus.

«Chaos und Konfusion» habe verhindert, dass ein Bericht über die Machenschaften des Ex-Moderators und Kinderschänders Jimmy Savile im Magazin «Newsnight» ausgestrahlt werden konnte, fand die von Untersuchungskommission unter Vorsitz des ehemaligen Chefs des Konkurrenzsenders Sky, Nick Pollard, heraus. Es habe jedoch kein systematischen Vertuschen gegeben, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten Bericht.

Die britische Kulturministerin Maria Miller sagte, der Untersuchungsbericht werfe «ernsthafte Fragen über redaktionelle und Management-Themen bei der BBC» auf. Sie hoffe, diese Themen würden nun angegangen. «Es bleibt entscheidend, dass wir das wichtigste Thema nicht aus dem Blick verlieren - die vielen Opfer sexuellen Missbrauchs durch Savile», betonte sie.

Nach Bekanntwerden des Skandals wurden inzwischen 450 Vorwürfe gegen den Moderator erhoben - 31 davon lauten auf Vergewaltigung. Savile hatte seit den 1960er Jahren Sendungen in der BBC moderiert, darunter die Kultsendung «Top of the Pops». Er war im Oktober 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben. Savile soll seine Prominenz als Fernsehstar dazu genutzt haben, junge Männer und Frauen sexuell zu missbrauchen - teilweise in BBC-Einrichtungen, aber auch in Krankenhäusern und Heimen.

Im Zuge des Skandals musste unter anderem BBC-Generaldirektor George Entwistle seinen Hut nehmen. Die BBC hatte belastendes Material über Savile zurückgehalten. Stattdessen hatte die Sendung «Newsnight» einen früheren Politiker aus der Thatcher-Ära in einem anderen Beitrag indirekt belastet, was sich als falsch herausstellte.

news.de/dpa

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