Disco Ensemble Vier Finnen im Dienste der Leidenschaft

Musiktipp
«Second Soul» von Disco Ensemble

Disco Ensemble - Second Soul (official video) from Fullsteam on Vimeo.

Video: Vimeo

Von news.de-Mitarbeiter Michael Kraft
Die derzeit beste finnische Rockband? Mit der gerade absolvierten Europatournee und dem neuen Album Warriors haben Disco Ensemble mehr als gute Chancen auf diesen Titel. Wir haben die Band getroffen zum Gespräch über Konzerte, Durchfall und Streit im Studio.

Wenn man nur ein Wort zur Verfügung hätte, um die gesamte Karriere von Disco Ensemble zu umschreiben, dann müsste dieses Wort wohl heißen: Leidenschaft. Es gehört eine Menge Herz dazu, als Zwölfjähriger in der finnischen Provinz von einer Karriere als Rockstar zu träumen. Es braucht viel Begeisterungsfähigkeit, um dann die sechs Jahre durchzustehen, bis man endlich sein Debütalbum veröffentlichen kann. Und man muss seine Musik wirklich lieben, um 15 Jahre nach der Gründung der Band noch immer auf Tour zu sein, längst nicht mehr als Teenager mit dem Kopf voller Flausen, sondern als Familienväter.

Disco Ensemble haben all das geschafft, von der Gründung 1997 in Ulvila über das Debüt Viper Ethics im Jahr 2003 bis zur Deutschland-Tournee, die das Quartett gerade hinter sich gebracht hat. Wer die Finnen in Berlin, Hamburg oder Leipzig auf der Bühne erlebt hat, kann aus erster Hand bestätigen, wie sehr sie das lieben, was sie machen. Auch wenn es der Band nicht mehr ganz so leicht fällt wie in ihren Anfangstagen. «Vor allem am Ende der Tour sind wir wirklich ausgelaugt. Meistens machen wir dann den ganzen Tag über gar nichts, um uns all unsere Energie für die Show aufsparen zu können», sagt Sänger Miikka Koivisto im Gespräch mit news.de. Dem Konzerterlebnis gilt das gesamte Augenmerk, denn es stand schon immer im Zentrum dessen, was Disco Ensemble ausmacht, ergänzt Gitarrist Jussi Ylikoski: «Wir haben uns immer in erster Linie als Live-Band betrachtet. Wenn es uns irgendwann nicht mehr gibt, würde ich mir wünschen, dass wir so bei den Fans in Erinnerung bleiben: Als eine Band, die unvergessliche Shows gespielt hat.»

Mit Durchfall auf der Bühne

Die Konzert-Erinnerungen der Band sind mittlerweile auch recht umfangreich und reich an Anekdoten. Bei der ersten großen Tournee verirrte sich die Band regelmäßig beim Versuch, ohne Navigationssystem zu kleinen Clubs irgendwo in Europa zu finden. Im Baltikum waren sie einmal mit einem ganzen Kofferraum voller Winterreifen unterwegs und scheiterten trotzdem an den eisglatten Straßen. Und in Amsterdam stand Sänger Miikka Koivisto vor ein paar Jahren mit Durchfall und Fieber auf der Bühne («Ich dachte die ganze Zeit, dass ich mir mitten auf der Bühne in die Hosen scheißen würde», lacht er heute über diesen schmerzhaften Abend).

Es sind Erfahrungen, die zusammenschweißen, und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich der Einsatz ausgezahlt hat: Heute sind Disco Ensemble eine der erfolgreichsten Rockbands Finnlands, haben in ihrer Heimat Nummer-1-Alben vorzuweisen und auch in Deutschland reichlich Fans gewonnen, etwa mit Auftritten bei Rock am Ring oder dem Hurricane.

Zwei Jahre Arbeit für Warriors

Das vor wenigen Wochen erschienene Album Warriors, der fünfte Longplayer in der Karriere von Disco Ensemble, zeigt Miikka, Jussi und ihre Mitstreiter Mikko Hakila (Schlagzeug) und Lasse Lindfors (Bass) auf der Höhe ihres Könnens. Lieder wie die Single Second Soul, in der eine feurige Strophe auf einen betörenden Refrain trifft, können locker mit der internationalen Konkurrenz wie Biffy Clyro oder Muse mithalten. Songs wie Too Much Feeling oder Spade Is The Anti-Heart sind famose Rockmusik aus einem Guss, mit Krachern wie I've Seen The Future oder Chinese Sword werden Disco Ensemble auch die Fans beglücken, die den etwas härteren Anfangstagen der Band nachtrauern.

Hier geht's direkt zum aktuellen Album von Disco Ensemble.

Zwei Jahre haben Disco Ensemble gemeinsam mit Produzent Jukka Immonen (Sunrise Avenue) an Warriors gearbeitet – so lange wie an keiner Platte zuvor. Es war ein durchaus aufreibender Prozess, sagt Miikka: «Wenn man ein Album macht, wird es vor allem gegen Ende oft heikel. Dann denkt man, jede kleine Veränderung könnte das ganze Ergebnis ruinieren.» Zudem sei es nicht gerade einfach, die Meinung aller Musiker unter einen Hut zu bekommen: «Unsere Band ist eine ziemlich empfindliche Demokratie», schmunzelt der Sänger. Gitarrist Jussi stimmt zu: «Manchmal herrscht bei der Arbeit im Studio wirklich dicke Luft, vor allem, wenn es auf das Ende zugeht. Da sind vier Paar Ohren anwesend, denen das Ergebnis gefallen muss.»

Ein Vorteil sei bei Warriors aber gewesen, dass nicht alle vier Musiker zugleich im Studio waren, sondern ihre Passagen nacheinander eingespielt haben. «Diesmal haben wir vergleichsweise wenig Diskussionen gehabt. Wahrscheinlich lag das einfach daran, dass gar niemand da war, mit dem man hätte diskutieren können – außer dem Produzenten», scherzt Jussi.

Auch wegen der aufreibenden Arbeit im Studio («Es ist wie ein Marathon, der jedes Mal ein Stückchen länger wird», sagt Jussi) stellen sich die Musiker die Frage, wie lange sie diesen Lebenswandel noch durchhalten und wie lange sie noch genug Feuer haben für gute Rockmusik. «Wir denken immer nur von Album zu Album. Wenn die Tour vorüber ist, werden wir uns wieder zusammensetzen und schauen, ob wir noch Lust aufs Weitermachen haben», erklärt Jussi, betont aber auch: «Damit ist natürlich nicht gesagt, dass wir uns auflösen werden. Aber es muss Sinn machen, wenn wir noch eine Platte machen.» Und dann sagt der Gitarrist, der mehr als die Hälfte seines Lebens mit dieser Band verbracht hat, wieder das Wort, das wohl immer das Fundament von Disco Ensemble sein wird: «Wenn wir weitermachen, dann brauchen wir dazu alle die nötige Leidenschaft.»

Hier können Sie Warriors direkt bestellen.

Künstler: Disco Ensemble
Album: Warriors
Plattenfirma: Fullsteam
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

ham/news.de

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