Durchgehört Alicia Keys weiß jetzt, was sie will

Selbstbewusst wie nie präsentiert sich Alicia Keys auf ihrem neuen Album Girl On Fire. Dass sie nun genau weiß, was sie will, hat eine erfreulich hoch liegende musikalische Messlatte zur Folge. Pop Levi tobt sich derweil als ironischer Glamrocker aus, 1000 Gram präsentieren ein klasse Debüt.

On Fire. So nennt man im Sport den Zustand, wenn ein Spieler traumwandlerisch sicher agiert, nicht zu stoppen ist, alles richtig macht. Jeder Schuss ein Treffer, ganz intuitiv. Und genau so fühlt sich Alicia Keys gerade. Girl On Fire heißt ihr fünftes Album. Es handelt «von Neuanfängen und neuen Perspektiven», sagt die 31-Jährige. Und es ist das Dokument einer famosen Sängerin, die nun wirklich sämtliche Zügel in der Hand hat.

Dazu gehört auch eine neue Offenheit, die weit über den bisherigen New-York-Kosmos der vierzehnfachen Grammy-Gewinnerin herausragt. Zu den Kollaborateuren auf Girl On Fire gehören zum Beispiel die Songwriter Jeff Bhasker (Bruno Mars, Jay-Z) und Salaam Remi (Nas, Amy Winehouse, Nelly Furtado). Sie haben auch den fulminanten Titelsong mit verfasst, auf dem zudem Nick Minaij als Gastsängerin zu hören ist.

Hier geht's direkt zu Aliia Keys' neuem Album.

Gleich drei Lieder, die durchweg zu den besten auf dieser Platte gehören, sind gemeinsam mit der Engländerin Emeli Sandé entstanden, auch Jamaika hat seine Spuren hinterlassen, etwa im kraftvollen New Day oder in Limitedless, in dem ein Dancehall-Fundament und eine verlorene Gitarre aufeinander treffen. Ein Höhepunkt ist Tears Always Win, an dem Bruno Mars mitgewirkt hat: So klingen moderne Klassiker.

All das beweist die Wandlungsfähigkeit von Alicia Keys und unterstreicht vor allem: Jetzt, wo sie «on fire» ist, will sie sich mit dem Gewöhnlichen nicht mehr zufrieden geben. Vieles auf dieser Platte strapaziert ganz bewusst die Hörgewohnheiten ihrer Fans, will unbedingt den nächsten Schritt machen, wie sie auch selbst betont: «Erfahrung und Zeit machen dich ruhiger. Doch ich bin heute hungriger denn je. In mir braut sich ein Sturm zusammen, den ich so noch nie verspürt habe. Und er ist explosiv.»

Hier können Sie das Album Girl On Fire bestellen.

Künstler: Alicia Keys
Album: Girl On Fire
Plattenfirma: Sony Music
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Wenn Schweden und Deutschland aufeinander treffen, muss nicht immer etwas Spektakuläres dabei herauskommen wie unlängst beim 4:4 in der WM-Qualifikation. Trotzdem kann das Ergebnis beeindruckend sein. Das beweisen 1000 Gram mit ihrem Debütalbum Ken Sent Me.

Die Platte wurde in Berlin eingespielt, der Heimatstadt von Frontmann Moritz Lieberkühn. Der lebt allerdings schon eine ganze Weile in Göteborg, und dort lernte er drei Musiker kennen, die nun zu 1000 Gram gehören: Alexander Simm (Gitarre), Jacob Öhrvall (Bass) und Joel Wästberg (Schlagzeug). Ihr Debüt ist eine quasi prototypische Indierockplatte, die nicht mit einem hippen Image oder einer allzu aufregenden Entstehungsgeschichte glänzen kann, sondern nur davon lebt, dass sie gut ist. Irgendwo zwischen Two Door Cinema Club und Mumm-Ra, Bombay Bicycle Club und Phoenix hat das Quartett ein Album hingelegt, das niemanden umhauen wird, aber das womöglich viele Menschen trotzdem ins Herz schließen werden.

Denn in Kent Sent Me steckt ganz viel Zurückhaltung, die nie zur Langeweile wird. Ganz viel Eingängigkeit, die nie zur Anbiederung wird. Ganz viel Wehmut, der nie zu Larmoyanz wird. Und ganz viel Souveränität, die nie zur Selbstgefälligkeit wird.

Ken Sent Me können Sie hier bestellen.

Künstler: 1000 Gram
Album: Ken Sent Me
Plattenfirma: Fixe Records
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Pop Levi ist, böse formuliert, eine Nervensäge. Der Mann hat viel zu viele Ideen in viel zu kurzer Zeit, und manchmal sind die nicht von dieser Welt. Sein fünftes Album hat der Engländer angeblich nicht selbst geschrieben. Vielmehr wurden die Lieder auf Medicine, wie er meint, von einer anderen Version seiner Selbst erdacht, in einer anderen Dimension. Er hat sie dann lediglich aufgefangen und versucht, so originalgetreu wie möglich zu reproduzieren.

So schräg wie dieser Entstehungsmythos ist auch die Musik. Das Fundament besteht aus Glamrock, dazu können aber schon einmal Blues, ELO-Synthesizer oder eine klassische Ballade mit Orgelsounds kommen.

Es ist durchaus spannend, wie viele Ideen Pop Levi hier in jeden einzelnen Song steckt, mit wie viel Fantasie er die einzelnen Facetten seines Sounds erkundet oder wie hemmungslos er auch manchmal zusammenführt, was eigentlich nicht zusammengehört (Strawberry Shake klingt beispielsweise, so eingängig und irre, als hätten sich Aqua und Marilyn Manson zusammengetan). Trotzdem kann man sich auf Dauer nicht des Eindrucks erwehren: Wohl niemand wird an dieser Musik auch nur annähernd so viel Spaß haben wie Pop Levi selbst.

Hier geht's zum Album vom Pop Levi.

Künstler: Pop Levi
Album: Medicine
Plattenfirma: Counter Records
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

ham/news.de

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