Durchgehört 50 Klassiker zum 50. der Stones

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Von news.de-Mitarbeiter Michael Kraft
Braucht die Welt noch ein Best-Of-Album der Rolling Stones? Das 50. Jubiläum der Band ist jedenfalls ein würdiger Anlass und Grrr bietet drei CDs voll mit legendären Songs. Auch die Veteranen von Aerosmith senden ein Lebenszeichen.

Es kommt ein bisschen drauf an, wie man zählt, aber mit Grrr erreichen die Rolling Stones eine erstaunliche Marke: Sie haben jetzt ziemlich genau doppelt so viele Best Of-Alben veröffentlicht wie die Beatles während ihres Bestehens überhaupt Studioalben zustande gebracht haben. Man kann sich natürlich fragen, wer nach Jump Back, Forty Licks, Hot Rocks oder Story Of The Stones noch eine Compilation braucht. Aber für Grrr haben Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ronnie Wood immerhin einen sehr überzeugenden Anlass: 50 Jahre Rolling Stones.

50 Songs auf drei CDs gibt es zum Geburtstag und natürlich wird Grrr zum Beweis für die Klasse und Einzigartigkeit dieser Band. Die Auswahl zeichnet nach, wie die Engländer von Epigonen zu Ikonen wurden. Am Beginn ihrer Karriere eiferten sie reichlich ihren US-Helden nach und versuchten sich gerne an Chuck-Berry-Covers wie der Debütsingle Come On, später produzierten sie massenweise Songs, die Hymnen und Klassiker geworden sind, auch ohne jemals ein Singlehit gewesen zu sein wie Sympathy For The Devil, Play With Fire, Wild Horses oder You Can't Always Get What You Want. Dazu kommen hier natürlich alle großen Hits wie Satisfaction, Jumping Jack Flash, Ruby Tuesday oder Start Me Up.

Zudem gibt es zwei neue Lieder, eingespielt in Paris, wo die Band erstmals seit den Aufnahmen für A Bigger Bang vor sieben Jahren wieder im Studio vereint war: Doom And Gloom ist ein erdiger und kraftvoller Rocker, dem man in keinem Moment anhört, dass hier knapp 70-Jährige am Werk sind. Das eher gebremste One More Shot ist fast noch erstaunlicher, denn da klingen die Rolling Stones plötzlich, als wären sie tief in ihrem Herzen lieber wieder eine Kneipenband als eine Rockinstitution, Stadionattraktion und die vierköpfige Verkörperung eines «Triumphzugs von Macht, Kraft, Perversion, Liebe, Sex, Drogen und Rock'N'Roll», wie US-Journalist Edi Schwager die Band 1972 beschrieben hat.

Grrr hat noch zwei erstaunliche Effekte: Wenn man bedenkt, wie schnell die Rolling Stones das Image als Rabauken verpasst bekamen und wie dankbar sie es von Anfang an pflegten, dann klingen einige der frühen Songs heute erstaunlich brav. Und letztlich zeigen diese drei CDs auch, worin die größte Leistung der Rolling Stones besteht, neben einem ganzen Sack voller fantastischer Songs: Sie sind der ultimative Beweis für die (nicht nur biologische) Überlebensfähigkeit des Rock'N'Roll. Sie haben es schon 1964 gewusst: Time Is On My Side.

Hier gibt's das Best of der Stones.

Künstler: The Rolling Stones
Album: Grrr
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Aerosmith haben noch nicht ganz so viele Dienstjahre auf dem Buckel wie die Rolling Stones, aber immerhin auch schon 43. Seit 1984 spielt die Band aus Boston zudem in unveränderter Besetzung. Nach elf Jahren Pause (und einem saftigen Krach zwischen den beiden Band-Bossen Steven Tyler und Joe Perry) kehren sie nun mit Music From Another Dimension zurück.

Das Album bietet sage und schreibe 25 Gastmusiker auf, von Julian Lennon über den langjährigen Songwriting-Partner Desmond Child bis hin zu einem gewissen Johnny Depp, der bei Freedom Fighter im Hintergrund mitsingt. Trotzdem ist die Platte durch und durch Aerosmith. Die Band zieht ihr Ding durch, findet ein paar neue Entsprechungen für ihren Markenzeichen-Sound und wird vor allem alte Fans damit beglücken.

Out Go The Lights ist beinahe putzig in seinem prototypischen Sound, der mit funky Kuhglocke, einem heavy Riff und einem angeberischen Schlagzeug genauso gut auf Permanent Vacation (1984) wie auf Nine Lives (1997) gepasst hätte. Das ist so sehr die Essenz von Rock'N'Roll wie meinetwegen Primal Scream oder Guns'N'Roses. Ein paar Mal wagt sich das Quintett aber erfreulicherweise auch in Bereiche außerhalb der üblichen Schablonen. Dazu gibt es die Balladen, für die man Aerosmith nun einmal auch schätzt (Highlight: Can't Stop Loving You als Duett mit Carrie Underwood), und mit Freedom Fighter und Something auch wieder die zwei üblichen (und überflüssigen) Lieder, die von Joe Perry gesungen werden.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist Music From Another Dimension immer mindestens solide. Und oft genug darf man sich noch wundern über die Kraft, mit der Aerosmith ihren unverkennbaren Sound nach wie vor auf Platte pressen.

Der Weg zum Aerosmith-Album.

Künstler: Aerosmith
Album: Music From Another Dimension
Plattenfirma: Columbia
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Ängstlich war ihr Debüt, poppig der Nachfolger. Auf ihrem dritten Album klingt Martha Wainwright nun: sexy. Das liegt nicht nur daran, dass die 36-jährige Kanadierin nackt auf dem Plattencover kauert. Sondern eher an einem Sound, der eine sehr souveräne Körperlichkeit ausstrahlt und Martha Wainwright mal reflektierend, mal wütend, mal ausgelassen zeigt.

Come Home To Mama klingt sehr geschlossen, organisch und doch spannungsgeladen. Viele Lieder scheinen ein Geheimnis in sich zu tragen, die stilsichere Instrumentierung sorgt dafür, dass das Album abwechslungsreich und vielschichtig bleibt. Mit der Single Proserpina vertont Martha Wainwright ein Lied aus der Feder ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter Kate McGarrigle. Klavier, Streicher und ein himmlischer Chor verleihen dem Lied viel Intimität. Zu den Höhepunkten zählen auch der famos elegante Rausschmeißer Everything Wrong und das heitere Can You Believe It mit Holzbläsern, Verspieltheit, einem tollen Refrain und dem Bekenntnis: «I really like wake-up sex.»

Direkt zum Album der Kanadierin.

Künstler: Martha Wainwright
Album: Come Home To Mama
Plattenfirma: Cooperative Music
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

DJs aus Leidenschaft - diese Umschreibung trifft auf Raphael Krickow und Gordon Hollenga aus Hamburg auf jeden Fall zu. Als Disco Boys sind sie seit 1995 in Sachen Tanzflächenekstase unterwegs. Aktuelle House-Klänge vermischen die beiden DJs gerne mit Disco-Klassikern, und auf den Titel als «Party-Garanten» – egal ob auf Ibiza, bei Mayday, Loveparade und Nature One oder als Remixer für die Bee Gees oder Scooter – sind sie definitiv stolz.

Mit ihren Compilations räumen sie seit Jahren ab, auch mit der neusten Auflage wird das nicht anders sein. Auch Volume 13 ist bestens dazu geeignet, DJs reihenweise arbeitslos zu machen. Denn wenn man einfach diese drei CDs hintereinander abspielt, ist ein toller Club-Abend im Prinzip schon garantiert. Volume 13 liefert die Rundumversorgung für Feierhungrige, samt liebevoller Kommentare des Duos zu jedem einzelnen der mehr als 60 Tracks.

Dreimal sind die Disco Boys mit eigenen Beiträgen vertreten, dazu kommen ein paar große Namen wie Gary Numan, Deichkind oder Digitalism. Und mit dem Magician Remix von Lykke Lis I Follow Rivers haben die Disco Boys sogar noch einen Monsterhit dazugepackt. Zu den Höhepunkten zählen das aggressive Sparks von Fedde Le Grand & Nicky Romero, das sehr stilvolle Tessio von Fanatico und natürlich das unkaputtbare This Time Baby von Jackie Moore, das bereits 33 Jahre auf dem Buckel hat. Fürs Wohnzimmer ist das bei einer Spielzeit von fast vier Stunden auf Dauer zwar zu eindimensional. Aber für die Tanzfläche ist es perfektes Futter.

Künstler: The Disco Boys
Album: Volume 13 (3 CDs)
Plattenfirma: WePlay Music
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

sca/news.de

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