Durchgehört Christina Aguilera blüht auf

Musiktipp
«Your Body» von Christina Aguilera

Christina Aguilera -- Your Body - MyVideo
Video: MyVideo

Von den news.de-Mitarbeitern Michael Kraft und Sven Wiebeck
Christina Aguilera nackt! Mando Diao nackt! Die Stars zeigen sich auf ihren aktuellen Plattencovern freizügig und mit ihrer Musik gut in Form. Letzteres gilt auch für Soundgarden und Ben Harper.

Splitternackt ist Christina Aguilera auf dem Cover von Lotus zu sehen. Das kann zwei Botschaften vermitteln: Entweder ist sie von der Übermacht all der Rihannas, Lady Gagas oder Beyoncés so eingeschüchtert, dass sie zum letzten Mittel greift, um noch einmal selbst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken. Oder sie will deutlich machen: Ich brauche keinen Pomp mehr, nicht einmal Klamotten. Ich setze ganz auf mich selbst.

Auf ihrem fünften Album trifft beides ein bisschen zu. «Ich habe in den letzten Jahren persönlich einiges durchgemacht und dieses Album zeigt nun meine Wiedergeburt. Sie handelt von der Rückkehr zu meinen Wurzeln – wer ich bin und was ich gerne mache», sagt Aguilera, und von Beginn an thematisiert sie immer wieder das Erwachsenwerden, Sich-selbst-Finden, auch das Aufblühen. Army Of Me ist ein gutes Beispiel dafür, in dem sie die Disco-Queen gibt, die sich gar nicht allzu sehr ins Zeug legen muss, um alle Blicke auf sich zu ziehen, sondern von ihrer eigenen Souveränität zehren kann.

Hier geht's direkt zu Christina Aguileras neuem Album.

Doch auch die aktuelle Pop-Konkurrenz ist im Hintergrund ständig präsent. Die Single Your Body könnte als Versuch interpretiert werden, rihannaiger zu sein als Rihanna. Around The World würde gut ins Repertoire von Beyoncé passen, am Ende von Sing For Me gibt es ein bisschen Lana-Del-Rey-Flair und Cease Fire ist offensichtlich stark von M.I.A. inspiriert.

Schlimm ist das nicht, denn Lotus bietet in Summe sehr viele gute Songs, und stimmlich stellt Aguilera, mittlerweile übrigens auch Coach in der amerikanischen Ausgaben von The Voice, ohnehin fast alle Konkurrentinnen weiterhin mühelos in den Schatten. Manchmal übertreibt sie es zwar auch auf Lotus mit der Gesangsakrobatik. Aber ihre Stimme ist nach wie vor das, wonach sich viele Möchtegern-Popdiven sehen: ein Alleinstellungsmerkmal.

Künstler: Christina Aguilera
Album: Lotus
Plattenfirma: Sony Music
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Auch Mando Diao verzichten auf dem Cover ihres aktuellen Albums auf Kleidung. Bei ihnen hat das aber einen anderen Grund: Ihr Nudismus soll Ursprünglichkeit und Natürlichkeit illustrieren. Denn Infruset ist eine ganz besondere Platte. Mando Diao vertonen darauf Texte des schwedischen Dichterhelden Gustaf Fröding (1860 – 1911) und singen demzufolge in ihrer Muttersprache. «Mando Diao auf Schwedisch ist etwas, das wir schon eine ganze Weile tun wollten. Es war uns immer eine Herzensangelegenheit», sagt Frontmann Björn Dixgard.

Das Ergebnis ist ebenso ungewöhnlich wie beeindruckend. Wunderbar gelingt es Mando Diao, die Zwiespältigkeit im Werk des Poeten einzufangen. Fröding liebte die Natur des Nordens und setzte ihr mit vielen seiner Gedichte ein Denkmal. Doch er schrieb auch sozialkritische Texte und Todeslyrik. Infruset ist weit weg von der Rockmusik, für die das Quartett sonst steht, und noch weiter weg von der Discotauglichkeit von Hits wie Dance With Somebody. Keine einzige E-Gitarre ist auf diesem Album zu hören, und naturgemäß gibt es in den vertonten Gedichten von Gustaf Fröding auch keine Refrains. Dafür eine magische, sehr intensive Stimmung.

Hier können Sie das Mando-Diao-Album Infruset bestellen.

Künstler: Mando Diao
Album: Infruset
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Been Away Too Long? Stimmt. Wenn Soundgarden vorhaben, weiterhin so zu klingen, wie sie es auf King Animal tun, waren sie in der Tat zu lange weg. Die Skepsis vor der angekündigten Wiedervereinigung war nicht gerade klein. Mitunter ist diese ja auch gerechtfertigt, wenn einstige Wegbereiter nach langjähriger Pause wieder gemeinsam musizieren wollen; ganze Musikweltbilder wurden so bereits generationenübergreifend zerstört. Die vier Rockveteranen aus Seattle machen auf ihrem ersten Album seit 16 Jahren aber (fast) alles richtig. Abrissbirne klingt definitiv anders.

Chris Cornell, Matt Cameron, Kim Thayil und Ben Sheperd knüppeln vom ersten Takt an los, als hätte es kein Gestern gegeben; und offenbaren einmal mehr ihre unglaubliche kompositorische Bandbreite. Sie explodieren, preschen roh und geradlinig nach vorn. Dann geben sie sich verschwurbelten Off-Beats hin. In ihre psychedelisch-verspielten Arrangements, in die schneidenden Gitarrenriffs flechten sie orientalische Themen ein. Während sich Cornell gewohnt markant durch die 13, gemeinsam mit Adam Kasper produzierten Songs schreit. Zwei, drei davon sind vielleicht eine Spur zu, na ja, poppig geraten. Ansonsten dominieren aber die guten alten und immer noch knackigen Alternativklänge, versetzt mit etwas Stoner Rock, gleichermaßen kraftvoll wie düster.

Soundgarden machen damit weiter, womit sie vor 15 Jahren aufgehört hatten; also das, was sie am besten können. Und da eh niemand avantgardistischen Poprock mit stumpf stampfendem Disco-Beat von ihnen hören will - nur weil es vielleicht anders, neu und irgendwie zeitgemäßer oder irgendwas sein könnte - gibt's auch so gut wie nichts zu mäkeln.

Hier geht es direkt zum neuen Album von Soundgarden.

Künstler: Soundgarden
Album: King Animal
Plattenfirma: Warner
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Eine Platte von Ben Harper, auf der es nur Balladen gibt? Das klingt erst einmal nach einer wenig verheißungsvollen Idee, schließlich zählt es zu den größten Stärken des 43-Jährigen, dass er sich in Rock und Soul ebenso zuhause fühlt wie in Pop oder Folk - und diese verschiedenen Vorlieben auch fleißig auslebt. By My Side ist trotzdem ein sehr überzeugendes Album. Die Platte versammelt die besten Balladen aus der 20-jährigen Karriere des zweifachen Grammy-Gewinners, ergänzt um ein neues Lied.

Bei genauerer Betrachtung zeigt nämlich auch By My Side, wie mühelos Harper den verschiedensten Genres seinen Stempel aufdrücken kann. Er hat die Nonchalance von Bob Dylan drauf wie in Diamonds On The Inside, er nimmt manchmal Michael Kiwanuka vorweg (In The Colors) oder ist funky wie im Titelsong. Dazu gibt es immer wieder famos romantische Texte. Not Fire Not Ice beispielsweise ist eine hoch poetische Liebeserklärung ohne das geringste Interesse an einer Hintertür. Harper singt so echt über die Liebe, dass man nur wünschen kann, selbst irgendwann auch mal so etwas empfinden zu dürfen – oder womöglich gar jemanden zu treffen, der so für einen selbst fühlt.

Hier können Sie By My Side direkt bestellen.

Künstler: Ben Harper
Album: By My Side
Plattenfirma: Virgin
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

jag/news.de

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