Mercury Prize Ein tolles Jahr für die Maccabees

Mit Album Nummer 3 räumen die Maccabees groß ab: Die Kritiker sind begeistert, die Festivals waren ein Riesenspaß, die Tournee mit Florence & The Machine ebenfalls. Nächste Woche könnte es für die Londoner sogar den Mercury Prize geben.

VIDEO: «Pelican» von The Maccabees

The Maccabees - Pelican from David Wilson on Vimeo.

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Er kann Fluch sein und Segen: Der Mercury Prize für das beste Album des Jahres ist die vielleicht prestigeträchtigste Auszeichnung in der britischen Musikszene. Platten, die Geschichte gemacht haben, wurden damit geehrt: Screamadelica von Primal Scream (1992), Dummy von Portishead (1995), Different Class von Pulp (1996), das Debüt von Franz Ferdinand (2004) und das der Arctic Monkeys (2006). Unter den Preisträgern sind aber auch damals hoch gehandelte Namen, die heute kaum mehr jemand kennt: M-People, Gomez, Talvin Singh.

Manch einer ist zerbrochen unter dem Druck, den der Mercury Prize mit sich bringt, andere hat die Trophäe erst so richtig ins Auge der Öffentlichkeit gerückt und damit für einen Popularitätsschub gesorgt. In der kommenden Woche werden die Preisträger bekannt gegeben. Im Rennen sind auch The Maccabees. «Sehr stolz», ist die Band, die am Mittwoch gemeinsam mit zwei anderen Nominierten noch einmal ein Konzert in ihrer Heimatstadt London gespielt hat. Die Quoten bei den Buchmachern (12:1 gibt es bei einem Sieg der Maccabees) sehen nicht allzu gut aus für das 2004 gegründete Quintett. Doch egal, wie die Entscheidung ausfällt: 2012 war schon jetzt ein sagenhaftes Jahr für die Band, wie Gitarrist Hugo White im Interview mit news.de erzählt.

«Der ganze Sommer war großartig, die ganzen großen Festivals. Viel besser, als wir uns das hätten erträumen können», schwärmt er. Beim Benicassim in Spanien durfte die Band direkt nach Bob Dylan auftreten. «Wir standen am Rand der Bühne und konnten von dort aus erleben, wie er Like A Rolling Stone gespielt hat. Das war großartig.»

Mit Florence & The Machine die USA entdecken

Danach bestritten die Maccabees das Vorprogramm für Florence & The Machine auf deren US-Tour. «Wir kennen Florence schon ziemlich lange. Wir haben früher gegenseitig unsere Shows besucht und so. Und jetzt ist sie auf einmal ein Superstar und spielt weltweit in Stadien - das ist schon verrückt», sagt Hugo White. Neidisch ist er nach eigenen Angaben aber nicht auf diesen Karrieresprung. «Wenn Freunde von uns plötzlich richtig erfolgreich werden, dann freuen wir uns für sie. Die machen ihr Ding und wir machen unseres», sagt er. «Wir haben uns als Band immer unsere eigene Schneise geschlagen. Wir haben uns schrittweise entwickelt, und das passt gut zu uns und wir sind dankbar dafür», betont er. Ein kometenhafter Aufstieg könne schließlich auch gefährlich sein: «Mir fallen eine Menge Bands ein, die mit uns angefangen haben, dann zwischenzeitlich erfolgreicher als wir waren, aber jetzt gar nicht mehr existieren.»

Die Maccabees haben es immerhin schon zum dritten Album geschafft. «Der hoch poetische und mit Gefühlen aufgeladene Sound der Maccabees hat auf Given To The Wild seine treffendste Form gefunden», urteilt die aus Kritikern, Musikern und Plattenfirmenvertretern bestehende Jury des Mercury-Prize über die Platte, die Platz vier in den englischen Charts und vor wenigen Tagen Gold-Status erreicht hat. White ist besonders stolz auf das Werk, weil die Entstehung zugleich ein stimulierender Konkurrenzkampf und «ein echter Gemeinschaftsprozess» gewesen sei: Die Musiker haben Instrumente getauscht, jeder hat kleine Bausteine komponiert, dann haben sich alle gegenseitig ihre Ideen vorgestellt und diskutiert. «Wir haben erst einmal ganz viel komponiert, ohne überhaupt an Gesang zu denken. Es war fast, als würden wir eher einen Soundtrack machen als einzelne Songs. Die Musik sollte auch ohne Gesang stark, kraftvoll und interessant genug sein», sagt der Gitarrist.

Insgesamt zwei Jahre lang haben The Maccabees an Given To The Wild gearbeitet, und in dieser Zeit tatsächlich nur genau die zwölf Songs fertiggestellt, die auch auf dem Album gelandet sind. «Es gibt Bands, die in zwei Jahren 50 Lieder schreiben», räumt White ein, «aber bei uns schlüpft nichts durch das Netz, von dem wir nicht total überzeugt sind».

Komponieren als demokratischer Prozess

Momentan arbeitet die Band am nächsten Album, wieder wird zunächst jedes der fünf Mitglieder auf eigene Faust komponieren. «Jeder hat eine andere Vorstellung, und am Schluss kommt eine Kombination von all dem heraus. Niemand von uns bekommt am Ende das Album, das er am Anfang haben wollte. Aber jeder kann eben hoffen, dass er dafür ein noch besseres Album bekommt», umschreibt White den Prozess. Ende November steht wieder eine große Tournee an, diesmal gemeinsam mit den Black Keys.

Vielleicht haben die Maccabees dann ja den Mercury Prize im Gepäck. Ein gutes Omen gibt es schon: Vor zwei Jahren gewannen The XX die Trophäe und bekamen dadurch mächtig Karriere-Rückenwind. Die haben vor ihrer Musikerlaufbahn die Elliott School im Londoner Stadtteil Putney besucht. Und genau dort haben sich auch die Maccabees kennen gelernt.

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boi/news.de

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