«Anno Online» Mach' dir die Welt, wie sie dir gefällt

Brot, Fisch, Holz und ein paar Leinenhemden - damit lässt sich eine gewaltige Metropole glücklich machen. Zumindest in der Spieleserie Anno. Seit einigen Monaten ist die Simulationswelt online vertreten. Über Kostenlosstrategie und Spielinhalte spricht news.de mit Entwicklerstudio Blue Byte.

«Anno Online»: Robinson Crusoes neue Imperien

Die Anno-Reihe ist eine der erfolgreichsten Spielesimulationen. Unter den Zwängen eines komplexen Wirtschaftssystems eine eigene Stadt zu gründen, diese wachsen und die Bewohner gesellschaftlich aufsteigen lassen zu können, fasziniert Fans bis heute - und findet immer neue Anhänger. Zuletzt hatte die Anno-Serie den Sprung in die Zukunft gewagt - und mit Anno 2070 eine durchaus realistisches Bild der Zukunft gezeichnet.

Nun ist Anno zu seinen Wurzeln zurückgekehrt - zumindest beim Szenario. Anno Online ist die siebte Version der Serie und das Browserspiel setzt ganz auf eine mittelalterliche Welt, so wie es bei den ersten PC-Versionen der Anno-Reihe der Fall war. Der Spieler besiedelt zunächst eine, später weitere Inseln, um eine Gesellschaft aufzubauen und deren Bedürfnisse mithilfe eines komplexen Wirtschaftssystem zu befriedigen. Ressourcen werden gefördert, Gebäude gebaut und auch wieder abgerissen, wenn der Goldverdienst die Betriebskosten nicht mehr deckt. Hier lernt der Spieler - fast unbewusst - die Grundzüge soliden Wirtschaftens kennen.

Noch steckt das Browserspiel, das als sogenanntes Free-to-Play-Game weitestgehend kostenfrei verfügbar ist, allerdings in der Closed-Beta-PhaseIn dieser Testphase der Spielentwicklung hat nur eine begrenzte Zahl der Spieler Zugang zum Spiel. Um zum Test zugelassen zu werden, bedarf es eines sogenannten Beta-Keys. Nach der Closed Beta folgt die Open Beta, in der jeder Interessierte sich zum Spiel anmelden kann. . Immer wieder werden neue Spielelemente integriert, freilich nicht ohne Probleme, die Spieler, aber auch Entwickler manchmal den letzten Nerv kosten. Doch es geht vorwärts. Zuletzt hat das Entwicklerstudie Blue Byte, das für Anno Online verantwortlich zeichnet, ein Handelssystem integriert. Ein wichtiger Schritt zur freien Verfügbarkeit des Spiels. Wo es mit dem Spiel hingeht, hat Stephan Böhne von Blue Byte bei news.de verraten.

Christopher Schmitz, Executive Producer bei Blue Byte, hat als Ziel für Anno Online die Welt der Massive-Multiplayer-Onlinespiele (MMO) ins Visier genommen. Was ist für Anno-Online-MMO wichtig?

Stephan Böhne: Bei MMOs spielt man immer mit anderen Spielern gemeinsam, kann gemeinsam Abenteuer erleben. Und bei Anno Online haben wir diesen Aspekt explizit eingebaut. Der Spieler ist in der Lage, andere Inseln zu besuchen - zum Beispiel um zu schauen, wie weit die eigenen Freunde gerade im Spiel sind, welchen Status sie erreicht haben. Etwa beim Bau der Kathedrale, hier kann man als Spieler ganz gut sehen, wie weit die anderen schon sind oder was sie beim Bau anders gemacht haben. Uns liegt am Herzen, das es viele Spieler gibt, die sich auf den Servern tummeln und mit denen man zum Beispiel handeln kann. Oder aber gegen sie zu spielen. Aber da verraten wir noch nicht zu viel.

Für ein echtes Miteinander, ist der Blick auf die Fortschritte der anderen aber noch nicht ausreichend - und ein Gegeneinander auch nicht zwangsläufig.

Böhne: Natürlich werden auch soziale Dienste integriert. Etwa die Freundesliste und der globale Chat. Die Spieler werden im öffentlichen Handelssystem Waren miteinander tauschen können und ganze Questreihen erledigen.

Mit Anno Online rückt das traditionelle Spielen der Anno-Serie wieder stärker in den Mittelpunkt - und damit auch die Komplexität des Spiels. Ist Anno Online also nur etwas für eingefleischte Anno-Spieler?

Böhne: Nein, auf keinen Fall. Das Spiel verfügt über ein großes Tutorial und führt den Spieler nach und nach in die verschiedenen Spielaspekte ein. Er wird also genau erklärt, dass am Anfang zunächst ein Holzfäller errichtet werden muss, weil das Holz nötig ist, um weitere Gebäude aufbauen zu können. Dann baut man sein erstes Bewohnerhaus und wird aufgefordert, auf dieses zu klicken, um zu sehen, welche Bedürfnisse die Bewohner haben. Das wird so weit gehen, dass der Spieler auf der ersten Insel startet und im Laufe des Tutorials auch eine zweite Insel einnehmen wird. Diese beiden Inseln sind zunächst bei allen Spielern identisch, auch bei der Anzahl der Rohstoffe, die dort zu finden sind. Danach lassen wir den Spieler sich selbst entfalten. Die anderen Inseln, die entdeckt werden, sind komplett zufällig. Deshalb unterscheiden sich die Inseln der Spieler letztlich auch komplett.

Die Spielegrafik bei Anno Online ist deutlich besser als bei anderen Browserspielen. Eine gute Grafik geht aber auch im Browser oft zu Lasten der Ladezeiten, wie kompensiert ihr das?

Böhne: Der Wechsel zwischen den Inseln erfolgt ziemlich schnell. Was die Systemanforderungen des Spiels angeht, so dient die Closed Beta als wichtiger Testlauf. Hier zeigt sich, mit welcher Technik der Spieler das Abenteuer flüssig erleben kann. Für uns ist aber ganz wichtig, dass das Spiel definitiv auf älteren Rechnern spielbar sein wird...

Was heißt «auf älteren Rechnern»?

Böhne: Ich würde spontan sagen, auf Rechnern, die vor fünf, sechs Jahren aktuell waren. Man wird also definitiv keinen so starken Rechner benötigen, wie er nötig wäre für Anno 2070.

Das heißt, ein Laptop kommt da auf jeden Fall mit...

Böhne: Ja, auf jeden Fall. Ganz wichtig ist aber die Online-Verbindung. Und der Spieler benötigt auf seinem Rechner den jeweils aktuellsten Flash-Player. Aber wer YouTubeYouTube ist ein Videoportal im Internet, auf dem die Benutzer kostenlos Videoclips ansehen und hochladen können. schaut, sollte mit seinem Rechner technisch auch in der Lage sein, Anno Online zu spielen.

Worauf sind die Entwickler bei Anno Online besonders stolz?

Böhne: Wir sind sehr stolz darauf, dass wir es geschafft haben, diese riesigen Inseln in den Browser zu transportieren. Es ist kein Witz, dass wir sagen, ‹Das sind die monumentalsten Städte die man bisher im Browser bauen kann›. Und auch auf die Detailverliebtheit sind wir stolz. Dieses Gewusel in einer Stadt macht viel aus. Ich habe die Stadt einmal gesehen, da waren die Bewohner noch nicht implementiert. Dann herrscht gähnende Langeweile. Es macht ganz viel aus, den Bewohnern zuzuschauen.

«Anno Online»: Imperium für Sofa-Diktatoren
Video: YouTube/Ubisoft

Was wird Anno-Fans überraschen?

Böhne: Ich glaube, sie wird zunächst überraschen, wenn sie noch kein Browser-Spieler ausprobiert haben, dass das Gameplay, das sie schätzen und lieben, im Browser möglich ist. Und dass es hin und wieder zwischendurch gespielt werden kann. Dann investiert man ein paar Minuten in der Mittagspause, und abends, wenn man nach Hause kommt, kann man nochmal reinschauen, baut die nächsten Gebäude, die man gerne bauen möchte und hat dann noch Zeit, zu den großen Spielen zu greifen und dort mehrere Stunden zu spielen.

Anno Online wird also nicht das Ende der Box-VersionenVideospiele, die per CD/DVD vertrieben werden. von Anno sein?

Böhne: Nein. Das Spiel ist vielmehr als Alternative für zwischendurch gedacht.

Anno Online setzt auf die Free-to-play-Strategie. Wie groß ist der Anteil dessen, was man sich mit harten Euros an Fortschritt zukaufen kann?

Böhne: Das können wir noch nicht beantworten, denn in der Closed Beta gibt es erst einmal keine Monetarisierung. Das wird wohl erst in der letzten Phase der Closed Beta oder sogar erst in der Open Beta hinzu kommen. Einfach, weil wir dann schon genauer wissen, wofür die Spieler bereit sind etwas auszugeben. Wir werden die Closed-Beta-Spieler schon an die In-Game-Währung heranführen und schauen, was kommt gut an und was nicht. Aber davon wird abhängig sein, was der Spieler letzten Endes zukaufen kann und was nicht.

Wo wird das Zukaufen preislich liegen?

Böhne: Ich glaube, man wird Anno Online da am ehesten mit Die Siedler Online vergleichen können. Ich glaube, wir haben da ein relativ faires Modell ins Spiel eingebaut.

Hierzulande sehen es die Spieler immer ein wenig kritisch, wenn ein Spieler, um Fortschritte zu erzielen, für Elemente mit Boost-Effekt zahlen kann. Wie verhindert Blue Byte, dass sich die Spieler in Anno Online den Sieg einfach kaufen?

Böhne: Wir wollen definitiv keine Pay-to-win-Situationen. Es wird also nicht möglich sein, 5 Euro zu bezahlen und sich damit eine fertige Kathedrale ins Spiel zu holen. Wenn allerdings ein Rohstoff explizit fehlt, dann wird der Spieler diesen erwerben können - oder Zierelemente als Premiumobjekte.

Beim Schwesterspiel Siedler Online gibt es zur großen Freude der Spieler saisonale Events - zur Fußball-Europameisterschaft, zu Halloween und zu Weihnachten. Wird es das auch in Anno Online geben?

Böhne: Events kennt man eigentlich aus ganz vielen Browserspielen. Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es das in Anno Online geben wird. Vielleicht sogar parallel zu offline laufenden Events wie Weihnachten. Aber erst einmal geht es darum, das Spiel in die Open-Beta-Phase zu bringen.

Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft: Bei den Anno-PC-Versionen hat Blue Byte den Sprung in die Zukunft schon gewagt. Wird sich Anno Online vielleicht ebenfalls dorthin entwickeln?

Böhne: Erst einmal werden wir im Mittelalter bleiben. Es werden neue Features hinzu kommen und es wird definitiv auch Spielerweiterungen geben. Aber ob Anno Online auch mal in die Zukunft reisen wird, das steht noch in den Sternen.

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loc/news.de

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