Durchgehört Heimweh trifft auf Optimismus

Musiktipp
«Sun» von Two Door Cinema Club

Two Door Cinema Club - Sun from Cooperative Music Germany on Vimeo.

Video: Vimeo

Von news.de-Mitarbeiter Michael Kraft
Two Door Cinema Club liefern auch mit ihrem zweiten Album Beacon ein Gute-Laune-Paket ab, ohne zu platt zu werden. Deadmau5 zeigt, dass ein Rocker in ihm schlummert und die Belgier von Absynthe Minded klingen jetzt wie Mando Diao.

Es muss gesagt werden: Two Door Cinema Club ist ein ziemlich beknackter Bandname. In seinen Anfangstagen hieß das Trio noch Life Without Rory, was noch schlimmer ist. Das Debüt der Band aus Nordirland hatte den etwas sperrigen Titel Tourist History. Und nun legen sie mit dem ebenfalls rätselhaften Beacon (Leuchtfeuer) nach.

Dieses Problem ist vor allem deshalb erstaunlich, weil es Two Door Cinema Club mit ihren Liedern noch immer spielend leicht gelungen ist, eingängig bis unwiderstehlich zu klingen. Tourist History ist mittlerweile zum Millionenseller avanciert, Hits wie I Can Talk oder What You Know zaubern jedem jungen Menschen mit etwas gutem Geschmack noch immer ein Lächeln ins Gesicht und ein Zucken in die Füße. Beacon macht genau da weiter. Die Platte verströmt reichlich gute Laune, ohne platt oder anbiedernd zu sein. Sie ist in vielen Momenten herrlich unschuldig, aber niemals naiv.

Hier geht's zum Album Beacon.

Handshake, das beste Lied der Platte, ist einer dieser Songs, den man sich nicht nur liebend gerne wünscht, wenn man gerade auf der Tanzfläche ist, sondern sogar umgekehrt: Sobald man dieses Lied hört, wünscht man sich eine Tanzfläche um sich herum. Auch die gerade erschienene Single Sun ist ein Volltreffer, das großartige Someday wird ein einziges Glücksversprechen.

Dem optimistischen Sound steht immer eine reizvolle Dosis Melancholie gegenüber, und dass Two Door Cinema Club nach dem Erfolg ihres Debüts und reichlich damit verbundenen Konzertreisen mächtig Heimweh haben, wird in den Texten von Beacon immer wieder deutlich. Aber Hoffnung auf Besserung in diesem Punkt sollten sie sich nicht machen: Beacon ist viel zu gut, um Two Door Cinema Club in absehbarer Zeit zu nicht mehr gefragten Stubenhockern zu machen.

Hier können Sie das neue Album vom Two Door Cinema Club kaufen.

Künstler: Two Door Cinema Club
Album: Beacon
Plattenfirma: Kitsuné
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Apropos blöde Bandnamen: Absynthe Minded haben es trotz eines vollkommen misslungenen Wortspiels zu einer der größten Rockbands Belgiens gebracht. Bisher klang die Band um Frontmann Bert Ostyn gerne wie niemand sonst, mischte Balkansounds mit Jazz und Postrock-Elementen. Nun, auf dem fünften Album As It Ever Was, kann man Absynthe Minded deutlich einfacher verorten: Sie klingen nun wie eine sehr inspirierte Version von Mando Diao. Mit anderen Worten: so gut wie noch nie.

Es gibt hier ganz viel Liebe zur Melodie und ein etwas seltsames Englisch, wie man das beispielsweise auch vom Kaizers Orchestra kennt. Absynthe Minded wagen durchaus noch Experimente wie die arabischen Samples in Little Rascal oder die gewagten Taktwechsel in End Of The Line. Aber egal, wie ungewöhnlich diese Lieder werden, sie bleiben immer überzeugend. As It Ever Was ist sehr gute Rockmusik, die vor allem deshalb so stark ist, weil sie gar keine Rockmusik sein will.

Hier gibt es As It Ever Was von Absynthe Minded.

Künstler: Absynthe Minded
Album: As It Ever Was
Plattenfirma: Universal
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

Deadmau5 (bürgerlich Joel Zimmermann) ist zwar kein Grenzgänger zwischen den Stilen, aber auch einer, der es versteht, über den Tellerrand des eigenen Genres zu schauen. Der Kanadier war der erste Act aus dem Reich der elektronischen Musik überhaupt, der das Cover des Rolling Stone zieren durfte. Er hat unlängst bei den Grammy Awards mit den Foo Fighters auf der Bühne gestanden. Und er hat nun, für seinen vierten Longplayer Album Title Goes Here auch noch Gerard Way zur Zusammenarbeit überreden können, den Frontmann von My Chemical Romance. Das Ergebnis ist die Single Professional Griefers, ein wunderbar aggressiver, wuchtiger Track.

Die insgesamt vier Stücke mit Gesang (Cypress Hill, Imogen Heap und Chris James steuern die weiteren Stimmen bei) sind auch darüber hinaus die besten Momente von Album Title Goes Here. Mit Vielfalt glänzen allerdings auch die Instrumental-Stücke. Beim Umbau seines Studios in seiner Heimatstadt Toronto hat Deadmau5 offensichtlich ein paar neue Sounds und viele neue Ideen gefunden. Ganz oft werden die Stücke um alte Synthie-Sounds herum aufgebaut, bleiben ebenso lebendig wie vielschichtig. Ein Problem hat die Platte trotzdem: Mit knapp 80 Minuten Spielzeit für 13 Tracks ist sie ein gutes Stück zu lang. Es gibt ein paar Momente, in denen man sich gewünscht hätte, Deadmau5 hätte seiner Kreativität ein bisschen weniger Freilauf und dafür ein bisschen mehr Konzentration gegönnt.

Hier können Sie Album Titel Goes Here von Deadmau5 kaufen.

Künstler: Deadmau5
Album: Album Title Goes Here
Plattenfirma: Parlophone
Erscheinungsdatum: bereits erschienen

ham/news.de

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