Speech Debelle «Ich bin der Boss»

Für ihr Debütalbum wurde Speech Debelle gefeiert. Ihr Lied Spinnin' war die Hymne zu den Olympischen Sommerspielen. Gerade hat die 29-Jährige ihre Deutschlandtour beendet. Uns verrät sie, wie sie die deutschen Fans findet - und ob sie ein guter Boss ist.

«Ich sehe noch aus wie 16», findet Speech Debelle. (Foto)
«Ich sehe noch aus wie 16», findet Speech Debelle. Bild: verstaerker.com

Du hast gerade deine letzte Show in Deutschland hinter dich gebracht. Wie ist es gelaufen?

Debelle: Es war toll, ich habe es wirklich genossen. Die Fans haben sich echt ins Zeug gelegt. Ich habe Spaß gehabt - und gut gegessen.

Für seine Küche ist Deutschland ja eigentlich nicht gerade berühmt.

Debelle: Es war hier aber immer sehr lecker. Wir versuchen, uns einigermaßen gesund zu ernähren. Vor allem, weil wir auf Tour viel Alkohol trinken - da können wir das wenigstens ein bisschen ausgleichen.

Das Lied Spinnin', das du geschrieben hast, war die offizielle Hymne von London 2012. Hättest du statt dieser Ehre lieber bei der Eröffnungsfeier auf der Bühne gestanden, vor Millionen von Zuschauern weltweit?

Debelle: So lange ich bezahlt werde, bin ich zufrieden. Mir hat es genügt, die Spiele im Fernsehen anzuschauen. Immerhin habe ich das Rennen mit der Staffel von Jamaica im Stadion gesehen.

Ich glaube, sie haben gewonnen?

Debelle: Sie gewinnen immer!

Spinnin' wurde in der Version von Tinchy Strider und Dionne Bromfield noch einmal ein Hit. Auch sonst wirkst du ganz gut vernetzt. Mit wem würdest du am liebsten einmal zusammenarbeiten?

Debelle: Es gibt da einen Produzenten namens Naughty Boy, der ist auf jeden Fall auf meiner Liste. Auch Emeli Sandé und Nas. Und auf jeden Fall Meshell Ndegeocello. Sie ist eine Legende, eine Göttin.

Man könnte sie auch als ein Musterbeispiel für Unabhängigkeit sehen. Bei dir scheint das auch ein sehr wichtiges Thema zu sein. Ist das so?

Debelle: Ich weiß nicht, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Eigentlich bin ich auch nicht sonderlich unabhängig. Ich bin auf Musiker angewiesen und auf Produzenten. Ich bin zwar der Boss, aber ich bin nicht unabhängig. Man muss wissen, wie man seine Mitstreiter zu nehmen hat, wenn man wirklich etwas Gutes erreichen will. Ich muss dafür sorgen, dass alle zufrieden sind. Natürlich muss ich auch darauf achten, dass alle machen, was sie machen sollen - aber man darf dabei kein Monster werden.

Bist du ein guter Boss?

Debelle: Ich weiß nicht. Da solltest du am besten meinen Tourmanager fragen.

Was würde er sagen?

Debelle: Mir ist normalerweise völlig egal, was er sagt (lacht).

Was macht für dich einen guten Chef aus?

Debelle: Ich denke, man muss klare Ansagen machen. Wenn man das nicht tut, bleibt Spielraum für Interpretationen, und dann tun die Leute nicht das, was sie tun sollen, weil sie dich falsch verstehen. Gleichzeitig soll jeder die Möglichkeit haben, selbst etwas einzubringen, ohne dass vom eigentlichen Ziel abgerückt wird.

Wenn man Musiker wird, rechnet man wahrscheinlich nicht damit, eines Tages auch Fähigkeiten in Personalführung zu brauchen.

Debelle: Für mich war das immer klar, ich wollte das immer so. Und es gibt keinen erfolgreichen Künstler, der da anders ist. Alle wollen der Boss sein. So etwas hast du einfach in dir drin, schon in einem ganz jungen Alter.

Im nächsten Jahr wirst du 30. Ist das ein beunruhigender Gedanke?

Debelle: Nein, ich freue mich darauf. Ich komme gut klar mit dem Alter, in dem ich bin. Außerdem sehe ich noch aus wie 16, das ist also kein Problem.

Gibt es etwas, das du unbedingt noch erreichen willst, bevor du 30 wirst?

Debelle: Ich habe schon genug erreicht, um wirklich dankbar sein zu können. Ich bin gesegnet.

Außer einer großen Geburtstagsfeier: Was planst du noch für das kommende Jahr?

Debelle: Ich werde ins Studio gehen und an einem neuen Album arbeiten. Aber ich weiß nicht, ob es dann auch 2013 herauskommt. Es gibt für meine Arbeit keinen echten Zeitplan. Es ist fertig, wenn es gut ist.

Speech Debelle, mit bürgerlichem Namen Corynne Elliot, erhielt für ihr Debütalbum im Jahr 2009 den begehrten Mercury Prize. Ihr zweites Album Freedom Of Speech erschien im Februar 2012. Die gebürtige Londonerin engagiert sich stark für soziale Projekte und Organisationen wie Oxfam.

ham, news.de

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