Fernsehen Kid Kopphausen auf dem Weg zu sich selbst

Berlin - Ein wenig nach Spaghetti-Western klingt der Bandname schon, und auf Fotos haben sich die beiden auch schon mal in Outlaw-Pose auf die einsame Landstraße gestellt.

Kid Kopphausen auf dem Weg zu sich selbst (Foto)
Kid Kopphausen auf dem Weg zu sich selbst Bild: dpa

Die Möchtegern-Gangster, um die es hier geht, sind der immer noch junge Singer/Songwriter Gisbert zu Knyphausen, der seit seinem Debütalbum 2008 als ganz große Hoffnung gehandelt wird, und der gestandene Folksänger Nils Koppruch, der mit seiner Band Fink über viele Jahre lang sehr achtbare Platten gemacht hat, so eine Art Hamburger Schule unplugged. Und sein letztes Soloalbum «Den Teufel Tun» ist auch noch in bester Erinnerung.

Jetzt haben sich Koppruch und Knyphausen zusammengetan, aber sie betonen ausdrücklich, dass Kid Kopphausen kein Zwei-Mann-Projekt oder Experiment sei, sondern eine neue Band. Die auf ihrem ersten Album «I» (Trocadero) locker dreizehn Lieder versammelt, die textlich und musikalisch ganz weit oben rangieren - kein aus der Hüfte geschossenes B-Movie, sondern für deutsche Verhältnisse eine fast schon oscarverdächtige Vorstellung. Aber die Analogien zu Western und Outlaws sind eher schief.

«Wer bin ich» fragen Koppruch und Knyphausen im Opener, und geben gleich ein Dutzend Antworten. Festlegen lassen sie sich nicht, aber beliebig klingen der kraftvolle Sound und die markanten Stimmen der beiden Frontmänner nun wahrlich nicht. Das ist vielleicht das Geheimnis dieses Albums: zwei Wahlverwandte lassen sich gegenseitig genügend Raum, sodass wirklich etwas Neues entsteht, jenseits der Egotrips: es gibt keine Koppruch-oder Knyphausen-Songs auf diesem Album, sondern nur diese etwas verrückte, sehr ausgeschlafene Mixtur. Poetisch-changierend wie ein Kaleidoskop. «Die Ränder werden weich, alles drängt und schiebt, das Mädchen stellt sich auf die Bar, endlich spielen sie ihr Lied», heißt es im verschwipst-psychedelischen «Haus voller Lerchen».

Neben leisen Liebesliedern wie dem schönen «Wenn ich Dich gefunden hab» finden sich rockige Americana wie «Meine Schwester» oder das wuchtige «Zieh dein Hemd aus Moses», die aber zum Glück nie bierernst, sondern mit dem nötigen Quentchen Ironie daherkommen. Da sieht Gott im Wagen am Ende ziemlich alt aus. Die Mischung bei Kid Kopphausen stimmt auf jeden Fall, und live soll die Band auch teuflisch gut sein.

www.kidkopphausen.de

www.trocadero-home.com

news.de/dpa

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