Fernsehen 25 Jahre Frühstücksfernsehen

Berlin - Sendepause? Heute ist sie unvorstellbar, früher war sie in der Nacht normal. Vor 25 Jahren wurde die Zeit ohne Programm deutlich verkürzt.

25 Jahre Frühstücksfernsehen (Foto)
25 Jahre Frühstücksfernsehen Bild: dpa

Die zwei Privatsender RTL und Sat.1 führten Morgenshows ein. Es war das Jahr, in dem Jürgen von der Lippe mit «Guten Morgen, liebe Sorgen» einen Hit landete. Doch hier lautete das Motto: Guten Morgen, liebe Glotze. Damals war das ein Kulturschock. ARD und ZDF zogen erst fünf Jahre später nach. Sie senden ihr «Morgenmagazin» seit Juli 1992 im wöchentlichen Wechsel.

«Punkt 6.30 Uhr begann am Mittwochmorgen überraschend die Ära Frühstücksfernsehen in der Bundesrepublik», meldete die Nachrichtenagentur dpa am 23. September 1987. «Der private Sender RTL plus zog ohne Ankündigung den für den 5. Oktober vorgesehenen Start des ersten Frühstücksfernsehens in Deutschland vor.»

Damit war RTL (damals noch «RTL plus») schneller als der Konkurrent Sat.1, der den Start für den 1. Oktober angekündigt hatte. RTL nahm in Kauf, nur wenige Zufallszuschauer zu haben in den damals laut Sender nur 2,18 Millionen westdeutschen Haushalten, die RTL empfangen konnten (Reichweite 9,6 Prozent).

«Ich vermute, wir haben damals so viele Zuschauer gehabt wie Harald Schmidt heute bei Sky», sagt der Moderator der ersten Stunde, Olaf Pessler, über die wahrscheinlich nur paar tausend Zuseher. Pessler war damals 25 Jahre alt und kam von Radio Luxemburg. Heute lebt er in Königstein bei Frankfurt und arbeitet als Sprecher und Journalist, hauptsächlich für ARD und ZDF.

Erst in der Nacht bekamen Pessler, Nachrichtensprecher Karl-Heinz Kaul und die Redaktion in Luxemburg gesagt, dass das neue Magazin bereits am folgenden Morgen auf Sendung gehe.

In der ersten Ausgabe von «Guten Morgen, Deutschland» war die Berliner Schauspielerin Edith Hancke zu Gast, Modeschöpfer Karl Lagerfeld war in einem Gespräch zu sehen, das in Paris aufgezeichnet worden war. Auch die Sexualtherapeutin Ruth Westheimer kam zu Wort. Ein Zisterzienser-Mönch rief zur Besinnung auf.

Bei der Premiere von «Guten Morgen mit Sat.1» acht Tage später, die als «munteres Morgenradio zum Hinsehen» angekündigt wurde, hieß der Gastgeber Wolf-Dieter Herrmann, das Wetter sagte Rita Werner an. Als Aufzeichnung gab es ein Interview mit Bundeskanzler Helmut Kohl anlässlich seines fünfjährigen Amtsjubiläums. Der Regierungschef verriet, dass er bereits seit Schulzeiten nicht richtig frühstücke und nach dem Aufstehen lediglich eine Tasse Tee oder Kaffee trinke.

«Das Allerwichtigste am Morgen ist, dass man die Menschen nicht erschreckt, sondern dass man sie sanft, aber präzise in den Tag bringt», sagt der heutige RTL-Hauptmoderator Wolfram Kons, der bereits 21 Dienstjahre am Morgen vorweisen kann. Sein Sender konzentriert sich nach einigen Konzeptwechseln inzwischen nur noch auf «die Kernzeit des Aufstehens» zwischen 6.00 und 7.30 Uhr. Das Frühmagazin «Punkt 6» feierte am 3. September seinen inzwischen 15. Geburtstag. Zum Jubiläum gab es ein neues Studio mit Live-Blick auf den morgendlichen Rhein und den Kölner Dom. «Eines der schönsten Stadtpanoramen, die es in Deutschland gibt», wie Kons meint.

Auch bei Sat.1 gibt es jemanden mit 21 Dienstjahren: den Nachrichtenmann Martin Haas. Mit viereinhalb Stunden Sendezeit ist das dortige Frühstücksfernsehen die längste wochentägliche Live-Sendung im deutschen TV. Zu den bekannten Gesichtern des Magazins gehören Simone Panteleit, Karen Heinrichs, Matthias Killing und Jan Hahn sowie die Society-Expertin Sibylle Weischenberg (seit 2002) oder der Filmkritiker Hans-Ulrich Pönack (seit 1999).

Highlight bei Sat.1 ist die britische Bulldogge Lotte, die einem Kameramann gehört. Mit ihr teilte sich schon Hollywood-Star Reese Witherspoon das Wasser und schwärmte davon später im US-Fernsehen.

Ob - und vor allem bei welchem Sender - einem das Morgenprogramm mit seinem Wechsel von Nachrichten, Sport, Wetter, Interviews, Tipps, Klatsch und Tratsch am besten gefällt, ist Geschmackssache. Für den Zuschauerpreis beim Deutschen Fernsehpreis 2012 (Verleihung am 2.10., Ausstrahlung im ZDF am 4.10.) können Interessierte ihr liebstes Wachmacher-TV online oder per Telefon wählen. Die Abstimmung läuft bis 2. Oktober - nicht morgens, sondern mittags, 14 Uhr.

news.de/dpa

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