Fernsehen Auf Herz und Nieren

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Auf Herz und Nieren Bild: dpa

Berlin - «Meine Spezialität sind Brüste», stellt sich der smarte Typ im hellen Anzug im Flieger einer lasziven Schönheit auf dem Nachbarplatz vor, «Brüste und G-Punkt.»

Von seiner Ausbildung in den Staaten düst der junge Arzt David (Max von Pufendorf, «Buddenbrooks») nach Berlin, um dort in einer schicken Klinik für plastische Chirurgie zu arbeiten - und vor allem viel Geld zu verdienen. Doch natürlich kommt alles anders als geplant. Aus nicht ganz jugendfreien Gründen überfährt David im Porsche seiner neuen Reisefreundin beinahe einen alten Kiez-Mediziner, um dann recht unfreiwillig als Vertretung in dessen Arme-Leute-Praxis zu landen. Neben dessen sozial engagierter, hübscher Nichte und Kollegin Nina (Stefanie Stappenbeck, «Polizeiruf 110»).

Diese alternative Strickmützenträgerin hatte sich eingangs auf einem düsteren Hinterhof mit dem schönen Satz «Sagt mal, wann kapiert ihr endlich, dass die Flaschen in den Glascontainer gehören?» präsentiert. Welten prallen also von diesem Montag (21.15 Uhr) an aufeinander in der neuen Montagabendserie «Auf Herz und Nieren». Es ist die klassische Grundkonstellation der Screwball-Komödie: zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts und unterschiedlicher Lebensauffassung finden einander so lange herzlich befremdlich, bis sie ganz zu einander finden. Hier ergibt das in zunächst sechs 45-Minütern freundliche, mäßig geistreiche TV-Unterhaltung, die vor allem mit Berliner Milieu und sympathischen, sehr profilierten Darstellern, darunter die Theatergröße Gerhard Garbers als Arzt-Onkel, punktet.

«Die Hälfte der Leute können wir gleich nach Hause schicken. Das sind Kassenpatienten. Die haben nix, die bringen nix, und tschüs!» Mit Sätzen wie diesen, die dem Luxus liebenden Schnöselarzt in den Mund gelegt werden, packt die Serie dabei auch das Thema «Zweiklassenmedizin» an. Junkies auf Methadon, unverheiratete jugendliche Schwangere und Omas, die ihrem Heiler selbstgekochte Marmelade schenken, gehören zur Klientel der Praxis. Hier behandelt sie die mitfühlende Nina, die privat ihren tödlich verunglückten Freund betrauert, schon mal ohne Krankenschein.

Mit schneidigen amerikanischen Arztserien im Stil von «Grey's Anatomy» (ProSieben) hat all das wenig zu tun. Obwohl manches arg konstruiert und überzeichnet wirkt, wird der Zuschauer eher an bodenständig Menschelndes wie in der RTL-Serie «Nikola» mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler oder die Berliner «Praxis Bülowbogen» (ARD, 1987-1996) des unvergessenen Günter Pfitzmann erinnert. Auch die witzige Sat.1-Anwaltsserie «Edel und Starck» (2002-2005) mit Christoph M. Orth und Rebecca Immanuel grüßt hier von Ferne. Produziert wurde «Auf Herz und Nieren» von der Sony Pictures Film- und Fernseh Produktions GmbH unter der Regie von Zoltan Spirandelli und Kai Meyer-Ricks.

Mit der vergangene Woche mit ordentlichen Quoten angelaufenen Serie «Es kommt noch dicker» und den im Herbst folgenden «Familie undercover» und «Der Cop und der Snob» will der erfolgreiche Privatsender Sat.1 seinen Montagabend-Dauerbrennern «Danni Lowinski» (14,4 Prozent Marktanteil bei Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren) und «Der letzte Bulle» (15,2 Prozent) etwas Attraktives zur Seite stellen.

news.de/dpa

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