Literatur Adler-Olsen: «Ihr Deutschen seid verkleidete Dänen»

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Adler-Olsen: «Ihr Deutschen seid verkleidete Dänen» Bild: dpa

Allerød - Der dänische Krimi-Autor Jussi Adler-Olsen hat mit seiner Thrillerserie über das Sonderdezernat Q die deutschen Bestsellerlisten gestürmt.

In seinem neuen «Arbeitshaus» in Allerød bei Kopenhagen beantwortet der 62-Jährige Fragen der Nachrichtenagentur dpa zu seiner Arbeitsweise, deutsch-dänischen Klischees und eigenen Lesegewohnheiten.

Sie sind als dänischer Autor viel in Deutschland. Wie erleben Sie alte gegenseitige Klischees? Zum Beispiel, dass die Dänen immer nett und locker sind und die Deutschen eher nicht so.

Adler-Olsen: «Es gibt noch das Klischee mit deutschen Nordsee-Urlaubern, die sich am Strand Burgen bauen. Aber das mit dem imperialistischen Deutschland ist weg. Ich habe auch immer gedacht, dass ihr Deutschen extrem förmlich seid. Bis ich selbst persönliche Bekanntschaften gemacht habe. Da habe ich gemerkt, dass ihr absolut genauso dieselben Wünsche, Zweifel und humoristischen Neigungen wie wir Dänen habt. Ihr seid "Danes in disguise" ("verkleidete Dänen"). Bei uns hat zehn Jahre lang der frühere Regierungschef Anders Fogh Rasmussen eine massiv antiliberale Politik betrieben. Jetzt wird nach oben gebuckelt und nach unten getreten. Da haben sich neue Werte durchgesetzt, die zu Dänemark nicht gehören und nie gehört haben.»

Betrachten Sie Ihre Thriller vor allem als Unterhaltung oder als relevante Form von Gesellschaftsanalyse?

Adler-Olsen: «Was hat uns skandinavische Krimi-Autoren in Gang gebracht? Das waren die Schweden Maj Sjöwall und Per Wahlöö. Das war unser aller Wiege. Den Krimis der beiden liegt soziale Empörung zugrunde, wie früher auch bei Charles Dickens oder John Steinbeck. Dazu müssen gute Plots und wilder Witz kommen. Ich sehe meine Bücher als spannende Romane in der Tradition klassischer Erzählungen.»

Hat der Massenmord mit dem Massaker auf Utøya und der Bombe in Oslo vor gut einem Jahr Ihr Schreiben verändert?

Adler-Olsen: «Überhaupt nicht. Es mag arrogant klingen, aber ich habe so etwas wie Utøya und Oslo vorhergesehen. Die allerersten Romane, die ich geschrieben habe, sind ja schon von der Wirklichkeit eingeholt worden. Zum Beispiel schrieb ich "Frau im Käfig" (deutsch: "Erbarmen") vor dem Fall Natascha Kampusch. Ich kann nicht verstehen, dass eine demokratische Gesellschaft wie Norwegen dem Täter (Anm: öffentliche) Redezeit einräumt, der das nicht verdient. Er hat ja getötet, um zu Wort zu kommen. Es muss schrecklich für die Hinterbliebenen der Opfer sein.»

Was lesen Sie abends im Bett, zur selben Zeit, wenn Ihre Leser auf dem Nachtisch zu einem Jussi-Krimi greifen?

Adler-Olsen: «Ich bin in einer ganz schweren Lesephase zur Zeit, weil ich permanent am Computer auf Buchstaben starre. Es gibt Phasen, in denen ich einfach nicht lesen kann. Das geht besser am Nachmittag auf einem bequemen Stuhl, wenn das Gehirn noch frisch ist. Davon habe ich mehr. Bin neidisch auf meine Frau, weil die so gut im Bett lesen kann.»

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news.de/dpa

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