Fernsehen Der Hafenpastor

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Der Hafenpastor Bild: dpa

Hamburg - Jan Fedder wechselt das Kostüm, steigt von der Polizeikluft seines «Großstadtreviers» in den Talar um und ist nun einen Film lang ein Pastor.

Nicht das erste Mal. Schon in den beiden Komödien um «Die göttliche Sophie» war er vor bajuwarischem Hintergrund ein wackerer Gottesmann gewesen. Diesmal aber, seine Bitte an den Produzenten Markus Trebitsch, sollte es mal wieder etwas echt Hamburgisches sein und etwas Ernstes auch. Das Resultat ist dann unter dem nicht ganz stimmigen, da weniger im Hafen als auf dem Kiez angesiedelten Titel «Der Hafenpastor» an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) in der ARD zu sehen.

Produzent Trebitsch hatte suchend die Stadt durchstreift, war vor der St. Pauli-Kirche stehen geblieben, die fromme Stätte zwischen Peep-Show und Table Dance, und hatte entschieden: «Das hier kann Schauplatz für einen Jan-Fedder-Film sein.» Nun musste nur noch eine hochdramatische Story her. Die fand sich rasch in der Tagespresse. Dort machte gerade die Geschichte der Kate Amayo Schlagzeilen. Die war 2006 aus ihrer Heimat Ghana nach Hamburg gekommen und hier geduldet worden, bis sie ihr Abitur (Durchschnittsnote: 1,8) bestanden hatte. Dann sollte sie abgeschoben werden. Sie wehrte sich, die Geschichte drang in die Öffentlichkeit und erhitzte die hanseatischen Gemüter bis hinauf zum Bürgermeister. 2010 hieß es: Kate darf bleiben. Ein Anwalt, spezialisiert auf solche Fälle, hatte sich darum besonders verdient gemacht.

Im Film, den Stefan Wild schrieb und den Stephan Meyer inszenierte, ist es dann eben Jan Fedder als Pastor Stefan Book, und auch sonst gibt es einige filmgerechte Abweichungen vom Original. So war die reale Kate nie aus einem Peterwagen vor dem Zugriff der Polizei geflohen, hatte nicht wie hier in einem Gotteshaus um Asyl nachgesucht. Hier tut sie es in eben jener St. Pauli-Kirche, und Pfarrer Book gewährt es, klar. Auch dass er nun alles dransetzt, bis über die Grenzen der Legalität hinaus, dem Mädchen den Verbleib zu ermöglichen, bevor sie auch noch einem gierigen Bordellwirt (Uwe Bohm) in die Finger fällt.

Fedder, in seiner frühen Jugend selbst auf dem Kiez zuhause, wenn auch kaum mit der Kirche als bevorzugtem Schauplatz, setzt mit dem Pastor Book die Rollenreihe fort, in der er sich schon in seinen Lenz-Verfilmungen wie «Der Mann im Strom» oder «Das Feuerschiff» erprobt hatte: kernige Typen mit einem Hauch Einsamkeit um sich, letzte ihrer Art, für die alte Werte wie Mut und Verantwortungsbewusstsein noch gelten. So ist auch, eine Art Kiez-Don-Camillo, sein Hafenpastor.

Der gibt sich raubauzig und kämpferisch, mit großer Klappe und großem Herzen, lässt es an schnoddrigen Insider-Jokes nicht fehlen (zu Fußball spielenden Jungs: «Mehr Einsatz bitte! Ihr seid nicht beim HSV!»), aber auch nicht an dick aufgetragener Sentimentalität, wenn er am Grab seines lieben Mütterleins steht, ihr zum Geburtstag noch einmal ihr Lieblingslied singt, und das ist dann ausgerechnet «Stille Nacht, Heilige Nacht».

Am Schluss, wir wissen es, wird alles gut. Im Film wie in der Wirklichkeit. Wenigstens für ein Jahr. Dann wird das Gerangel um die Einbürgerung wieder losgehen. «Wir haben hier in Hamburg die Elbphilharmonie, wo die Verantwortlichen auch nach mehreren Sitzungen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses nicht benannt werden», sagt Produzent Trebitsch. «Aber bei einer einfachen Entscheidung, wo man nur Herz und Verstand sprechen lassen müsste statt der Akten, scheinen sich unüberwindbare bürokratische Schwierigkeiten aufzutürmen.» Nicht zufällig wird denn auch in seinem Film immer wieder und unübersehbar eben jene Elbphilharmonie ins Bild gerückt.

news.de/dpa

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