Berlin Festival Stars in der Manege

Rock in Tempelhof
Die besten Fotos vom Berlin Festival

Von news.de-Mitarbeiter Michael Kraft, Berlin
Das Berlin Festival kommt in Schwung: Die vierte Auflage nach dem Neustart hatte Stars wie Paul Kalkbrenner, Franz Ferdinand und die Killers zu bieten - und Tierisches à la Cro. Die zwei Festivaltage am Flughafen Tempelhof wurden zum reinsten Zirkus.

Fährt man in diesen Tagen mit der S-Bahn am Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof vorbei, fallen drei Dinge auf. Erstens: Es gab mal eine Zeit, in der Berlin in der Lage war, Flughäfen auch wirklich bis zu Ende zu bauen. Zweitens: Die Hauptstadt ist zwar bekennend arm, aber sexy. Offensichtlich ist die Finanzlage jedoch nicht prekär genug, um sich eine sinnvolle Nachnutzung für ein so großes Gelänge in zentraler Lage einfallen zu lassen. Lediglich der Radarturm, der aussieht, als wolle jemand auf einem riesigen Altar einen noch größeren Golfball den Göttern zum Opfer darbringen, hat das Ende des Flughafens im Oktober 2008 überstanden. Drittens: Ein Zirkuszelt steht ein wenig verloren auf der riesigen Grünfläche.

Mit dem Berlin Festival, das an diesem Wochenende zum vierten Mal am Flughafen Tempelhof über die Bühne ging, hat die Manege zwar nichts zu tun. Die Ähnlichkeiten von Musikspektakel und Zirkus werden trotzdem offensichtlich. Der Geruch auf dem Gelände erinnert nach zwei Tagen mit insgesamt 30 Stunden Programm und 20.000 Besuchern ein bisschen an Pferdestall-Aroma. Lustige Attraktionen wie ein Autoscooter oder ein Bolzplatz hofieren den kindlichen Spieltrieb. Aber auch die Musiker tragen einen gehörigen Teil zur Zirkus-Atmosphäre bei.

Cro: harmlos, aber gut gelaunt

Zunächst einmal geht es auf den Bühnen tierisch zu: Rap-Senkrechtstarter Cro trägt natürlich seine Panda-Maske, verbreitet ansonsten gute Stimmung und keinerlei Gefahr. Die Kollegen von Frittenbude haben sogar gleich ein komplettes Pandakostüm und zusätzlich einen halben Zoo auf der Bühne zu bieten. Belohnt werden sie mit dem bei Festivals seltenen Luxus, eine Zugabe spielen zu dürfen, nachdem die Fans ihren Song Mindestens in 1000 Jahren einfach immer weiter singen.

Da ist es fast schon eine Überraschung, dass Bonaparte diesmal auf ihr Pferdekostüm verzichten. Die Gruppe um Frontmann Tobias Jundt hat sich fürs Berlin Festival neue Verkleidungen gegönnt. So wird ihre gefeierte Show noch mehr als sonst zum Augenschmaus – am Ende gibt es eine ausgiebige Sektdusche. Kimbra trägt ein Outfit, das an einen Vogel mit Federkleid aus Lametta und Frischhaltefolie erinnert, die Musik der Neuseeländerin, die am Gotye-Track Somebody That I Used To Know mitgewirkt hat, ist aber leider nicht halb so spektakulär. Miike Snow kommen zwar nicht verkleidet, dafür hat das Trio aber immerhin den frenetisch gefeierten Hit Animal zum Abschluss seines Konzerts dabei.

Kate Nash macht Punk

Die Rolle der Trapezkünstlerin, die sich ohne Absicherung und mit viel Mut zum Risiko auf die Bühne wagt, wird Kate Nash zuteil. Die Engländerin war einmal die Heldin von Lena Meyer-Landrut und wurde daraufhin auch in Deutschland zur Mädchenpop-Ikone. Beim Berlin Festival macht sie deutlich, wie wenig sie mit diesem Image zu tun haben will, setzt auf Gothic-Outfit und Punk-Klänge.

Als Dompteure dürfen sich Sigur Rós fühlen: Die Isländer bändigen mit ihren sphärischen Sounds die Menge vor der Hauptbühne, die dort am Tag darauf einen Monster-Rave mit Paul Kalkbrenner feiern wird, haben aber auch überraschend viele druckvolle Momente zu bieten. Tocotronic schaffen es wieder ihren alten Zaubertrick auszupacken: Wenn sie Lieder wie Mein Ruin singen, dann wirken sie immer ein bisschen schlauer, als sie eigentlich sind.

Großes Spektakel von den Killers

Die Trapezkünstler beim Berlin Festival sind klar die Killers: Die Band aus Las Vegas bietet großes Spektakel inklusive Feuerwerk, wirkt perfekt austrainiert und hoch konzentriert. Hits wie Mr. Brightside oder Human sorgen für einige der größten Jubelstürme des Festivals. Das letzte Fünkchen Begeisterung lassen die Killers dennoch vermissen.

We Have Band jonglieren wie stets blendend gelaunt mit New Wave, Pop und Elektro, Sänger Ebbot Lundberg gibt bei einem der letzten Deutschland-Auftritte von The Soundtrack Of Our Lives den traurigen Clown. Kraftklub wagen zwar keine Sprünge durch brennende Reifen, dafür hat Sänger Felix Brummer am Ende eines tollen Konzerts aber immerhin ein Bengalo in der Hand. Die Chemnitzer präsentieren sich clever, spannend und kraftvoll – da verzeiht man ihnen in Tempelhof gerne auch Songtitel wie Ich will nicht nach Berlin.

Und wer darf den Titel des Zirkusdirektors für sich beanspruchen? Da kommt eindeutig Alex Kapranos infrage. Der Sänger von Franz Ferdinand beweist mit seiner Band, wie viel die meisten der hier vertretenen Newcomer von Django Django bis Sizarr von ihm gelernt haben, hinsichtlich der Vereinbarkeit von Rock und Tanzbarkeit. Die späteren Singles funktionieren genauso blendend wie die Kracher vom legendären Debüt oder neue Songs wie Right Thoughts! Right Words! Right Action! Noch einen drauf setzt dann aber Take Me Out: Für solch euphorische Momente wurden Festivals erschaffen.

news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Bernd Lautner
  • Kommentar 1
  • 13.09.2012 18:08

Ich war leider nicht life dabei, aber 3x im Fernsehen gesehen. Paul Kalkbrenner ist das absolute Highlite der Veranstaltung. Ich habe noch nie so etwas gesehen und gehört, der absoltute Wahnsinn. Paul mach weiter so.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig