«Verteidigung»
David gegen geldgeile Goliath-Anwälte

Wenn Anwälte auf Pharmaunternehmen treffen, geht es nur um eines: sehr viel Geld. Trotzdem gewinnt in John Grishams aktuellem Justizroman Verteidigung - erwartbar - die Gerechtigkeit. Wenn auch anders als gedacht. Denn Grisham schwächelt.

David gegen Goliath - darauf setzt John Grisham in seinem Roman Verteidigung. Bild: Heyne Verlag

«Vom Regen in die Traufe» - Kein anderes Sprichwort trifft das Leben von David Zinc besser. Sieben Tage die Woche schuftet der junge Anwalt in einer Star-Kanzlei täglich mindestens zehn Stunden. Die Energie, die im bleibt, reicht gerade noch für ein Abendessen, aber lange nicht mehr für Sex mit seiner Frau.

Doch nach fünf Jahren ist Schluss. David flüchtet eines morgens aus dem Fahrstuhl, der ihn in sein fensterloses Büro bringen soll, besäuft sich in einer Kneipe und schmeißt den hochbezahlten Job hin. Dafür landet er in einer winzigen Zwei-Mann-Kanzlei, die sich mit Scheidungs- und Unfallmandaten kaum über Wasser halten kann. Oscar Finley mit einer Geld vernichtenden Ehefrau an seiner Seite ist der unglücklichste Mensch der Welt, sein Juniorpartner Wally Figg ein Weiberheld, Säufer und geil aufs große Geld. Was die beiden ganz und gar nicht gebrauchen können, ist noch ein Anwalt ohne Prozesserfahrung und zahlungskräftige Mandanten. Genau den aber liefert John Grisham den beiden erfolglosen Anwälten im aktuellen Roman Verteidigung.

Hier geht es direkt zu John Grishams Verteidigung.

John Grisham gegen die Pharma-Industrie

Von den gescheiterten Existenzen lässt sich David allerdings nicht abschrecken. Auch nicht, als Wally einen Sammelklagenprozess gegen ein Pharmaunternehmen an Land zieht und felsenfest davon überzeugt ist, dass sich der Pharmariese auf nichts anderes als einen Vergleich einlassen wird: Ein Cholesterin senkendes Medikament soll als Nebenwirkung das Herz der Patienten schädigen. Und weil das Unternehmen schon häufiger in Prozesse wegen schwerer Nebenwirkungen verstrickt war, stürzen sich plötzlich geldgierige Anwälte aus dem gesamten Land auf die Story - neue Yachten, Privatjets und Häuser vor Augen.

Für Oscar, Wally und David soll der Fall der große Durchbruch werden. Allerdings verläuft die Sache nicht wie geplant. Oscar und Wally legen zwei unrühmliche Abgänge hin und David - völlig allein gelassen - droht mit der Sache kolossal zu scheitern. Denn ausgerechnet jene Kanzlei, der der junge Anwalt so fluchtartig den Rücken gekehrt hat, verteidigt das zweifelhafte Pharmaunternehmen - mit einer kleinen Armee von Rechtsverdrehern. Hier hat David gegen Goliath schlechte Karten.

Um die toten Patienten, ihre Hinterbliebenen und potenziell weitere geschädigte Patienten geht es da schon lange nicht mehr. Nur David hat sich so etwas wie Moral bewahrt - wenn auch nicht in diesem Prozess. Das Schicksal eines kleinen Jungen, der durch sein Spielzeug schwer geschädigt wurde, macht aus dem jungen Anwalt einen Kämpfer für die Gerechtigkeit. Denn diesmal verlässt sich David nicht auf sein Glück...

Der Zufall ist Grishams beste Verteidigung

Einen echten Scoop landet Grisham mit Verteidigung auf diese Art nicht. Nach gut 20 Justizromanen - und einigen Büchern abseits der üblichen Linie - scheint bei dem Erfolgsautor die Luft raus zu sein. Statt spannend zu inszenieren, überlässt der Amerikaner seine Protagonisten vor allem dem Zufall. Plötzlich wird David von Angstzuständen überrascht, ebenso plötzlich landet er bei einer ihm bis dato völlig unbekannten Kanzlei, Wally stolpert überraschend über das vermeintlich von tödlichen Nebenwirkungen begleitete Medikament und mindestens ebenso aus heiterem Himmel fällt David der Fall des kleinen Jungen so gut wie vor die Füße.

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1 Kommentare
  • Mahogany

    19.09.2012 13:07

    Ich bin ein Grisham Fan u. habe alle seine bisherigen Romane im Original (englisch) gelesen sowie auch die Filme "die Akte, die Jury u. die Firma" gesehen - manche sogar mehr als zwei mal ... schade wenn der neue Roman "Verteidigung" nicht mehr die gleich Qualität aufweist. Vielleicht ist Grisham müde geworden u. sollte mit dem Schreiben aufhören. Alles hat einmal ein Ende auch die Kreativität.

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