Film Doku zeigt Kampf gegen AKW Brokdorf

Brokdorf - Das Kraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein wurde zum Symbol der Atomkraftgegner in Deutschland. 13 Jahre dauerte der Kampf gegen den Bau. Bürgerinitiativen schlossen sich zusammen, der Widerstand wurde immer radikaler.

Doku zeigt Kampf gegen AKW Brokdorf (Foto)
Doku zeigt Kampf gegen AKW Brokdorf Bild: dpa

1981 strömten trotz Demonstrationsverbots 100 000 Nukleargegner aus ganz Deutschland in den Norden der Republik. Doch vergeblich: Nur wenige Monate nach der Tschernobyl-Katastrophe ging das AKW 1986 ans Netz. Für manche endete der Widerstand damit noch lange nicht. Die Filmemacherin Antje Huber erzählt in ihrer Dokumentation «Das Ding am Deich» von den jahrzehntelangen Protesten gegen das Kernkraftwerk und zeigt, wie sehr der Bau den Lebensalltag vieler Anwohner bis heute beeinflusst.

Als Hubert 2010 mit den Dreharbeiten begann, war Fukushima noch ein unbekannter Ort. Die Regisseurin lässt mehrere Zeitzeugen zu Wort kommen, springt dabei zwischen Gegenwart und historischen Filmaufnahmen hin und her. So sieht man etwa Milchbauer Ali Reimers als jungen Mann - noch voller Hoffnung, dass er und seine Mitstreiter den Bau des Meilers vor seiner Haustür verhindern können. Mehr als 30 Jahre später ist sein Haar ergraut. Die Erinnerungen bewegen ihn noch heute tief, er muss weinen. Doch Hubert lässt auch Befürworter des AKW zu Wort kommen, die die «guten Arbeitsplätze» loben.

Zu verschiedenen Jahreszeiten ist das Atomkraftwerk an der Elbe zu sehen. Davor baden Menschen, Schafe grasen auf dem Deich - Hubert zeigt das AKW als Fremdkörper in dieser friedlichen, idyllischen Landschaft. Es ist ein ruhiger Film ohne Erzählerstimme, denn die Aufnahmen sprechen für sich: So kleben im Album einer Familie Fotos von den Kindern unter dem Weihnachtsbaum neben Bildern von Wasserwerfern. Denn immer wieder kam es am abgesperrten Baugelände zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Als Hubert mit den Dreharbeiten beginnt, ist es ruhig geworden um Brokdorf. Doch der besondere Reiz der Dokumentation liegt darin, dass der Zuschauer mitverfolgen kann, wie aktuelle Ereignisse dem Widerstand neuen Schub geben. Es kommt zu Massendemos in Deutschland, weil die CDU/FDP-Bundesregierung eine Laufzeitenverlängerung von Kernkraftwerken beschließt. Doch im März 2011 ist mit der Atomkatastrophe in Japan plötzlich alles anders. Drei Monate später legt der Bundestag einen schrittweisen Atomausstieg bis 2022 fest. «Bis dahin kann noch viel passieren», sagt Bauer Reimers zum Schluss des Films und baut eine große Anti-Atom-Fahne auf.

Film «Das Ding am Deich»

news.de/dpa

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