Fernsehen Kurt Krömer macht jetzt Late Night

Kurt Krömer macht jetzt Late Night (Foto)
Kurt Krömer macht jetzt Late Night Bild: dpa

Berlin - Vom Neuköllner Ghettokid zum Talkmaster der Nation: Kurt Krömer ist in die Königsklasse der TV-Entertainer aufgestiegen und macht jetzt Late Night in der ARD.

An diesem Samstag (23.15 Uhr) ist seine Show zum ersten Mal zu sehen. Danach folgen weitere sieben Ausgaben von «Krömer - Late Night Show» - immer samstags in der ARD nach dem «Wort zum Sonntag».

«Jetzt gibt es das Wort zum Sonntag spezial», begrüßte Krömer das Publikum bei der Aufzeichnung der ersten Folge im Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm. Nach einem Jahr TV-Pause überrascht der 37-Jährige mit einer optischen Runderneuerung: die bunten Kostüme hat Krömer aus dem Kleiderschrank geworfen, jetzt talkt er im Anzug mit fast biederen Farben. Der scharfe Scheitel ist einer Strubbelfrisur gewichen. «Von Berlin in die Welt», schwärmt Krömers Haussender RBB.

«Ich bin seriöser geworden», sagte der Komiker, und man merkte ihm an, dass er das natürlich nicht so ganz ernst meint. Viel Schabernack treibt er auch in seiner Late-Night-Show. Neu ist allerdings, dass der Entertainer nun auch ernste Themen wie Rechtsextremismus oder den Bundeswehreinsatz in Afghanistan satirisch aufgreifen will. Natürlich alles in waschechtem Berlinerisch.

Die Bundeswehr habe ihn gefragt, ob er «nicht Bock auf Truppenbetreuung» habe, berichtete Krömer. Dabei sei er ja selbst «Totalverweigerer» und habe nie gedient. Wobei: «Schon mal was von Dienst an der Waffe gehört? - "Klar, ick komm' aus Neukölln», witzelte Krömer, «da heißt dit Banküberfall.» Das Publikum, im Berliner Ensemble auf roten Samtsesseln, jubelte.

Krömer, der eigentlich Alexander Bojcan heißt, wurde 1974 in Neukölln geboren und wuchs im Arbeiterviertel Wedding auf. Schule und Ausbildung brach er ab, jobbte jahrelang als Hilfsarbeiter auf dem Bau und im Zoo. «Ich komme aus der Unterschicht», sagte er mal einer Zeitung. Auch die ersten Jahre als Comedian waren hart. «Meine erste Gage waren elf Mark fünfzig, da war ich aber schon zwei Jahre dabei.»

Heute gehört Krömer zu den erfolgreichsten deutschen Komikern, 2011 erhielt er den Grimme-Preis als «bester Unterhalter». Nun also Late Night, das edle Format aus den USA, das immer noch als die «Champions League» für TV-Entertainer gilt. Harald Schmidt, vielleicht noch Thomas Gottschalk - es gab nicht viele gute deutsche Late-Night-Talker. Anke Engelke versuchte es mal vor ein paar Jahren, scheiterte aber jäh.

Witzig ist Krömer immer noch, zumindest begeisterte er seine überwiegend jungen Fans, die ins Berliner Ensemble gekommen waren. Ob er auch beim gediegeneren ARD-Fernsehpublikum ankommt, wird sich zeigen.

Seinen ersten Gast, den Linke-Politiker Gregor Gysi, behandelte Krömer jedenfalls auf eine recht schnoddrige Art. Und auch über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr fiel ihm nicht viel mehr ein, als sich darüber lustig zu machen. Satirisches Feingefühl geht Krömer ab - etwa wenn er bei einer Patrouille im gepanzerten Fahrzeug mitfährt. Dann amüsiert er sich auf einer belebten Straße, aus Versehen fast den Joystick für die Bordkanone gedrückt zu haben. Solche Szenen waren weniger Königsklasse, sondern eher Regionalliga.

news.de/dpa

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