Gamescom 2012 Verschenkte Spiele sind keine Konsolenkiller

Kostenlose Spiele für alle – das soll die Zukunft der Videospiele sein. Keinen Cent müssen die Spieler für Shooter, Simulationen und Rollenspiel zahlen. Trotzdem verdienen sich die Spielentwickler damit beinahe eine goldene Nase. Das Aus für klassische Konsolen- und PC-Spiele ist das dennoch nicht.

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Mal eben 50 Euro für ein neues Videospiel ausgeben? Das überlegen sich viele Spieler inzwischen zweimal. Die Unterhaltungsbranche bekommt die Finanzkrise besonders zu spüren. Angst vor einer Pleite haben die Spielentwickler trotzdem nicht. Sie rüsten fürs Durchhalten auf - mit einer Kostenlos-Strategie.

Jeder soll neue Spiele ausprobieren können, so lange und so oft er oder sie will. «Free to play» heißt das Motto, das bereits im vergangenen Jahr gut an Fahrt gewonnen hat. In diesem Jahr sind diese Spiele, die von Anfang an kostenlos genutzt werden können, das große Thema der Gamescom. Das gilt nicht nur für den Computer, sondern auch bei Smartphones und Tablets.

Es scheint, als hätte die Branche die ultimative Win-Win-Situation ausbaldowert. Die Hemmschwelle, ein neues Spiel auszuprobieren, ist gering, die Zielgruppe wird so ungleich größer. Und trotzdem kommt Geld in die Kassen der Spielemacher.

«Free to play» ist die grenzenlose Kauflust

Das Zauberwort heißt Micropayment. Denn obwohl die eigentlichen Spielfunktionen kostenlos genutzt werden können, gibt es im Spiel jederzeit die Möglichkeit, Zusatzfunktionen zu aktivieren, die das Spielerlebnis intensivieren oder für schnelleren Erfolg sorgen.

Das lohnt sich für die Spielemacher. Denn wer erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, der kauft sich so ein Upgrade. Und wer einmal kauft, der kauft auch ein zweites oder gar ein drittes Mal. «Die Branche macht damit ungleich viel mehr Geld, als sie es mit dem klassisschen Verkaufsspiel auf einem Datenträger tun würde», plaudert Robert Hill, Senior Producer des Spiels Defiancevon Trion Worlds, aus dem Nähkästchen.

Der vermeintliche Ausverkauf einer Branche ist also keiner. «Es ist doch das große Ziel eines Spielentwicklers, dass sein Spiel von möglichst vielen Gamern möglichst lange gespielt wird», gibt Hill zu bedenken. Und das sei bei Free-to-play-Games absolut der Fall. «Wenn man früher ein neues Spiel auf den Markt gebracht hat, dann gab es dafür immer einen kleinen Fankreis. Mit dem neuen Modell hingegen gibt es ganz viele Spieler mehr, die ausprobieren und einfach hängen bleiben.» Und wer dann nicht warten will, bis im Spiel die nächste Aktion ausgeführt wird - was bisweilen mehrere Stunden dauern kann -, der zahlt einfach.

Ist «Free to play» Verbrauchernepp?

Für den Verbraucher hat die Sache allerdings einen Haken: Bei vielen kleinen Beträgen geht dem Spieler schnell der Überblick verloren, wie viel er am Ende wirklich gezahlt hat. «Das ist eine Kritik, der wir uns auch stellen», sagt Markus Schütze von Electronic Arts. «Aber Fakt ist doch, dass niemand gezwungen wird Geld auszugeben. Und bei dem Modell, aus dem Spiel heraus Zusatzfunktionen zu kaufen, hat der Spieler zumindest gesehen, was er kauft.» Das sei bei Spielen zum Festpreis oft nicht der Fall. Ein Blick in den Google-Play-Store genüge: Schütze selbst sei dort schon dem Ärger aufgesessen, Geld für eine vermeintliche App zu zahlen, die am Ende nichts anderes als ein Link zu einer Internetseite gewesen sei. Denn bisher fehlt dem Google-Produkt - anders als bei Apple - eine Instanz, die sich anschaut, was das für eine App ist, die in den Store eingestellt wird.

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